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Schäfer leitet jetzt CDU-Kreisverband

Wechsel an der Spitze Schäfer leitet jetzt CDU-Kreisverband

Alles lief nach Plan beim Parteitag am Samstagvormittag in Roth - keine Kampfabstimmungen, keine heftigen Auseinandersetzungen. Die heimische CDU demonstrierte Einigkeit nach den Konflikten der vergangenen Wochen und Monate.

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Frisch gewählt und freudig: Dr. Thomas Schäfer (rechts), neuer Kreisvorsitzender der CDU Marburg-Biedenkopf, und sein Stellvertreter Tobias Meyer beim CDU-Kreisparteitag am Samstagmittag in Roth.

Quelle: Tobias Hirsch

Roth. Dr. Thomas Schäfer löst den bisherigen Vorsitzenden Frank Gotthardt nach elf Jahren an der Spitze des CDU-Kreisverbands ab. Der hessische Finanzminister, der aus Biedenkopf stammt, erhielt 143 Ja- und 26 Nein-Stimmen.

Für die Zukunft des Kreisverbands kündigt er an, dass er sich mit „seinem ganzen Gewicht auf die Konflikte draufsetzen“ werde, um intern für Lösungen und Einigkeit zu sorgen, damit die Partei nach außen künftig wieder geschlossen auftreten könne. Schäfer spielte damit auf die Berichterstattung der Oberhessischen Presse an, die zuletzt in der Partei recherchiert und über Drohungen, Machtkämpfe sowie Telefonterror hinter den Kulissen berichtet hatte.

Schäfer führte die Unruhen in der Partei auf die Veränderungen der vergangenen Monate zurück – auf das bevorstehende Ende der Ära von Landrat Robert Fischbach, auf den angekündigten politischen Rückzug von Dr. Christean Wagner aus der Landespolitik und schließlich den Rücktritt Gotthardts. „Das sind zusammengenommen 69 Jahre politischer Kontinuität, für die neue Wege organisiert werden mussten“, erklärte Schäfer. Dabei habe die Partei auch Fehler gemacht, „manche Ausprägung hätten wir uns besser erspart“.

Gotthardt fällt Abschied schwer

Der neue Kreisvorsitzende wünschte sich für die Ausübung seines Amts die geschlossene Unterstützung der heimischen Christdemokraten. „Ich verspreche Ihnen, dass ich mich reinhänge wie ein Teebeutel – aber Sie alle müssen mir helfen.“

Frank Gotthardt fiel der Abschied von seinem Amt sichtlich schwer. Viele Worte des Lobes wurden über ihn gesprochen. „Du hast mich so angerührt, dass ich überlege, doch im Amt zu bleiben“, sagte Gotthardt augenzwinkernd, nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier, Ehrengast und Hauptredner beim Parteitag, Gotthardts politischen Werdegang hatte Revue passieren lassen. „Aber dann kriege ich geschimpft, wenn ich nach Hause komme“, ergänzte Gotthardt und machte deutlich, dass Beruf und Familie in den nächsten Jahren für ihn an erster Stelle stehen sollen. Der Partei will er gleichwohl treu bleiben – allein schon durch sein Kreistagsmandat. Und Gotthardt deutete an, dass er „in zehn, fünfzehn Jahren“ vielleicht nochmal eine Funktion in der Partei werde ausüben wollen. Bis dahin stellte er heraus, dass die Erfüllung seines Amtes für ihn „ein Vergnügen“ gewesen sei. Fortan sei er glücklich, zu Parteitagen kommen zu dürfen, „und nicht zu müssen“.

Seine Arbeit für den Pharmakonzern Merck und seine damit verbundenen Aufgaben zugunsten von kranken Kindern in Afrika – das habe sein Blick auf viele politische Debatten hierzulande verändert. Manches erscheine ihm nichtig im Vergleich zu den Problemen von Menschen in Entwicklungsländern und das habe es ihm oft schwer gemacht, sich eine Meinung zu bilden.

Gotthardt warf auch einen kurzen Blick zurück auf die parteiinternen Konflikte der vergangenen Wochen – im Umgang der heimischen Christdemokraten untereinander war einiges aus dem Ruder gelaufen. Es sei das erste Mal gewesen, dass Parteiinterna in dieser Form an die Öffentlichkeit gekommen seien. „Vielleicht hätte ich die Probleme doch schon mal früher anpacken müssen“, bekannte Gotthardt.

Nach dem Abschied von Gotthardt und der Wahl Schäfers zum Nachfolger, bestimmten die Delegierten den stellvertretenden Kreisverbandsvorsitzenden. Sie wählten mit 138 Ja-Stimmen und 27 Gegenstimmen den Breidenbacher Kreistagabgeordneten Tobias Meyer.

Um die zurückliegende Wahl des 33-Jährigen Lehrers, der im Wahlkreis Marburg-Biedenkopf West an der Seite Thomas Schäfers der stellvertretende Landtagskandidat der Union ist, rankten sich im Januar heftige Konflikte in der Partei. Denn dieses Amt hatte unter anderem Thomas Schäfer seinem CDU-Freund Dr. Horst Falk aus Dautphetal zugedacht. Dieser blieb in der Kampfabstimmung jedoch knapp hinter Meyer. Die Zusammenarbeit im Team Schäfer - Meyer wird nunmehr in den kommenden Monaten im Wahlkampf und darüber hinaus an der Parteispitze in doppelter Hinsicht bedeutend.

von Carina Becker

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