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Scharfzüngiger Ökonom

Röpke-Ausstellung Scharfzüngiger Ökonom

Anlass für die Ausstellung ist der 50. Todestag ­Wilhelm Röpkes. Bei der Eröffnung ermöglichte Professor Helge Peuckert von der Universität Erfurt einen Einblick in das ­Leben des Ökonomen.

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Professor Helge Peuckert (rechts) diskutierte mit den Ausstellungsmachern über Wilhelm Röpke.

Quelle: Marie Rentergent

Marburg. „Viele von uns wussten zu Beginn des Seminars selbst nicht so recht, wer Wilhelm Röpke eigentlich war“, sagte Alexander Kramer, einer der Studenten, die in einer Kooperation zwischen den Fachbereichen Geschichte und Wirtschaftswissenschaften an der Umsetzung der Ausstellung beteiligt waren.

Ziel der Ausstellung sei es keinesfalls, den Ökonomen und Sozialphilosophen als heroische Figur darzustellen, denn „er war kein Säulenheiliger“. Auch die Frage, wie Röpke auf die heutigen Wirtschaftsverhältnisse reagiert hätte, könne man nicht ernsthaft behandeln. „Das wäre ahistorisch“, erklärte der Student den rund 70 Zuhörern im Kanada-Saal der Unibibliothek (UB).

Professor Peuckert vermittelte anschließend in seinem Vortrag „Wilhelm Röpke: Wissenschaftler und Homo politicus zwischen Marburg, Exil und Nachkriegszeit“ ein umfassendes Bild von dem Namensgeber der Wilhelm-Röpke-Straße, an der sowohl die UB als auch die Philosophische Fakultät liegen. Peuckert ist außerplanmäßiger Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Erfurt.

Pseudonym "Ulrich Unfried"

Röpke, geboren 1899, gilt als einer der geistigen Väter der ­sozialen Marktwirtschaft. 1921 promovierte er mit Auszeichnung an der Marburger Universität; später war er, als er im Alter von 24 Jahren an die Universität Jena berufen wurde, der jüngste deutsche Professor seiner Zeit. Ab 1929 war er nochmals für vier Jahre als Ordinarius in Marburg tätig. Politisch aktiv zeigte er sich, als er zur Reichstagswahl 1930 Flugblätter gegen die NSDAP verteilte und unter dem Pseudonym „Ulrich Unfried“ vor wirtschaftspolitischen Gefahren warnte.

Peuckert hob an Röpkes Lebenswerk, das mehr als 3000 Artikel und Buchbeiträge umfasst, die „besondere Synthese zwischen christlich inspiriertem Humanismus und Wirtschaftspolitik“ hervor, mit der er zu seiner Zeit noch stark gegen den Strom schwamm. Einige prägnante Begriffe zeichnen aber auch das Bild eines scharfzüngigen Ökonomen: Den Markt nannte Röpke einen „Moralzehrer“, die Verstädterung der Gesellschaft eine „Orgie von Technik und Organisation“.

Nach der ausführlichen Übersicht zu Röpkes Leben und Schaffen erlaubte Peuckert sich aber doch noch ein paar „ahistorische“ Einschätzungen, von denen seine Vorredner abgesehen hatten. „Er hätte eine Zerschlagung der Mega-Banken gefordert und deren Fremdfinanzierung kritisiert“, meinte der 59-Jährige mit Blick auf Röpkes Aussagen - so habe dieser etwa bereits das Konzept einer europäischen Zentralbank als wenig sinnvoll abgetan.

Die Ausstellung in der UB ist bis zum 16. Mai zu sehen. Sie umfasst sowohl einen zeitstrahlartig aufgebauten Überblick über Röpkes Leben und Einflüsse als auch Originaldokumente wie etwa Ausgaben von Satirezeitschriften, an denen er beteiligt war. Am 12. Februar gibt es unter dem Titel „Wilhelm Röpke, der Ökonom“ einen weiteren Vortrag.

von Marie Rentergent

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