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"Sachwalter der Uni-Medizin" geht von Bord

Dekanswechsel "Sachwalter der Uni-Medizin" geht von Bord

Medizin-Dekan Professor Matthias Rothmund übergab gestern im Hörsaal III des Uni-Klinikums sein Amt an Professor Helmut Schäfer.

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Symbolisches Geschenk: Medizin-Dekan Professor Matthias Rothmund (rechts) gab eine Glocke an seinen Nachfolger Professor Helmut Schäfer weiter, mit der er künftig für Ordnung im Fachbereich sorgen kann.Foto: Manfred Hitzeroth

Marburg. Lob gab es gestern von allen Seiten für den scheidenden Medizin-Dekan Professor Matthias Rothmund, der das Amt sechs Jahre lang hauptamtlich innehatte. „Sie haben den Fachbereich mit Klarheit und Entschiedenheit vertreten“, sagte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause zu Rothmund vor rund 100 Zuhörern, die größtenteils aus dem Fachbereich Medizin stammten. Dabei habe der Dekan mit dem Präsidium immer verlässlich zusammengearbeitet.

„Ausdauer, Gelassenheit, Glaubwürdigkeit“: Diese Charakterisierungen fand Irene Bauerfeind-Rossmann vom Wissenschaftsministeriun für den scheidenden Dekan. Zwar seien Rothmund und die Ministeriumsvertreter in der Sache nicht immer einer Meinung gewesen. Dies habe einer konstruktiven Zusammenarbeit aber keinen Abbruch getan. Auch Martin Menger, seit April 2012 von Rhön bestellter kaufmännischer Geschäftsführer des Uni-Klinikums Gießen und Marburg, bedankte sich bei Rothmund für eine angenehme Zusammenarbeit. „Sie haben Ihre Rolle als Sachwalter der Hochschulmedizin stets angenommen“, sagte Menger. In welchem schwierigen Spannungsfeld sich auch das Marburger Uni-Klinikum bewegt, das skizzierte Professor Heyo Kroemer, Dekan des Göttinger Uni-Klinikums und als Vorsitzender des Medizinischen Fakultätentages Sprecher der 37 deutschen Medizin-Fakultäten. In seinem Festvortrag berichtete er darüber dass die Uni-Kliniken vor allem seit der Einführung des Fallpauschalensystems (DRG) für die Kliniken Schwierigkeiten in fast allen Geschäftsfeldern hätten.

Es sei ein Fehler der Gesundheitspolitik, dieses System auch an den Universitätskliniken mit ihrem vielfältigen Mix an Aufgaben einzuführen, sagte Kroemer. Insgesamt sei es so, dass der Sektor „Krankenversorgung“ an den Uni-Klinika den Bereich „Forschung und Lehre“ an die Wand gedrückt habe.

In Bezug auf die Situation in Marburg und Gießen, wo es das einzige privatisierte deutsche Uni-Klinikum gibt, forderte Kroemer erneut, dass die Hochschulmedizin eine staatliche Aufgabe bleiben sollte und dass die Privatisierung grundsätzlich falsch gewesen sei.

Ähnlich nachdenklich gab sich der scheidende Dekan in seiner letzten Rede. Noch im Jahr 1987 bei seiner Antrittsvorlesung in Marburg hätten im Klinikum die Ärzte das Sagen gehabt. Jetzt hätten eindeutig die Ökonomen im Uni-Klinikum das Sagen. Man müsse aber aufpassen, dass die Ökonomie die Medizin nicht kaputtmache, warnte Rothmund.

In seinem Abschlussbericht zog er dennoch eine positive Bilanz seiner sechs Jahre währenden Amtszeit als Medizin-Dekan. „Es lohnt sich, sich für diese Fakultät einzusetzen“, sagte Rothmund. Immerhin habe er es geschafft, einen Generationswechsel im Fachbereich Medizin einzuläuten. Das bestätigte Rothmunds Nachfolger. „Sie haben über 40 Berufungs- und Bleibeverhandlungen abgeschlossen“, sagte Professor Helmut Schäfer. Damit befände sich jetzt mehr als ein Dutzend großer klinischer Abteilungen unter der Leitung von „jungen Kollegen“, so Schäfer.

Im Ruhestand hat Rothmund jetzt mehr Zeit für seine Hobbies Skifahren und Weinbau.

von Manfred Hitzeroth

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