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SPD und CDU stärken Kreisspitze den Rücken

Kostendiskussion SPD und CDU stärken Kreisspitze den Rücken

Die umstrittene Japan-Reise von Landrätin 
Kirsten Fründt (SPD) hat in den vergangenen Wochen eine Welle der Entrüstung ausgelöst und inoffizielle Informationen nach oben gespült.

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Diskussionen über hohe Kosten für Dienstreisen, Schulungen und Bürosanierung sorgen derzeit für Unruhe im Landratsamt.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Kreishaus, SPD und CDU betreiben 
 Schadensbegrenzung. So berichten Informanten der OP, dass Mitarbeiter inzwischen der Verdächtigung ausgesetzt würden, interne Details weitergegeben zu haben, Stimmung und Arbeitsatmo­sphäre würden darunter leiden.

Internetöffentlich äußert sich darüber das Kreistagsmitglied Jörg Behlen (FDP), der im sozialen Netzwerk Facebook festhält: „Menschen werden im Kreishaus niedergeschrien, so dass ganze Etagen ungewollt mithören können.“ Auf Nachfrage der OP will er dazu für die Öffentlichkeit allerdings keine 
 weiteren Ausführungen machen, „um Betroffene zu schützen“.

Aus dem Kreishaus hört man, dass es über die Japan-Reise 
im Vorfeld keine Informationen gab – es sei auch keine Vertretungsregelung bekannt 
gegeben worden. Zwei Mitar­beiterschreiben der Landrätin ans Personal, die der OP beide vorliegen, entstanden während und nach der Japan-Reise. Fründt hält darin demonstrativ die Transparenz hoch. Doch weiterführende Informationen zum Sinn und Zweck der Reise fehlen auch dort: Die Reise habe „interessante Eindrücke“ und „wichtige Impulse“ gebracht.

Zwei Drachenboot-Rennen 
und ein Freiwilligentag

„Die Momente zum Luftholen und zum Verschnaufen waren während der Reise zwar ziemlich 
selten, allerdings ist angesichts der vielfältigen Eindrücke, die unser Team und ich sammeln konnten, klar, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat. Jetzt müssen wir schauen, was wir in Zukunft für unseren Landkreis daraus entwickeln können. Darauf freue ich mich sehr“, schrieb Fründt, zurück von der zehntägigen Asienreise, an die Mitarbeiter der Kreisverwaltung.

Diese beschäftigen sich indes nicht nur mit der öffentlichen Diskussion über kostspielige Projekte der Kreisspitze, sondern auch mit zwei dienstlichen Drachenbootrennen und Training während der Arbeitszeit sowie der Beteiligung an einem Lauf in Frankfurt und einem 
geplanten Freiwilligentag, bei dem Beschäftigte in der Dienstzeit an ehrenamtlichen Projekten teilnehmen und dann ein Fest feiern. Dies geht aus Dienst-E-Mails hervor, die der OP vorliegen.

Da die Pressestelle des Landkreises am Freitag noch mit 
einer älteren OP-Anfrage zur Schulung im Hilton beschäftigt war, konnte sie über ein bevorstehendes Drachenbootrennen 
hessischer Landkreise, angeb­lich organisiert und finanziert vom Landkreis Marburg-
Biedenkopf, kurzfristig keine Auskunft mehr geben. Am Montag werde dies nachgeholt.

Bartol sieht keinen Schaden für den Landkreis

Indes befragte die OP das 
 Führungspersonal von SPD und CDU zur gegenwärtigen Situation auf Kreisebene. Sören 
Bartol, SPD-Unterbezirksvorsitzender, rät der Kreisspitze, „weiterhin ihre Arbeit gemäß dem Auftrag der Wählerinnen und Wähler und den Vereinbarungen der Koalition zu machen“. Eine Diskussion über die Angemessenheit von Kosten sei immer zulässig, dürfe aber nicht dazu dienen, „unbegründet Verdächtigungen zu verbreiten“.

Das Beste für den Landkreis sei, „wenn alle wieder zur Sacharbeit als relevanter Bezugsgröße zurückfinden“, erklärte 
Bartol. Dass nicht alle Menschen die gleiche Einschätzung zu Entscheidungen haben, könne man nicht verhindern. „Unsere Offenheit trägt aber dazu bei, zu verhindern, dass es zu unbegründeten Verdächtigungen oder Pauschalisierungen kommt.“ Einen Schaden für den Landkreis gebe es nicht.

Werner Hesse, SPD-Fraktionsvorsitzender, vertrat die Meinung, dass die Landrätin den „Disput über einzelne Sachfragen weiterhin so sachlich und offen führen sollte wie bisher“. „Da sie weiß, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat, kann sie allen Weiterungen gegenüber gelassen sein.“ Dabei könne Fründt darauf vertrauen, dass „auch eventuell kritisch gesehene Sachverhalte sich relativieren im Vergleich zur Gesamtleistung der Landrätin und der Koalition“. Weiter erklärte Hesse: „Man weiß, dass keiner davor gefeit ist, richtig gemeinte Dinge zu tun, die negativ von anderen gesehen werden.“ Wenn man daraus seine Lehren ziehe, dann sei dies der richtige Umgang. „Ich bin überzeugt, dass Kirsten Fründt aus der Form und den Inhalten der gelaufenen Diskussion ihre Lehren zieht“, führte Hesse aus.

CDU: Japan-Reise „wichtiger Blick über den Tellerrand“

Die Frage nach einem Imageschaden für die SPD könne die Presse am besten beantworten, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Dabei gehe es darum, ob man sich mit einzelnen konkreten Vorgängen befasse oder versuche, daraus einen generalisierten Vorwurf zu konstruieren. „Wir werden weiterhin auf größtmögliche Offenheit setzen und darauf, dass Menschen ein feines Gespür dafür haben, wie berechtigt oder unberechtigt generelle Verdächtigungen sind.“

Von aufgeladener Stimmung auf Kreisebene wollten CDU-Kreisvorsitzender Dr. Thomas Schäfer und Fraktionsvorsitzender Werner Waßmuth indes nichts hören: „Das einzige, was im Landkreis aufgeladen ist, 
sind die Elektoautos und E-
Bikes im Fuhrpark des Landkreises“, schreiben sie auf eine Anfrage der OP. Ihr Ratschlag an die Hauptamtlichen im Kreishaus lautet, ruhig und gelassen weiterzuarbeiten.

Was die Berichterstattung zum Thema Dienstreisen anbelangt, empfehlen Schäfer und Waßmuth der Kreisspitze, „weiter so transparent über die Hintergründe, Inhalte und Ziele der Auslandsreise zu informieren“.

Dabei wissen Schäfer und Waßmuth offensichtlich bereits Genaueres darüber, was die Landkreis-Delegation an Neuerungen für Marburg-Biedenkopf aus Japan mitgebracht hat. „Wer sieht, wie viel Impulse, Ideen und Gedanken aus der Reise entstanden sind, der weiß, wie wichtig der Blick über den Tellerrand hinaus ist“, erklären sie und sind davon überzeugt, dass weder dem Landkreis noch ihrer Partei durch die aktuellen Vorgänge ein Schaden drohe.

von Carina Becker

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