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SPD will ohne Zeitdruck entscheiden

OB-Kandidaten SPD will ohne Zeitdruck entscheiden

Nach dem Schock geht es um Strategie und sorg­fältige Suche nach einem neuen SPD-OB-Kandidaten. Möglich ist nun aber auch, dass Rot-Grün einen gemeinsamen Bewerber stellt.

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Nachfolger gesucht: Nachdem Matthias Acker (rechts) als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl zurückgezogen hat, sucht die SPD einen neuen Anwärter für den Posten von Stadtoberhaupt Egon Vaupel.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Kurz vor dem Neujahrsempfang erreichte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) am Samstag die Nachricht, dass sein Parteifreund und Wunsch-Nachfolger Matthias Acker seine Kandidatur zurückziehen werde. Auf der Bühne ließ sich Egon Vaupel nichts von seiner Trauer, von seinem Schock anmerken. Das öffentliche Amt verlangt Einsatz und Disziplin, unabhängig von persönlichen Gefühlen. Am Montag kam dann die Gewissheit, die offizielle kurze Erklärung: Aus gesundheitlichen Gründen könne Acker den Wahlkampf nicht fortführen. Ein Schock für die SPD-Spitze.

„Ich bin auch persönlich sehr traurig“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Steffen Rink. „Für mich hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass man mit Matthias Acker sehr gut zusammenarbeiten kann“, so Rink. Den erkrankten Ex-Kandidaten habe er „gerade wegen seiner nachdenklichen, überlegten Art“ geschätzt, mit der er zu fundierten Entscheidungen gelange. Der neue SPD-Kandidat müsse aber nicht zwangsläufig ähnliche Eigenschaften aufweisen. „Jeder muss für sich authentisch sein“, meint Rink. Auf den CDU-Kandidaten müsse daher nicht reagiert werden, denn es gehe ausschließlich um inhaltliche Argumentation.

SPD und Grüne verhandeln

Nach der Acker-Absage habe der neu zu kürende OB-Anwärter zudem keinen Makel, betont Rink. Auch bei der ersten Auswahl sei Acker „nicht der einzige in den Überlegungen gewesen. Wäre er es nicht geworden, dann wäre es jemand gewesen, der genauso qualifiziert ist.“

Auch Vaupel ist sich sicher, dass die Partei eine Person finden werde, die in der Stadt verwurzelt sei und aus der SPD komme. Ein externer Bewerber scheidet für Vaupel also aus. Allerdings sei das nur seine persönliche Meinung, die Partei habe das Sagen, betont Vaupel. Fest stehe, dass er sein Wort halten und Ende des Jahres das Rathaus verlassen werde. Der Rücktritt vom vorzeitigen Rücktritt kommt für Vaupel nicht in Frage. Der Oberbürgermeister hatte aus gesundheitlichen Gründen zeitweise kürzer treten müssen und will nun ein Jahr früher in den Ruhestand.

Der CDU-Kandidat Dirk Bamberger, erkennt keine Auswirkungen für seinen eigenen Wahlkampf. „Egal wer bei der SPD antritt – er wird für die Politik, die Rot-Grün auch schon in den letzten Jahren gemacht hat, eintreten.“ Er wäre daher auch „nicht gegen Matthias Acker, sondern für meine Inhalte“. Der Schritt Ackers nötige ihm „allergrößten Respekt“ ab, denn es sei nicht einfach, „rechtzeitig die Reißlinie zu ziehen“. Gemeinsam mit dem CDU-Vorstand brachte er am Dienstag ein scheinbar undenkbares Szenario ein.

Vaupel: Brauchen nicht unüberlegt handeln

„Ich will Bürgermeister aller Marburger werden“, so Bamberger. Dementsprechend würde er sich freuen, auch die Unterstützung der SPD zu erhalten. „Natürlich wäre da im Vorfeld einiges inhaltlich zu bereden“, erklärte er. Jan Schalauske, der voraussichtlich zum Kandidaten der Linken nominiert wird, spricht nach dem gesundheitlich bedingten Rückzug Ackers von einer „Nachricht, die einen besorgt“. Er wolle sich – zumal noch nicht durch den Parteitag bestätigt – nicht zu anderen Kandidaten äußern.

Unabhängig davon gelte es aber, „eigene Ideen und Vorstellungen zu präsentieren“. Der SPD-Vorstand beriet am späten Dienstagabend über das weitere Vorgehen bei der erneuten Kandidatensuche. Angesichts der noch frischen Nachricht sei dies ein Prozess, bei dem man „erst einmal ein bisschen nachdenken muss“, so Rink. Auch Vaupel sagt: „Die Zeit drängt nicht so sehr, dass man jetzt unüberlegt handeln sollte.“

Für die rot-grüne Koalition ist der Rückzugs Acker die Möglichkeit, gemeinsam nach einem Kandidaten zu suchen. Bisher aber bleibt die SPD bei ihrer Position, als größerer Partner einen Mann oder eine Frau aus ihren Reihen aufzustellen. Die Grünen zeigen aber ebenfalls Selbstbewusstsein. Ein gemeinsamer rot-grüner Kandidat müsse kein SPD-Parteibuch haben, könne doch ein Mann oder eine
Frau der Grünen sein, heißt es. „Wir müssten uns auf ein sehr kleines Gremium verständigen, dass über die Kandidatenfrage berät“, so Dietmar Göttling (Grüne).

von Peter Gassner
und Anna Ntemiris

 
Wahltermin
Unabhängig von der Nominierung der Partei-Kandidaten steht der Wahltermin bereits fest. „Der Gesetzgeber sieht vor, dass das Parlament den Wahltermin festlegt. Diesen Parlamentsbeschluss gibt es und es besteht kein Grund, daran etwas zu ändern“, so Wahlleiter Helmut Hofmann. Die Oberbürgermeisterwahl ist für den 14. Juni 2015 terminiert, eine mögliche Stichwahl findet am 28. Juni statt.
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