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Schläger kommt mit Verwarnung davon

Amtsgericht Schläger kommt mit Verwarnung davon

Mit einer Verwarnung ist ein 28-Jähriger vor dem Marburger Amtsgericht davongekommen, der in einer Marburger Wohnung Ende 2011 seine Ehefrau und den fünfjährigen Sohn misshandelt haben soll.

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Marburg. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, im Oktober 2011 zunächst das Mobiltelefon der Frau vom Balkon geworfen zu haben. Anschließend habe er sie an den Haaren gezogen und sie geschlagen. Als das Kind dazwischen gegangen sei, habe er es in den Bauch getreten. Einen Monat später soll der Angeklagte erneut handgreiflich gegenüber der Ehefrau geworden sein. Zudem habe er einen Schlafanzug des Kindes zerrissen und vom Balkon geschmissen.

Richter Tobias Friedhoff trug mit dem milden Urteil auch der Tatsache Rechnung, dass die angeklagten Taten unter besonders belastenden Lebensumständen begangen wurden und die Familie sich heute wieder verträgt.

Der aus Bosnien stammende Angeklagte, der die Vorwürfe einräumte, berichtete, dass er 2011 geheiratet habe. Er sei davon ausgegangen, dass er dann einfach zu seiner Frau nach Deutschland ziehen könnte, erläuterte sein Verteidiger Gunther Specht. Dem sei aber nicht so. Er dürfe jeweils nur drei Monate bei seiner Familie sein, so der Angeklagte. Dann müsse er für längere Zeit wieder nach Bosnien. Er wolle arbeiten, aber weil er das hier nicht dürfe, habe die Familie kaum Geld. Er selbst sei mittellos.

Das habe zu so großen Belastungen geführt, dass er wohl ausgerastet, „geradezu explodiert“ sei, so der 28-Jährige. Anschließend habe er sich in Psychotherapie begeben, nehme bis jetzt Medikamente und alles sei wieder in Ordnung, wie die Ehefrau als Zeugin bestätigte. Damals allerdings habe sie ihren Ehemann kaum wieder erkant. Zuvor sei er nie gewalttätig gewesen, aber an diesen Tagen habe er sich nicht unter Kontrolle gehabt, auch den eigenen Kopf gegen die Wand geschlagen, dass sie Angst um ihn und sich gehabt habe.

„Er ist wieder so, wie ich ihn kennengelernt habe“, betonte die 42-Jährige jetzt. „Herr Richter, ich liebe diesen Mann und er liebt uns“, sagte sie.

An die zweite Tat könne er sich überhaupt nicht mehr erinnern, so der 28-Jährige. Wie bei der ersten Tat sei er jedoch psychisch schwer angeschlagen gewesen. Falsche Freunde hätten Schlechtes über seine Frau gesagt, zum anderen habe er unter anderem Rechnungen eines Rechtsanwalts erhalten, der ihm versprochen habe, dass er ein Visum bekomme, was er bis heute nicht habe.

Verteidiger Specht stellte die Frage, wem eigentlich mit einer Verurteilung genutzt werde. Die Familie habe mit den Vorfällen abgeschlossen und die ohnehin schwierige Situation mit der Ausländerbehörde werde noch schwerer. Seinem Vorschlag, die Verfahren einzustellen wollte sich Staatsanwalt Nikolai Wolf jedoch zumindest bei dem ersten Tatkomplex nicht anschließen. „Wenn ihr Mandant auf ein Kind losgeht, muss er mit den Konsequenzen leben“, betonte er. Gleichwohl plädierte er auch wegen des Geständnisses, verminderter Schuldfähigkeit dafür, den nicht vorbestraften Angeklagten nur zu verwarnen. Diesem Antrag schloss sich Specht an. Richter Friedhoff stellte letztlich fest, dass sich der Mann der Körperverletzung und Sachbeschädigung schuldig gemacht habe. Eine Verwarnung und eine Geldstrafe unter Vorbehalt reichten jedoch aus. Es sei wohl ein einmaliger Ausbruch gewesen. „Das Gericht geht davon aus, das so etwas nicht noch einmal passiert“, so Friedhoff. Wenn der Angeklagte sich in zwei Jahren Bewährungszeit nichts zu Schulden kommen lässt, wird ihm die Geldstrafe von 70 Tagessätzen à fünf Euro erlassen. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

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