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Safferling präsentiert Ergebnisse von NS-Studie

Vortrag Safferling präsentiert Ergebnisse von NS-Studie

Der ehemalige Marburger Professor Christoph Safferling hält am Donnerstag die Vorlesung zum Völkerstrafrecht.

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Professor Christoph Safferling war von 2007 bis 2015 Jura-Professor an der Marburger Universität, bevor er an die Universität Erlangen wechselte.

Quelle: Archiv

Marburg. Bereits zum neunten Mal veranstaltet das Internationale Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) die „Marburger Vorlesung zum ­Völkerstrafrecht“. Festredner ist in diesem Jahr Professor Christoph Safferling. Der langjährige Marburger Jura-Professor war im Jahr 2015 an die Universität Erlangen gewechselt und kehrt jetzt für eine Vorlesung zurück an seine ehemalige Universität. In seiner Eigenschaft als Sprecher der unabhängigen wissenschaftlichen Kommission zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz stellt Safferling in seiner Vorlesung die Ergebnisse dieser Kommission vor, die seit dem 10. Oktober auch in Buchform vorliegen.

Wesentliche Teile der Kommissionsarbeit wurden in ­Marburg erarbeitet, denn Safferling war neben Professor Manfred Görtemaker ­einer der beiden Leiter des vom Bundesjustizministerium in Auftrag gegebenen Projekts.

Und das ist eines der Kernergebnisse: Als das Bundesministerium der Justiz im Jahr 1949 seine Arbeit aufnahm, kam es zu ganz erheblichen personellen und politischen Verflechtungen mit dem „Dritten Reich“. Dass Juristen, die eine­ stark belastete NS-Vergangenheit hatten, in der Behörde Dienst taten, sei aber nicht als problematisch empfunden worden. In der Studie wird nachgewiesen, wer alles im Ministerium unterkam und welchen Einfluss das auf die Rechtspraxis in der Bundesrepublik hatte - nicht zuletzt bei der Strafverfolgung von NS-Tätern. Die „Rosenburg“ in Bonn war von der Gründung der Bundesrepublik 1949 bis zum Jahr 1973 der Sitz des Bundesministeriums der Justiz. Zum „Geist der Rosenburg“ trugen maßgeblich Beamte und Mitarbeiter bei, die zuvor im Reichsjustizministerium, bei Sondergerichten und als Wehrrichter tätig ­gewesen waren, heißt es in der Studie.

Ihre Karrieren vor und nach 1945 zeichnet die Kommission ebenso nach wie die Belastungen, die dies für das Ministerium und den Inhalt seiner Politik darstellte. So wird unter ­anderem gezeigt, welche zentrale Rolle das Ministerium spielte, als 1968 Zehntausende von Strafverfahren gegen NS-Täter eingestellt wurden.

Im Jahr 2012 setzte das Ministerium die wissenschaftliche Kommission unter Safferlings Leitung ein, die den Umgang der Behörde mit der NS-Vergangenheit in den Anfangsjahren der Bundesrepublik erforschen sollte. Zu diesem Zweck erhielt die Kommission uneingeschränkten Aktenzugang.

Der Vortrag von Safferling steht im Mittelpunkt der Jahresfeier des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums für Kriegsverbrecherprozesse (ICWC), die am Donnerstag, 8. Dezember, um 18.15 Uhr in der Alten Aula der Universität beginnt. Nach einem Grußwort des Jura-­Dekans Professor Michael Kling gibt Professor Eckart Conze einen Tätigkeitsbericht über die Arbeit des ICWC im Jahr 2016.

von Manfred Hitzeroth

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