Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Schallschutz für ein ruhiges Arbeiten

Jugendamt Schallschutz für ein ruhiges Arbeiten

Es ist das größte Marburger Verwaltungsgebäude. Für 4,5 Millionen Euro hat die Stadt das Haus an der Friedrichstraße sanieren lassen. Dennoch haben sich Mitarbeiter über mangelnden Schallschutz beschwert.

Voriger Artikel
Singen für eine bessere Welt
Nächster Artikel
Schlechtes Wetter verdirbt die Ferien

Das Marburger Vorzeigeprojekt: In das Jugend- und Sozialamt investierte die Stadt 4,5 Millionen Euro. Beim Schallschutz muss dennoch nachgebessert werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bei einer Betriebsversammlung Ende des vergangenen Jahres machten Mitarbeiter ihrem Unmut Luft. Der Schallschutz in den modernen Verwaltungsgebäude lasse einiges zu wünschen übrig. Die Wände würden nicht richtig absorbieren, Gespräche seien auch im Nachbarzimmer deutlich zu hören. Der Beschwerden nimmt sich die Stadt nun an. In den kommenden Wochen werden die Räume mit zusätzlichen Wand- und Deckenabsorbern ausgestattet. Mehrere tausend Euro kostet diese Zusatzinvestition. Waren solche Probleme im Vorfeld nicht absehbar, wurde womöglich bei den Bauarbeiten gepfuscht? Bürgermeister Dr. Franz Kahle entgegnet dem mit einem klaren „Nein“. Bei Sanierungsarbeiten in dieser Größenordnung sei es üblich, nachzujustieren.

Bessere Isolierung, lautere Geräuschkulisse

So erklärt sich der Baudezernent die Schallschutz-Beschwerden - so kurios es klingt - durch die verbesserte Isolierung nach außen. Die Geräusche vom Wilhelmsplatz dringen nicht mehr in dem Maße ins Gebäude wie früher. Folge: die Geräusche im 4,5-Millionen-Euro-Bau seien deutlicher wahrzunehmen. „An der Konstruktion haben wir besonders im Altbau nichts geändert. Die Isolierung aber ist viel besser“, sagt Kahle.

Darüber hinaus sei nicht abzusehen gewesen, wie sich der Raumklang nach vollem Bezug verändern würde - dem so genannten Tapeziereffekt. Es sei auch geprüft worden, ob möglicherweise Teppichboden gegen den Hall helfen würde. In dem Fall wäre der Reinigungsaufwand aber zu groß. So sollen nun also Schutzwände für Ruhe im Jugend- und Sozialamt sorgen. Der Auftrag ist bereits ausgeschrieben, die Stadt erwartet erste Angebote.

Ein weiteres Problem, das von den Mitarbeitern angemerkt wurde, ist das Klima in den Räumen. Es sei schlichtweg zu trocken. Die Ursache war schnell gefunden: Die Lüftungsanlage war nicht der Winterzeit angepasst. Das heißt: Bei kalten Temperaturen ist die Luft trockener. Dennoch wurde die gleiche Menge an Frischluft ins Gebäude geblasen wie beispielsweise im Sommer. „Optimales Raumklima herrscht bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 bis 70 Prozent. Wir hatten zuletzt 25 bis 30 Prozent und damit deutlich zu wenig“, sagt Bürgermeister Franz Kahle. Die Anlage wurde nun entsprechend modifiziert, bläst weniger Frischluft ins Gebäude.

„Das sind eben diese Stellschrauben, an denen gedreht werden muss bei Projekten dieser Größe. Das ist ganz normal“, sagt der Baudezernent. So habe es im Sommer beispielsweise Probleme mit dem Wärmegerät gegeben, das nachts geheizt hatte und somit die so wichtige Auskühlung verhindert habe. Nun öffnet sich nachts im Treppenhaus ein großes Dachfenster, das so lange lüftet, bis eine bestimmte Temperatur erreicht werde. Kleiner Schritt, große Wirkung.

Unterm Strich ist Kahle von dem neuen Verwaltungsgebäude, das seit Mitte Januar vergangenen Jahres 101 Arbeitsplätze beheimatet, begeistert. Die Sanierung und der teilweise Neubau ist das ökologische Vorzeigeprojekt der Stadt. Photovoltaikanlage, Holz-Pelletkessel, Dreifachverglasung - das Haus an der Ecke Friedrichstraße/Universitätsstraße zählt unter Passivhaus-Standards zu den modernsten. Dazu kommen die Verbesserungen für Besucher und Angestellte. So gab es vor der Sanierung keine Toiletten für Gäste, an den Fenstern habe es massiv gezogen. Kurzum: „Das war damals doch kein Zustand“, sagt Kahle, der aus Gesprächen mit Bürgern und Mitarbeitern grundsätzlich eine große Zufriedenheit mit dem neuen Gebäude vermerken kann. „Wir wollen, das das auch so bleibt“, sagt Kahle. „Wir haben uns der Problemen angenommen und werden entsprechend gegensteuern.“

von Carsten Bergmann

Hintergrund

Das Sozial- und Jugendamt wurde für 4,5 Millionen Euro saniert und teilweise neugebaut. Das Hauptgebäude wurde energetisch saniert und entspricht dem Passivhausstandard. 75 Prozent der Energiekosten werden eingespart, das macht unterm Strich 22000 Euro pro Jahr. In dem Gebäude befinden sich seit Mitte Januar des vergangenen Jahres 101 Arbeitsplätze. Insgesamt ist es damit das größte städtische Verwaltungsgebäude – und es ist barrierefrei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr