Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Sammler reisen durch die Markenwelt

Tag der Briefmarke Sammler reisen durch die Markenwelt

Philatelisten feiern im Herbst den „Tag der Briefmarke“. Das Hobby ist bei vielen beliebt, weltweit verbreitet und organisiert – auch in Marburg wird die Leidenschaft gepflegt. Ihr Credo: „Marke und Stempel gehören einfach zusammen.“

Voriger Artikel
Uni präsentiert ihre Schätze in Buch
Nächster Artikel
Stadtautobahn ist wieder frei

Die Briefmarkensammler Reinhold Weber (von links), Manfred Schmidt und Dr. Hendrik Schanze vom Verein für Briefmarkenkunde Marburg/Lahn 1892 begutachten einige ihrer Schätze.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Sammeln, tauschen, katalogisieren, die Geschichte erkunden – darum geht es den Philatelisten. Manche von ihnen legen den Schwerpunkt auf das Sammeln von Ländern, Personen oder Städten. Andere lieben Motive von Bauwerken, Tieren, Pflanzen, Maschinen oder historische Ereignisse – es gibt kaum ein Thema, das nicht auf Briefmarken gebannt ist.

Es gibt sogar regelrechte, jährlich wechselnde Modetrends, schildern die Mitglieder des Vereins für Briefmarkenkunde Marburg/Lahn 1892. „Man kann unglaublich viel, aber eben nicht alles sammeln“, sagt Vereinsjugendwart Manfred Schmidt. Jeder Briefmarkenfan spezialisiert sich früher oder später auf bestimmte Sammelkategorien.

Ist ein Schwerpunkt erst einmal gefunden, setzt der leidenschaftliche Sammler alles daran, sein Spezialgebiet zu erweitern und – im Idealfall – zu vervollständigen. Dabei kommt es den Kennern weniger auf eine neutrale, „unbenutzte“ Briefmarke an.

Deutlich wertvoller sind für Sammler die Marken, die sich auf einem Brief befinden, der bereits verschickt worden ist. Am besten per Einschreiben mit lesbaren Poststempeln. „Marke und Stempel gehören zusammen“, betont Schriftführer Reinhold Weber.

Wichtig bei einem solchen „echt gelaufenen Beleg“ ist vor allem die hinter dem Brief stehende Geschichte, die anhand der Vermerke nachvollzogen werden kann. Als Sammler beschäftige man sich automatisch mit dem historischen Hintergrund seiner Stücke, das ist das Spannende daran, „wie eine Weltreise in Klein“, sagt Weber.

Geldwert richtet sich nach Emotionswert für Marke

Wie viele einzelne Marken die Marburger Briefmarkenkundler eigentlich haben, wissen die 86 Mitglieder nicht genau. Jeder Sammler hat „locker über 10 000 Stücke“, schätzt Weber. Zusammen kommen sie „bestimmt auf über eine Million Briefmarken“.

Mehrmals im Monat treffen sich die leidenschaftlichen Sammler des Vereins, präsentieren ihre Schätze, tauschen, handeln und debattieren über ihr Hobby. Wer die wertvollste, seltenste, schönste Marke besitzt, darüber sprechen sie nicht offen, die größten Schätze werden streng gehütet. Bei der genauen Bestimmung der einzelnen Marken ist neben Fachwissen und diversen Hilfsmitteln wie Zähler und Prüflampe auch das Nachschlagen in einem der umfangreichen Briefmarken-Kataloge obligatorisch.

Die unzähligen, weltweit verbreiteten Postwertzeichen sind in umfangreichen Katalogen nach Kategorien zusammengefasst. Auch wenn diese die Werte der einzelnen Marken ungefähr bestimmen, hängt der tatsächliche Wert eines Sammlerstücks auch von anderen Faktoren ab.

„Der finanzielle Wert einer Marke richtet sich nach dem emotionalen Wert für den potentiellen Käufer“, erklärt Weber. Seltenheitswert, Herkunft, Alter, Zustand oder auch eventuelle Fehldrucke sind weitere Kriterien. Deutschlandweit sind 45 000 Sammler in einem Verband organisiert, Szenekenner schätzen die Zahl der Nicht-Organisierten noch höher ein.

Marke kann bis zu 100 000 Euro einbringen

Neben der Weiterführung seiner Sammlung hofft jeder Briefmarkenfan einmal eine besonders seltene Marke zu ergattern. Eine der wertvollsten Marken aus Deutschland ist der „Schwarze Einser“, die bayerische Ein-Kreuzer-Marke wurde erstmals 1849 ausgegeben und ist die erste Briefmarke Deutschlands.

Je nach Zustand kann sie bis zu 100 000 Euro Wert erbringen, teilte der Verein mit. Die teuerste Briefmarke der Welt ist übrigens nicht etwa die berühmte blaue oder rote Mauritius, diese liegen in der Favoritenliste nicht einmal „unter den Top Ten“. Allerdings zählt der sogenannte „Bordeaux-Brief“, auf dem sich beide Marken befinden, zu den wertvollsten philatelistischen Sammlerstücken überhaupt.

Als teuerste Briefmarke der Welt gilt die einmalige „British Guyana 1 Cent Magenta“, die erst im Juni dieses Jahres anonym für rund neuneinhalb Millionen US-Dollar versteigert wurde. Jährlich gibt die Deutsche Post eine besondere Ehrenmarke heraus. In diesem Jahr mit dem Motiv des Lindauer Boten. Diese gilt – mit dem wichtigen Ersttagsstempel des Ausgabetages versehen – als weiteres beliebtes Sammelobjekt bei den Briefmarkenfans.

Weitere Infos zu den Marburger Sammlern im Internet: www.briefmarkenverein-marburg.de

von Ina Tannert und Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr