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Schlägerei in Bar: Türsteher angeklagt

Aus dem Amtsgericht Schlägerei in Bar: Türsteher angeklagt

Eine Schlägerei im früheren „Desbarado“ ist Thema im Prozess gegen drei ehemalige Türsteher der Bar. Gemeinschaftlich sollen die Angeklagten drei Gäste angegriffen und verletzt haben.

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Das Archivfoto zeigt den Eingang zur ehemaligen Bar „Desbarado“ in der Reitgasse.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Bei dem Versuch, die Gäste und jetzigen Nebenkläger aus der Disco hinauszuwerfen, soll es zwischen den Gruppen zu Handgreiflichkeiten, Schlägen und Tritten gekommen sein. Die Sicherheitskräfte bestreiten die Vorwürfe, werfen ihrerseits den anderen Übergriffe vor.

Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung klagt die Staatsanwaltschaft die 28, 40 und 47 Jahre alten Männer an, die in verschiedenen Nachbar-Landkreisen leben und vor zwei Jahren als Türsteher der Marburger Bar tätig waren.

Die drei mutmaßlich Geschädigten, eine junge Frau, deren Lebensgefährte und der Bruder, feierten Anfang Oktober 2014 in dem Lokal. Nach einem noch im Vergleich harmlosen „Streitgespräch“ mit dem Freund der Frau über das Eintrittsgeld eskalierte die Situation, sowohl innerhalb und später auch außerhalb des Partybezirks.

Laut Anklage soll einer der Türsteher den Mann von seinem Tisch in der Bar gerissen, zu Boden gestoßen und gemeinsam mit den Kollegen auf ihn „eingeschlagen und getreten haben“, bestätigten die Zeugen.

Als die junge Frau eingriff schlug ihr der 47 Jahre alte Beschuldigte angeblich mehrfach mit der Faust ins Gesicht, auch der Bruder soll während der Schlägerei von den Angeklagten malträtiert und verletzt worden sein, er erlitt eine Nasenbeinfraktur. Nachdem das Trio aus der Bar geworfen worden war, verständigte es die Polizei ebenso wie die Angeklagten.

„In Ruhe rausholen, ohne Muskelspiel“

Sowohl die Beschuldigten wie die bisherigen Zeugen stellten die Situation zum Prozessauftakt völlig unterschiedlich dar. Einig ist man sich bisher in einem: Nach dem Protest des Freundes über ein weiteres Eintrittsgeld, das er laut Verordnung in der Nacht regulär nach Verlassen für den Zugang zur Bar zu zahlen hatte, wurde er des Hauses verwiesen und kurze Zeit später zusammengeschlagen. Allerdings nicht von ihnen, sondern von einer Sicherheitskraft der Bar, berichteten die Angeklagten.

Nachdem der Geschädigte sich widerrechtlich an der Security vorbeigeschlichen hatte, wurde er von einem der Männer angesprochen, der wollte den Störenfried mit Unterstützung eines Kollegen „in Ruhe rausholen, gewaltfrei, ohne Muskelspiel“.

Der Mann habe das Hausverbot nicht eingesehen, packte den Ordner am Schlafittchen, beide fielen zu Boden, der eigentliche Täter zog den Gast weg und begann ihn angeblich mit Schlägen und Tritten zu traktieren, so der Angeklagte. Die Freundin des Opfers habe wiederum den zweiten Ordner angegriffen, schlug ihm „ohne Vorwarnung“ gezielt ins Gesicht, der Bruder nahm ihn in den Schwitzkasten.

Der mitangeklagte Kollege kam ihm zur Hilfe, während sich der Dritte in einem ganz anderen Barbereich aufhielt, so die Gegenversion.

Mit sich reden ließen die Gäste zuvor angeblich nicht, seien „sofort handgreiflich“ geworden, die Aggression ging von der anderen Gruppe aus, berichteten alle Angeklagten, die auf ein korrektes Verhalten ihrerseits hinwiesen. „Mit gutem Gewissen“ könne er sagen, dass die beiden Kollegen professionelle Ordner, „keine Prügel-Türsteher“ seien, betonte der Dritte.

Alle Männer waren damals bei einer Sicherheitsfirma angestellt, arbeiteten als externe Ordner in der Bar, die in den Jahren vor ihrer Schließung im Januar 2015 mehrfach wegen Gewaltdelikten und Lärmbelästigung in der Kritik stand. Darauf verwiesen auch die Beschuldigten vor Gericht und berichteten von den „schwarzen Schafen“ ihrer Branche, zu denen sie sich nicht zählen.

Aussagen driften zum Teil weit auseinander

Dem widersprachen die Zeugen, sehen die Türsteher als die Aggressoren in dieser Nacht. Laut der Frau soll der 47-Jährige sie und den Bruder mehrfach grundlos geschlagen und dem Verwandten zudem die Nase gebrochen haben.

Ob sie selbst handgreiflich wurde, daran erinnerte sie sich nicht mehr. Wer den Freund genau zusammengeschlagen hatte, konnte der Geschädigte nicht mehr sicher sagen, vermutete nur, dass es die Angeklagten waren. „Mindestens vier Personen schlugen auf ihn ein“, erinnerte sich die Lebensgefährtin. Bei der Schlägerei erlitt der Mann eine Nierenprellung sowie einen Bänderriss am Finger.

Nicht ganz einfach gestaltete sich vor dem Amtsgericht Marburg die Rekonstruktion des genauen Ablaufs, wer wann genau und wie oder überhaupt zugeschlagen hatte - das ließ sich nur schwer nachvollziehen, die Aussagen driften zum Teil weit auseinander.

Weitere Zeugen sollen am zweiten Verhandlungstag, Montag, 31. Oktober, ab 9 Uhr mehr Licht ins Dunkel bringen.

von Ina Tannert

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