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SEG drohen Verluste

Franken-Kredite SEG drohen Verluste

Sorgen um die Marburger Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG): Sie hat Millionenbeträge in der Schweiz aufgenommen, nun drohen der öffentlichen Hand Verluste.

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Die Schweizerische Nationalbank hat Mitte Januar die Kopplung des Franken an den Euro aufgehoben. Der damit verbundene Wertverlust bringt einige Kommunen und kommunale Unternehmen – auch in Marburg – in Bedrängnis.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Während die Stadt Marburg laut Magistratsangaben selbst keine Kredite in fremden Währungen aufgenommen hat, hält das städtische Tochterunternehmen SEG Franken-Darlehen in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro. Im Rheingau-Taunus-Kreis ist es wegen der Entkopplung des Franken vom Euro bereits zu hohen Verlusten gekommen (die OP berichtete).

„Die Situation ist schwierig“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auf OP-Anfrage. Dennoch gebe es „keinen Grund zu größerer Sorge“ aufgrund von Krediten der SEG. Diese seien bis zu einem Kurs von 1,20 Euro abgesichert. Erst wenn der Wert unter diese Schwelle fiele, entstünden Verluste, erklärt Vaupel, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der SEG ist.

Derzeit liegt der Wechselkurs bei 1,02 Euro für einen Franken, sodass der Unterschied entsprechend bei 18 Cent läge. Bewertet wird der Kredit jedoch jährlich zum Stichtag 31. Dezember „Wir  müssen die Kredite im Moment nicht realisieren“, erläuterte Vaupel, worin der Unterschied zu den Kommunen aus dem Rheingau-Taunus-Kreis liege.

Im Jahr 2014 war der Kurs an diesem Stichtag bei genau 1,20 Euro, so Vaupel, und auch für 2015 erwarten Experten aus dem kommunalen Finanzwesen eine Erholung des Eurokurses gegenüber der Schweizer Währung bis Ende Dezember.

Sollte der aktuelle Kurs auch dann noch Gültigkeit haben, entstünden jedoch Verluste von etwa 150 000 Euro.

Selbst ein Verlust in dieser Höhe sei nach Schilderung Vaupels jedoch in Kauf zu nehmen, denn der Zinssatz für die beiden Franken-Kredite liege mit 0,81 Prozent etwa 0,45 Prozent unter dem, den man hierzulande erhalten könne. Die hypothetischen 150 000 Euro  würden demnach durch die geringere Zinslast aufgefangen. Dennoch sei es „eine Sache, die man beobachten muss“.

Kommunales Unternehmen schon mal im Finanz-Fokus

Als Kämmerer der städtischen Finanzen „handele ich eher konservativ“, sagt Vaupel. Fremdwährungskredite wolle er nicht aufnehmen, „weil da immer Unruhe drin ist“. Die Überbrückungskredite der SEG laufen aber schon langfristig und werden  seitdem immer wieder jährlich verlängert.

Bereits vor einigen Jahren sorgten die Franken-Kredite der SEG für Aufsehen in der Stadtpolitik. Im August 2011 war im Ausschuss gar von Vermögensverlusten von über einer Million Euro die Rede. Die FDP hatte damals eine Umschuldung der Kredite verlangt.

Die SEG, im Jahr 1993 gegründet, ist Marburgs größte Entwicklungsgesellschaft. Sie ist im Auftrag der Stadt auf dem Grundstücks- und Immobilienmarkt aktiv.

von Peter Gassner

  • Hintergrund: Die Schweizerische Notenbank (SNB) hatte sich Mitte Januar entschieden, die Bindung des Schweizer Franken zum Euro zu beenden und den bisherigen Mindestkurs von 1,20 Schweizer Franken zum Euro aufzuheben. Der Euro sackte umgehend um 30 Prozent ab, im Vergleich zum Dollar auf den Tiefstand von 2003 (1,15 Dollar). Konsequenz: Private wie unternehmerische und kommunale Kreditnehmer stehen vor Problemen, wenn der Franken weiter steigt. Grund: Darlehensrückzahlungen werden teurer.
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