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Schlummernder Star: Landgrafenschloss

Schlechte Vermarktung Schlummernder Star: Landgrafenschloss

Eine Studie bestätigt dem Marburger Wahrzeichen, was alle schon geahnt haben: Das Landgrafenschloss hat ungeheures touristisches Potenzial, aber seine Vermarktung ist völlig unzureichend.

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Das Landgrafenschloss in Marburg soll Standort eines Stadtmuseums werden, so eine Studie.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die „Potenzialstudie „Schloss-Areal - Museumslandschaft - Stadtgeschichte“ wurde im Auftrag des Magistrats von der ConCultura GmbH Bonn erstellt. Am Donnerstag ist sie zum ersten Mal Thema im Bauausschuss, wo sie von Geschäftsführerin Elke Hartkopf vorgestellt werden soll.

Universitätsstadt, Stadt der heiligen Elisabeth, Lutherstadt, Stadt der Archive oder Brüder-Grimm-Stadt: Es gibt viele Attribute, mit denen Marburg auf sich aufmerksam macht - die meisten haben mit dem Landgrafenschloss oben auf dem Gisonenberg zu tun. „Konkurrenzlos“ sei diese Situation für Marburg im Umkreis von 100 Kilometern, sagen die Autorinnen der Studie - um aber zum Schluss zu kommen, dass Marburg dieses touristische Potenzial bestenfalls unzureichend nutzt. Ein Indiz dafür: Nur jede zehnte gebuchte Stadtführung führt auch zum Schloss.

Ein Großteil der Touristen kommt nicht zum Schloss

Ein weiteres: Die Zufahrt zum Schloss ist nach wie vor mangelhaft. Die Studie führt das Fehlen einer geeigneten Zufahrt für Touristenbusse ebenso auf wie eine mangelhafte Beschilderung im Stadtkern, die auf das Schloss hinweist. „Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Tagestouristen den Weg zum Schloss gar nicht antritt beziehungsweise nicht auf sich nimmt“, schreiben die Autorinnen.

Wer dennoch den Weg auf sich genommen hat, dem wird es nicht eben leicht gemacht, die Schätze des Schlossareals zu erkunden: Die Eingangssituation des Schloss-Areals „ist nicht ansprechend und zielführend“, schreiben die Autorinnen der Studie. Es fehle eine Überblicks-karte zur Orientierung, Wegweiser und Hinweise auf einzelne Einrichtungen (Museum, Schlosspark, Gastronomie). Und es gebe keine oder nur sehr schlecht erkennbare Hinweise auf den Eingang zum Schlossmuseum, wodurch potenzielle Besucher des Schlosses von einem Besuch abgehalten würden.

Die Ideallösung wäre kaum finanzierbar

Unkoordinierte Angebote von Stadt und Universität, keine Vernetzung zu den anderen Museumseinrichtungen in der Stadt sind in den Augen der Studie weitere Schwachpunkte. Die ConCultura schlägt eine zentrale Betreuung des Besucherbetriebs am Landgrafenschloss durch Marburgs Touristenbetrieb MTM vor, um alles aus einer Hand abwickeln und eine gleichbleibende Servicequalität sicherstellen zu können.

Und: Die Studie greift die uralte Idee eines zentralen Marburger Stadtmuseums auf, das andere Universitätsstädte wie Gießen, Tübingen oder Erlangen schon haben. Kultur und Stadtgeschichte seien für die Entwicklung des Tourismus unerlässliche Größen, schreiben die Autorinnen. Nach ihrer Vorstellung könnte Marburg zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen durch die Einrichtung eines Stadtmuseums auf dem Gelände des Landgrafenschlosses.

„Die komplette Neukonzeption vor allen Dingen des Schlosses und des Schloss-Areals ist aus universitäts- und stadteigenen Mitteln nicht finanzierbar“, räumt ConCultua allerdings ein und schlägt deswegen die Entwicklung eines „Masterplans“ vor, um den genauen Finanzbedarf ermitteln und verhandeln zu können.

Für Oberbürgermeister Egon Vaupel ist die Studie „die Bestätigung der außergewöhnlichen Schätze, die wir in Marburg haben“. Sie gebe wichtige Hinweise, „wie wir diese Schätze besser nutzen.“ Vaupel wies aber darauf hin, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen wie die Errichtung eines Stadtmuseums im Schloss nicht im nächsten Jahr 1:1 umzusetzen seien. „Wir müssen die Entwicklung unserer touristischen Schätze als integrierten Bestandteil der Stadtentwicklung betrachten.“

von Till Conrad

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