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Schautafeln zeigen die neuen Wege der neuen Rechten

Schüler-Ausstellung Schautafeln zeigen die neuen Wege der neuen Rechten

Die Richtsberg-Gesamtschüler setzen sich mit einer Arbeitsgemeinschaft und der am Montag eröffneten Ausstellung für mehr Toleranz und ein faires Miteinander ein.

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Finnja erklärt als Ausstellungs-„Guide“ ihren Mitschülerinnen eine der Schautafeln.Foto: Tonia Simone Pöppler

Marburg. „Hier gibt’s kein Schwarz oder Weiß … hör auf dein Herz … es zählt der Mensch, wir machen dich stark“ - couragierte Worte mit denen die Schülerband der Richtsberg-Gesamtschule am Montag auf die Ausstellung einstimmt. Ein selbst getextetes Lied, das Augen öffnen soll.

Nicht erst die Ende 2011 aufgedeckte Mordserie des Zwickauer Terroristentrios hat die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Vielmehr ist die Tatsache erschreckend, dass 170 Menschen in Deutschland seit dem Jahr 1990 aufgrund rechtsradikaler Gewalt ihr Leben verloren haben.

Doch woran erkennt man Rechtsextremismus? Nicht selten suchen Neonazis ihren Nachwuchs auf Schulhöfen, auf Fußballplätzen oder auch über Facebook. Aber die Schüler der Richtsberg-Schule wissen: Fremdenhass und Gewalt dürfen keine Chance haben. Dort nicht und nirgendwo.

Somit trat die Schule dem europaweiten Netzwerk „Schulen ohne Rassismus“ bei - für Toleranz und Aufklärung.

Acht Schüler wurden in einem Workshop von Doreen Wagner und Holger Wiewel, Bildungsreferenten des Bielefelder Vereins für demokratisches Handeln, zu speziellen „Guides“ ausgebildet. Finnja aus Michelbach besucht die zehnte Klasse der Gesamtschule auf dem Richtsberg. Sie ist eine der Guides. Sie gibt zu, dass sie vorher nicht viel von der rechten Szene wusste. „Doch es ist mitten unter uns“, deshalb ist sie Mitglied der AG geworden.

Sie führt durch die Ausstellung und klärt anhand der etwa 30 Schautafeln und Vitrinen über die Methoden auf, die rechte Organisationen und Parteien nutzen, um gezielt Jugendliche für sich zu gewinnen.

Zeit der Springerstiefel und Bomberjacken ist vorbei

Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt dabei auf dem Lifestyle der rechten Jugend. Denn die Zeit der Springerstiefel und Bomberjacken ist vorbei. „Die neuen Rechten gehen neue Wege“, weiß Claudia Wiegand, die als Lehrerin auf der Richtsberg-Gesamtschule für „Schule ohne Rassismus“ zuständig ist, „doch die Schüler schauen hin!“

Und auch Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach lobt die Initiative und betont: „Die Ausstellung ist nötig. Man muss sich ständig neue Dinge einfallen lassen, weil die Rechten das auch tun.“

Rassismus hat viele Gesichter. Einige Schüler der Richtsberg-Gesamtschule mussten auch schon selbst Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung machen.

Jahrgangsübergreifend richten die Richtsberg-Gesamtschüler einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Ausgrenzung und zeigen als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ ebendiese, der rechten Gewalt entgegenzutreten.

Zwei Wochen noch wird die Ausstellung in der Richtsberg-Gesamtschule zu sehen sein.

von Tonia Simone Pöppler

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