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Scheitert die Seilbahn am Naturschutz?

Landschaftsschutzgebiet Scheitert die Seilbahn am Naturschutz?

Eine mögliche Seilbahn von der Marburger Innenstadt hinauf auf die Lahnberge erhitzt seit langer Zeit viele Gemüter. Gegner befürchten unter anderem Eingriffe in den Umwelt- und Naturschutz.

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Oberhalb des Blitzweges beginnt das Landschaftsschutzgebiet, über das eine mögliche Seilbahnverbindung auf die Lahnberge hinweg führen würde.

Quelle: Thorsten Richter, Montage: Nikola Ohlen, Sven Geske

Marburg. Im Dezember hatte das Ingenieurbüro Schweiger die Studie über eine technische Machbarkeit der Seilbahnverbindung öffentlich vorgestellt. Ergebnis: Die favorisierte Trasse soll von zwei Talstationen im Bereich Savignystraße/Uferstraße sowie am Ludwig-Schüler-Park über eine Zwischenstation am Kaiser-Wilhelm-Turm hoch bis zur Bergstation am Uniklinikum verlaufen (die OP berichtete).

Damit würde die Gondelbahn auch über ein Landschaftsschutzgebiet führen, das sich von oberhalb des Blitzweges bis kurz unterhalb des UKGMs erstreckt. Ein Umstand, den auch die Bürgerinitiative gegen eine Seilbahntrasse in Marburg (BI Geist) anmerkt.

Kahle: Umwelt steht „ganz am Ende einer Planung“

Auf ihrer Homepage verweist die BI auf die Gefährdung geschützter Tiere (zum Beispiel Vögel und Fledermäuse), die Opferung von Naturschutzflächen für ein „markantes Bauwerk“ an der Talstation und die Beeinträchtigung eines „wichtigen Naherholungsgebietes“ durch einen „unnötigen technischen Eingriff“. Dort wo heute noch Park- und Waldflächen seien, würden stattdessen „monströse Stationen für Ein- und Ausstieg“ entstehen, heißt es in einer Stellungnahme.

Arno Schweiger vom gleichnamigen Ingenieurbüro hatte bei seiner Präsentation selbst auf den Paragraphen 3 des Hessischen Seilbahngesetzes hingewiesen. Laut diesem „unterliegen alle Vorhaben einer Umweltverträglichkeitsprüfung soweit die Seilbahnen durch ein Naturschutzgebiet, ein Reservat, einen Naturpark oder ein Landschaftsschutzgebiet führen.“ Droht also das Scheitern des Vorhabens schon durch jene Prüfung? Bürgermeister Dr. Franz Kahle, der als Befürworter gilt, sieht nach den Ergebnissen der Studie „zum jetzigen Zeitpunkt kein Ausschlusskriterium“.

Die Fragen zur Umweltverträglichkeit „würden ganz am Ende einer Planung stehen“, sagt er. Vorher müsse, sofern es an die Umsetzung gehe, erst einmal das Baurecht in einem Planfeststellungsverfahren festgelegt werden. Die Firma Schweiger habe zwar zunächst nur die technische Realisierbarkeit geprüft, verfüge darüber hinaus aber über Erfahrung „aus vielen solcher Verfahren“ in anderen Städten. Sie habe bisher „keine unüberwindbaren Hindernisse“ ausgemacht. Zudem seien für Neubauten auf dem Klinikumgselände bereits deutlich größere Flächen genehmigt worden.

Beim Regierungspräsidium in Gießen heißt es diesbezüglich, dass man zu derartigen Problemstellungen „pauschal nichts sagen kann“, so Sprecherin Gabriele Fischer. Sollte eine Überprüfung notwendig werden, müsse man „klären was Gegenstand der Prüfung ist“ und es „mit allen Fachbehörden vorabstimmen“.

Kahle: Allgemeine Verkehrsplanung berücksichtigen

Kahle kann sich weiterhin vorstellen die Bürger über den Bau der Seilbahn abstimmen zu lassen. Dies könne man beispielsweise mit der Kommunalwahl oder einem anderen Urnengang verbinden und habe dann „ein verlässliches Votum“, so der Bürgermeister. Als nächstes würden die Ergebnisse der Studie aber erst einmal in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert, „wo wir ja bei der Entscheidung koalitionsmäßig nicht gebunden sind“. Im Parlament werde man „in einem politischen Meinungsbildungprozess eine Einigung finden müssen“.

Es gelte dabei nicht allein über die mögliche Seilbahn zu sprechen, sondern auch über andere Aspekte der Verkehrsplanung für die Lahnberge, die man „nicht außer Acht lassen“ dürfe. Als Beispiel sei etwa über eine neue Fahrradtrasse zu sprechen, für die ebenfalls Wald gerodet werden müsse und die ebenfalls eine Investition in siebenstelliger Höhe bedeute.

Eines ist, so Kahle, jedoch sicher: „Wir müssen investieren, um die Lahnberge verkehrstechnisch besser anzubinden“, denn das sei für die Uni-Einrichtungen dort „sehr wichtig“. Sollte man keine Verbesserung erreichen, bedeute dies in Zukunft „einen großen Standort-Nachteil“ für die Philipps-Universität.

von Peter Gassner

 

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