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Schandfleck Oberstadt?

Anwohner klagen über Müll Schandfleck Oberstadt?

Es gibt ein böses Wort für den Zustand in einem der Vorzeigeviertel Marburgs: Verwahrlosung. Oberstädter beklagen Lärm, Dreck und Gestank.

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„Mülltonnengasse“ oberhalb der Barfüßerstraße: In der Kugelgasse herrscht ein nahezu unübersehbares Gewirr von Mülltonnen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Die Kugelgasse hat sich zur Mülltonnengasse entwickelt“, sagt Josefa Zimmermann. Sie ist Mitglieder der „Bürgerinitiative Wohn- und Lebensqualität Oberstadt“ und berichtet von zeitweise mehr als 100 Mülltonnen, die in der Kugel­gasse vor den Häusern stehen – bei großer Hitze wie in den vergangenen Tagen nicht nur ein ästhetisches, sondern oft auch ein hygienisches Problem – vor allem dort, wo auch Gelbe Säcke gestapelt werden, teils Tage vor der Abfuhr.
Die Situation hat sich, so sieht es Zimmermann, in den vergangenen Jahren zugespitzt. Eine wesentliche Ursache: Wohnraum, der für Familien zur Verfügung stand, ist in kleine Einheiten umgewandelt worden und jetzt überwiegend von Studenten genutzt. Die Folge: Mehr Mülltonnen pro Haus, aber auch  immer weniger Hauseigentümer, die sich um ihr Wohnumfeld kümmern.

Wege werden versperrt

Ein paar Schritte weiter, in der  Ritterstraße,  parken Autos am steilen Straßenrand, direkt an der Hauswand, im Halteverbot – „oft tagelang“, sagt eine Anwohnerin, und: „Manchmal kommen wir gar nicht aus der Haustür, weil ein Wagen den Weg versperrt.“
Unterhalb des Lutherischen Kirchhofs liegen Unrat und leere Flaschen: Überreste der jüngsten nächtlichen Party. Und am Rübenstein riecht es vor allem an Samstagen und Sonntagen ekelerregend nach Urin, sagt Zimmermann.

Die Bürgerinitiative will diese Zustände nicht länger tatenlos hinnehmen. Sie macht zwei wesentliche Ursachen für die gegenwärtigen Probleme aus: Die Stadt schaffe es nicht, die gehäuft auftretenden Ordnungswidrigkeiten wie wildes Parken, nächtlichen Lärm oder das Zustellen von Fluchtwegen durch Mülltonnen, Mobiliar von Gastronomiebetrieben und ähnlichem  zu unterbinden. Und: Immer mehr Studenten wohnen dort, wo einst Familien wohnten. Beispiel Ritterstraße: Das frühere Altenheim wurde von einem Investor in 48 Wohneinheiten für Studierende umgewandelt, das Haus des Studentenwerks für Ehepaare und Familien wird zukünftig 30 Studentenzimmer haben, an dem Helene-Weber-Heim und dem Gemeindehaus soll der gleiche Investor interessiert sein, der schon das Altenheim saniert hat. „Personen, die hier nur vorübergehend wohnen, haben nicht das gleiche Interesse an ihrer Umgebung wie Familien, die hier tatsächlich zu Hause sind“, formuliert ein Anwohner.

Weniger Parkplaketten

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) kennt die Probleme. Die Stadt versuche intensiv, des Müllproblems Herr zu werden, sagt er. Und was die parkenden Autos angeht:  Die Zahl der Parkplaketten für die Oberstadt sei dramatisch reduziert worden. Die Stadt sei auch nicht daran interessiert, dass Familien aus der Oberstadt wegziehen, aber: „Eigentumsübertragungen von Wohnhäusern können und wollen wir nicht verhindern.“ Und: „Die Nachfrage nach günstigem, und das heißt auch studentischem Wohnraum, ist natürlich am größten.“

von Till Conrad

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