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Schlossberglabor war Keimzelle der Behringwerke

Studium generale mit Behring-Vortrag Schlossberglabor war Keimzelle der Behringwerke

Mit einem Vortrag zum Leben und Werk des Medizin-Nobelpreisträgers Emil von Behring in Berlin und Marburg eröffnet die Medizinhistorikerin Dr. Ulrike Enke am Mittwoch das Studium generale.

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Auf diesen Zeichnungen aus einem Buch über Behrings Forschung sind Mauerwerk, die Kellertreppe sowie die Beleuchtung des Schlossberglabors ebenso gut erkennbar wie eine Zentrifuge. Repro: OP

Marburg. Im Eröffnungsvortrag des „Studium generale“ stellt Dr. Ulrike Enke von der Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin der Philipps-Universität Marburg den Begründer der Serumtherapie, Emil von Behring (1854-1917), und seine wichtigsten Wirkungsstätten vor. In ihrem Vortrag nimmt Enke die Zuhörer mit in den Keller des Marburger Schlossberglaboratoriums, in dem in verschiedenen Räumen an einem Heilmittel gegen die damals gefürchtete Volkskrankheit Tuberkulose geforscht wurde. Die Berliner Jahre des späteren Nobelpreisträgers für Medizin im Labor des berühmten Forschers Robert Koch – zwischen Meerschweinchen, Kaninchen und weißen Mäusen – waren geprägt von intensiver Grundlagenforschung, erläutert Enke. Im Hintergrund stand die Suche nach einem wirksamen Heilmittel gegen die Diphtherie, an der ­damals allein in Preußen jährlich rund 25000 Kleinkinder starben. Dank Behrings Serumtherapie starben wesentlich weniger Menschen an Diphtherie. Wegen seiner Verdienste um die Bekämpfung der gefährlichen Krankheit erhielt er 1901 den erstmals verliehenen Medizin-Nobelpreis.

Versuchslabor im Wohnhaus

In Marburg war Behring dann nach seiner Berufung an die Universität als Wissenschaftler und als Unternehmer tätig. Vor allem das 1896 errichtete und noch heute existierende Schlossberglaboratorium im Gisonenweg diente dem 1895 nach Marburg berufenen Hygieneprofessor nicht nur als Wohnhaus. Es war auch als Versuchslabor mit modernstem Equipment ausgestattet, das vor allem für die Entwicklung eines Heilmittels gegen die Tuberkulose eingesetzt wurde. An der Seite Behrings forschten Wissenschaftler in den Räumen des von den Farbwerken Höchst finanzierten Privatlabors auch zu Cholera und Tetanus. Neben dem Gutshof auf dem Bunten Kitzel kann das Schlossberglaboratorium als Gründungsstätte der Behringwerke angesehen werden, erklärt Enke. Historische Fotos und Zeichnungen aus dem Marburger Behring-Archiv geben einen Einblick in das ehemalige Schlossberglabor. Heute befindet sich dort das Gästehaus des Herder-Institutes für Ostmitteleuropa-Forschung.

Enke hat in den vergangenen Jahren den Nachlass Behrings aufgearbeitet und schreibt momentan eine wissenschaftliche Biografie über Emil von Behring.

  • „Behrings Erben. Die Bekämpfung der Infektionskrankheiten gestern und heute“: So lautet der Titel für das „Studium generale“ in diesem Wintersemester. Der Auftaktvortrag von Dr. Ulrike Enke findet am Mittwoch, 2. November, um 20.15 Uhr im Audimax im Uni-Hörsaalgebäude statt.

von Manfred Hitzeroth

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