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Sanierung des „Richtsberg 88“ ungewiss

Brandfolgen Sanierung des „Richtsberg 88“ ungewiss

Fünf Monate nach dem Brand des Studentenwohnheims „Am Richtsberg 88“ steht noch nicht fest, ob die Bewohner jemals wieder einziehen können.

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Am 24. Juni brannte das Studentenwohnheim „Am Richtsberg 88“. 280 Bewohner mussten anderweitig untergebracht werden. Ob sie zurückkehren können, ist ungewiss.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Der Brand Ende Juni hat 280 Menschen die Wohnung genommen. Noch immer leben etwa 30 bis 40 in Notunterkünften, etwa in der früheren Uni-Kindertagesstätte in der Deutschhausstraße oder in Zimmern im Altenpflegeheim in der Sudetenstraße.

Der Rest „ist untergebracht“, sagte Dr. Ulf Grebe, der Geschäftsführer des Studentenwerks Marburg, am Mittwoch der OP. Mit „untergebracht“ meint Grebe einen Mietvertrag für eine Wohnung des Studentenwerks oder der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobau. Nicht alle Bewohner seien aber mit ihrer gegenwärtigen Wohnsituation zufrieden, sie würden lieber heute als morgen in ihre alte Wohnung zurückziehen.
Ob das überhaupt jemals möglich sein wird, ist aber ungewiss. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) berichtete am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtparlaments, es sei noch nicht absehbar, ob und wann die Stadt diefeuerpolizeiliche Genehmigung für den Bezug des Hauses ausspricht.

Im Brandschutz gibt es zahlreiche Veränderungen

Das Haus fällt unter die Hessische „Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern“, an die die Bauaufsicht gebunden ist. Darin ist unter anderem geregelt, dass Hochhäuser wie das „Am Richtsberg 88“ keinen Bestandsschutz mehr genießen, wenn sie erst einmal aus der Nutzung genommen worden sind. Anders formuliert: Für die (Wieder-)Zulassung des knapp 50 Jahre alten Gebäude werden die Vorschriften aus dem Jahr 2014 angelegt und nicht die aus den 60er Jahren.

Insbesondere bezüglich des Brandschutzes gibt es da inzwischen zahlreiche Veränderungen, wie Grebe berichtet: Entrauchungsanlagen für Fluchtwege etwa gehören dazu. Grebe teilte mit, das Studentenwerk warte auf das Brandschutzgutachten und arbeite dann mit Hochdruck daran, die zusätzlichen Anforderungen an die Gebäudesicherheit „mit Zahlen zu unterlegen“.
Erst anschließend könne mit der Versicherung gesprochen werden, wie es weitergehen soll. Ein mögliches Ergebnis dieser Gespräche könnte sein, dass das Gebäude nicht mehr zu einem wirtschaftlichen Preis zu sanieren ist. „Aber ob das so kommt, das ist noch völlig offen“, sagte Grebe im Gespräch mit der OP. Natürlich würde das Studentenwerk „nichts lieber machen, als den engen Wohnungsmarkt zu entlasten und den Wohnraum für rund 280 Menschen wieder zur Verfügung zu stellen“.

Versicherung hat 5000 Euro Belohnung ausgesetzt

Eine endgültige Entscheidung, wie es weitergehen soll, falle aber nicht vor Anfang Dezember. Unterdessen diskutierte der Haupt- und Finanzausschuss über die Frage, ob eine Belohnung in Höhe von 10 000 Euro die Ergreifung der mutmaßlichen Brandstifter beschleunigen würde. Einen entsprechenden Antrag hatte die Marburger Linke gestellt. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) berichtete von Gesprächen mit Polizei und Staatsanwaltschaft, nach deren Einschätzung eine höhere Belohnung nicht zu neuen Hinweisen führen werde.

Die Staatsanwaltschaft würde eigenständig eine Belohnung aussetzen, wenn dieser Schritt erfolgversprechend sei, sagte Vaupel. Die Versicherung hatte bereits eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Der Ausschuss empfahl dem Parlament, den Antrag der Linken am Freitag abzulehnen.

von Till Conrad

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