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Schirrmachers Plädoyer für Intuition

Studium generale Schirrmachers Plädoyer für Intuition

Der "FAZ"-Herausgeber und Bestseller-Autor Frank Schirrmacher hielt einen Vortrag beim „Studium generale“ vor mehr als 500 Zuhörern im gut besetzten Audimax.

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Der „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher (kleines Foto) hielt im gut gefüllten Audimax beim Studium generale des Fachbereichs Medizin einen Vortrag. Fotos/Fotomontage: Michael Hoffsteter

Marburg. Der Name Schirrmacher zog: Und so waren die Reihen im Audimax der Universität beim „Studium generale“ sehr gut gefüllt, als der Feuilletonist aus Frankfurt seinen Vortrag zum Thema „Ökonomie und Medizin“ hielt. Wer allerdings einen zielgerichtet auf die Verbindungen zwischen der Medizin und der Finanzwirtschaft hinweisendes Referat gehofft hatte, war vergeblich erschienen. Schirrmacher gestand selber ein, dass er das Thema Medizin eher „umkreise“. Statt dessen wagte er eher Ausflüge in die Welt der Medien und der Wirtschaft. Seine kulturpessimistischen Thesen erinnerten in ihrer Schärfe fast schon an Passagen aus Science-fIction-Romanen. Dieses trug er allerdings so brillant vor, dass die meisten Zuhörer mit sehr viel Aufmerksamkeit und Begeisterung seinen Vortrag verfolgten.

Hauptsächlich ging es Schirrmacher darum, Belege dafür zu präsentieren, dass der ökonomische Imperialismus die Oberhand über alle Facetten des Lebens gewonnen habe. „Verstärkt durch die Digitalisierung erleben wir, dass das wirtschaftliche Denken das gesellschaftliche Denken prägt“, sagte Schirr-macher. Dieses geschehe vor allem dadurch, dass das Verhalten der Menschen in allen Lebenslagen durch finanzielle Anreize gesteuert werde.

Gleichzeitig entziehe sich im Zeitalter der auf Effizienz und ökonomische Verwertbarkeit geeichten „Datensammelwut“ so gut wie nichts der Macht der Computer.

Die bekannten Thesen aus seinen beiden Erfolgsbüchern „Payback“ und „Ego - Das Spiel des Lebens“ versuchte der „FAZ“-Journalist auch auf die Medizin anzuwenden. Und hier kam jetzt aus Schirrmachers Sicht der Berufsstand der Mediziner ins Spiel.

Denn es gehe schließlich in der Zukunft darum, welche Ärzte wir zur Verfügung haben. ,Auch auf die Mediziner wirke sich der ökonomische Imperialismus aus, meinte der Journalist.

„Wenn Kliniken wie die Marburger Uni-Klinik privatisiert werden und die jungen Studierenden schon auf Effizienz getrimmt werden, kann man sich gut vorstellen, wie die Ärzte der nächsten Generation aussehen“, sagte Schirrmacher. Doch ganz so pessimistisch ist er trotzdem nicht. Denn im Sinne von Kultursoziologen wie Gerd Gigerenzer setzt Schirrmacher auch auf eine Gegenbewegung; Dabei geht es ihm um ein Plädoyer für die Kraft des intuitiven Denken, das sich beispielsweise auch einmal der Macht der vollautomatisierten medizinischen Computersystetem widersetzen.

Schirrmacher berichtete von besorgniserregenden aktuellen Entwicklungen in den USA; Bei Notfallpatienten in Krankenhäusern läge aufgrund gezielter telefonischer Nachfragen mit Hilfe von Analysefunktionen aus Computersystemen mittlerweile bereits in 60 Prozent der Fälle eine Diagnose vor, bevor der Patient überhaupt das Krankenhaus erreicht habe und einen Arzt gesehen habe. Dieses sei eines der Beispiele für Systeme, bei denen der Mensch schon keine Rolle mehr spiele.

von Manfred Hitzeroth

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