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Schizophrener Täter muss in Psychiatrie

Gericht Schizophrener Täter muss in Psychiatrie

Vergewaltigung in einer psychiatrischen Klinik: Täter und Opfer waren krank. Der Beschuldigte ist laut Gericht schuldunfähig.

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Marburg. Marburg. Das Verfahren um einen 38-jährigen Mann aus Homberg/Ohm, dem sexueller Missbrauch einer geistig behinderten und widerstandsunfähigen Frau vorgeworfen wurde, ist abgeschlossen. Der Beschuldigte hatte auf der Toilette einer psychiatrischen Klinik in Haina Geschlechtsverkehr mit der an einem schweren Hirnschaden leidenden 42-Jährigen gehabt (die OP berichtete).

Offenes Wohnheim war für Beschuldigten ungeeignet

Die gesetzliche Betreuerin des Beschuldigten gab an, dass sie bereits seit Jahren versuche, eine passende Einrichtung für ihren Klienten zu finden, da ihrer Meinung nach das offene Wohnheim, in dem er gelebt hatte, nicht geeignet war und sich seine psychische Erkrankung dort nicht gebessert habe. Eher das Gegenteil sei der Fall gewesen. Durch sein aggressives und ungebührliches Verhalten habe ihn jedoch jede andere Institution abgelehnt.

Das Gutachten des Beschuldigten ergab, dass der Konsum von Alkohol die Psychose eher noch verstärkt habe. Während seiner Zeit im Wohnheim hatte sich der Mann regelmäßig Alkohol kaufen können und bewusst auf seine Medikamente gegen die Schizophrenie verzichtet. Der Gutachter bestätigte, dass sich die seelische Störung des Beschuldigten immer weiter verschlechtert hatte. Es wurde bei ihm unter anderem eine schizophrene Psychose festgestellt. Der Gutachter gab an, dass bei dem Beschuldigten ein Schuld- und Schamgefühl nicht erkennbar sei und er zum Tatzeitpunkt eine eingeschränkte Realitätswahrnehmung gehabt habe. Sein Wunsch nach Nähe und Familie sowie seine Psychose führe zu einer beeinträchtigten Wahrnehmung seiner Umwelt und einer gesteigerten Impulsivität. Er ist daher nicht in der Lage, seine Taten kritisch zu hinterfragen. Dies führe zu einer „Bedürfnisbefriedung ohne Rücksicht auf soziale Normen.“ Ohne adäquate Behandlung sei das Risiko weiterer Straftaten sehr hoch. Richter Dr. Carsten Paul sah die Schuldunfähigkeit wegen fehlender Einsichtsfähigkeit als erwiesen an. Der Beschuldigte wird daher in eine geschlossene forensische Psychiatrie eingewiesen. Auch der Verteidiger war von dieser Maßnahme überzeugt. „Es ist ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft, dass erst so etwas passieren muss, damit reagiert wird“. Durch sein langjähriges auffälliges Verhalten hätte seinem Mandanten schon viel früher geholfen werden müssen.von Ina Tannert

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