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Schläger-Prozess: "Der wacht schon wieder auf"

Amtsgericht Schläger-Prozess: "Der wacht schon wieder auf"

Handy-Klau, Tankstellen-Prügelei, Besen-Attacke: Eine Familie aus Marburg muss sich derzeit wegen gemeinschaftlichen Raubes und Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

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Eine Familie aus Marburg muss sich derzeit wegen gemeinschaftlichen Raubes und Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Quelle: dpa

Marburg. Die Angeklagten, ein Familienvater, zwei seiner Söhne(16, 19)sowie ein 18-jähriger Bekannter der Familie sollen mehrfach an gemeinschaftlich begangenen Raub- und Körperverletzungsdelikten beteiligt gewesen sein. Anfang 2014 sollen die drei jungen Männer in der Innenstadt eine junge Frau, die mit ihnen unterwegs war, bedrängt und beraubt haben. Laut Anklage gingen sie gemeinsam auf ihr Opfer los, forderten die Jugendliche auf, ihr Handy zu übergeben. Einer der mutmaßlichen Räuber griff in ihre Tasche, entriss ihr das Handy und soll der Geschädigten mehrmals ins Gesicht geschlagen haben. Diese ging daraufhin zu Boden, versuchte noch dem mutmaßlichen Täter zu folgen. Der dritte Angeklagte soll sich ihr in den Weg gestellt und mit weiteren Schlägen an der Verfolgung gehindert haben.

Einige Wochen später sollen die angeklagten Brüder eine Schlägerei mit einem jungen Mann begonnen haben. Laut Anklage schlugen beide plötzlich brutal auf ihr Opfer ein, brachten es zu Fall und traten weiter auf den am Boden Liegenden ein.

Im Mai sollen die Brüder in der Nähe einer Tankstelle im Marburger Norden einen gemeinsamen Bekannten angegriffen, verfolgt und zusammengeschlagen haben. Als das Opfer sich durch den Einsatz von Pfefferspray wehrte, schlugen sie erneut auf den Mann ein, auch der Vater soll hinzugekommen und sich an den Attacken mit einem Besenstiel beteiligt haben.

Vor Gericht gab nur der 16-Jährige die Beteiligung an Schlägereien zu. In beiden Fällen sei er jedoch zuerst angegriffen worden und habe sich „nur gewehrt“. Im dritten Fall gerieten er und sein Bruder in Streit mit dem betrunkenen Bekannten, nachdem dieser einen Stein geworfen und sie mit Pfefferspray angegriffen habe. Ihr Vater sei hinzugekommen, mit einem abgebrochenen Besenstiel in der Hand, habe jedoch nicht zugeschlagen. Dies bestätigten mehrere Zeugen vor Gericht.

Der Vater gab an, von seiner Tochter über die Auseinandersetzung seiner Söhne informiert und zur Hilfe gerufen worden zu sein. Er sei nach seiner Ankunft auf den angeblichen Angreifer zugelaufen, habe ihn jedoch nicht mit dem Stock geschlagen. Sein älterer Sohn habe den Geschädigten „nur einmal ins Gesicht geschlagen“. Das Opfer sei daraufhin zu Boden gegangen, schlug mit dem Kopf gegen den Bordstein und erlitt eine Platzwunde. Gegen beide Söhne wurde Strafbefehl erlassen, der ältere befindet sich seit über vier Monaten in Untersuchungshaft.

Zweifel an Zeugenaussagen

Ein Großteil der insgesamt 13 vor Gericht geladenen Zeugen war während der Schlägerei in der Nähe der Tankstelle. Der Geschädigte gab an, dass er sich - stark alkoholisiert und unter dem Einfluss von Medikamenten stehend - von den beiden jungen Männern habe „verprügeln lassen“ und erst im Krankenhaus wieder aufgewacht sei. Eine Beteiligung des Vaters konnte er nicht bestätigen. Ein anderer Zeuge gab an, dass sich die Angeklagten, nachdem das Opfer stark blutend zu Boden ging, mit den Worten „der wacht schon wieder auf“ umgehend vom Tatort entfernten. Mehrere weitere Zeugen sagten aus, keine Schläge gesehen zu haben oder zu weit entfernt gewesen zu sein. Einige widersprachen ihrer polizeilichen Aussage oder konnten sich nicht mehr an den Vorfall erinnern. Staatsanwältin Annemarie Petri: „Sie lügen hier eindeutig“, sagte sie zu den Freunden. „Also alle standen weiter hinten, keiner vorne und keiner hat was gesehen“, sagte Richter Cai Adrian Boesken.

Auch die Angaben zum Handy-Klau brachten keine genauen Erkenntnisse. Die Geschädigte habe den Streit provoziert, nachdem sie das Handy einer Bekannten in die Lahn geworfen hatte, betonten Zeugen. Als Ersatz hatten ihr die Angeklagten daraufhin ihr eigenes Gerät abgenommen. Der Prozess wird fortgesetzt, Haftbefehle der beiden angeklagten Brüder wurden aber vorerst aufgehoben, der ältere mit Auflagen aus dem Vollzug entlassen.

von Ina Tannert

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