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Sabine Dobelli: Autorin mit Tiefgang

Serie "Eine von hier" Sabine Dobelli: Autorin mit Tiefgang

Schon als Kind wollte sie Bücher schreiben. Jetzt hat sich Sabine Dobelli 
 ihren Traum erfüllt und landete mit ihrem Debütroman „Vom Mann der auszog, um den Frühling zu suchen“ prompt einen Erfolg.

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Sabine Dobelli an ihrem Schreibtisch.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Es ist ein modernes Märchen: Ein Mann beobachtet die trostlose Winterlandschaft, als sich ein kleiner Vogel auf den Ast eines Baumes setzt, der daraufhin zu blühen beginnt. Kaum fliegt der Vogel davon, kehrt der Winter zurück. Was in dem Mann zurück bleibt, ist die Sehnsucht nach der Wärme und den bunten Farben des Frühlings. Er will den geheimnisvollen Vogel finden und begibt sich auf eine Reise, die sein Leben verändern wird. Die Suche nach dem Frühling ist am Ende eine Suche nach sich selbst.
Geschrieben hat es Sabine Dobelli. Sie ist in Roßdorf als letztes von insgesamt drei Kindern aufgewachsen und hat schon früh einen Faible fürs Schreiben entwickelt. „Ich habe schon als Kind Kurzgeschichten verfasst“, verrät die heute 41-Jährige im OP-Gespräch. Ihre erste Veröffentlichung hat sie mit acht Jahren im OP-Magazin am Wochenende in der Rubrik „Fridolins Kinderpost“. Sie besucht die Stiftsschule in Amöneburg und will danach eigentlich Medizin studieren.

Doch mit 17 Jahren überlebt sie einen sehr schweren Autounfall nur knapp. „Ich habe dabei so viel Blut verloren, dass ich fortan keins mehr sehen konnte.“ Somit war Ärztin zu werden keine Option mehr für sie. Helfen will sie den Menschen aber weiterhin. Nach ihrem Abitur im Jahr 1994 studiert sie Psychologie in Konstanz und Stanford und ist parallel in der Hirnforschung tätig.

Zahlreiche Schicksalsschläge prägen ihr Leben

Ihr Unfall ist der Anfang einer Reihe von Schicksalsschlägen, die Dobelli erlebte. Zwei Mona­te nach ihrem Unfall kommt ­eine ihrer Freundinnen ums Leben – auch bei einem Autounfall. Eine weitere erkrankt an Leukämie und verstirbt. Ein paar Jahre später verstirbt auch ihre Mutter an Blutkrebs.

„Mit dem Thema Tod bin ich in meinem Leben oft in Berührung gekommen.“ Auch die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sich auch der Protagonist in ihrem Buch stellt, begegnet ihr häufig.

„Hinter all den beruflichen Fragen, mit denen ich als Psychologin in der Personalentwicklung zu tun hatte, verbargen sich oft ganz andere Fragen wie ‚Wer bin ich?‘ und ‚Bin ich hier glücklich?‘“. Viele Menschen, so stellt sie fest, tun Dinge, die sie nicht glücklich ­machen, weil sie sie eigentlich nicht tun möchten. Dieser Gedanke lässt sie nicht mehr los.

Ans Schreiben ist jedoch kaum noch zu denken. Sie lebt abwechselnd in Frankfurt und Hamburg und hatte verschiedene Leitungsfunktionen im ­Bereich Personalentwicklung inne wie zuletzt bei SHL Talent ­Management (heute CEB) als Geschäftsführerin für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

2012 gründet sie ihr eigenes Unternehmen (You Sential AG) mit Schwerpunkt Stressmanagement und Resilienz. Sie arbeitet viel, reist viel. Im Jahr 2010 verbringt sie eine Woche in Luzern und besucht dort zufällig eine Lesung des schweizerischen Schriftstellers Rolf Dobelli. Er ist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren in der Schweiz, schreibt Kolumnen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit und seit 2013 für den Stern.

Dobelli benutzte Namen ihrer verstorbenen Mutter

Die beiden verlieben sich und heiraten. „Wir sind beide sehr unterschiedlich. Er ist der Aufklärer, ich die Romantische. Er glaubt nur an das, was bewiesen ist. Ich glaube auch an Dinge, die man nicht erklären kann. Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Dobelli über ihre Ehe.

Als sie schwanger wird, muss sie mehrere Monate im Bett verbringen. „Da hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, alles was schon so lange in meinem Kopf war, zu Papier zu bringen.“ Ihr Buch erscheint im August dieses Jahres, zwei Jahre nach der Geburt ihrer Zwillingsjungs unter dem Pseudonym Clara Maria Bagus, dem Namen ihrer Mutter.

„Ich habe ihren Namen gewählt, um sie am Leben zu erhalten“, erklärt sie. Ein anderer Grund für den geänderten Namen wäre eine sofortige Assoziation mit ihrem Mann gewesen. „So schnell ist man ,die Frau von...‘, besonders wenn man mit einem sehr bekannten Mann verheiratet ist. Das missfiel mir. Ich wollte es ohne meinen Mann schaffen.“

Sie schafft es: Ihr Buch ist ein Publikumserfolg. Vier Wochen nach Erscheinen ist es bereits ausverkauft. Inzwischen ist bereits die vierte Auflage im Druck. „Ich kann mir den Erfolg nicht erklären“, sagt Dobelli.

Mindestens einmal im jahr wird Familie besucht

Heute lebt sie mit ihrer Familie in Bern. Vieles dort erinnert sie an Marburg. „Es gibt hier eine Altstadt und viele verwinkelte Gässchen. Außerdem fließt auch ein Fluss durch die Stadt, die Aare.“ Die Stadt erinnere sie an Marburg, die Stadt, an der ihr Herz immer noch hänge – nicht zuletzt wegen ihrer Familie, ihrem Vater und ihren zwei Geschwistern, die sie mindestens einmal im Jahr besucht.

„Besonders mag ich die märchenhafte Altstadt, aber auch die Lahn, die mitten durch die Stadt fließt. Sie vermittelt mir den Eindruck, dass alles im Fluss ist, dass alles weitergeht“, so Dobelli.

Wie geht es für sie weiter? „Ich will weitere Bücher schreiben“, sagt sie entschlossen. Welche, das verrät sie nicht. Nur: „Mein Mann und ich haben die Vereinbarung getroffen, dass er in den ungeraden und ich in den geraden Jahren veröffentliche.“ Wir dürfen also gespannt sein.

Sabine Dobellis Buch „Vom Mann der auszog, um den Frühling zu suchen“ ist unter ihrem Pseudonym Clara Maria Bagus im Allegria-Verlag erschienen und kostet 14 Euro.

von Ruth Korte

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