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Ruth Klüger erhält Brüder-Grimm-Preis

Auszeichnung für Schriftstellerin Ruth Klüger erhält Brüder-Grimm-Preis

Mit elf Jahren kam Ruth Klüger ins Konzentrationslager. In ihrer bekannten Autobiografie "weiter leben" schildert sie ihren Kampf ums Überleben. Am Freitag spricht sie in Marburg aber nicht als Zeitzeugin, sondern als Germanistin.

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Die Autorin und Germanistik-Professorin Ruth Klüger erhält den Brüder-Grimm-Preis. Foto: Literarische Nahversorger

Marburg. Ruth Klüger (83) zählt zu den bekanntesten Germanistinnen in den USA. In Deutschland hat sie sich vor allem als Schriftstellerin einen Namen gemacht: Ihre 1992 erschienene Biografie „weiter leben“, in der sie ihre Kindheit und Jugend in Wien und in den Lagern Theresienstadt, Auschwitz und Christianstadt beschreibt, ist ein einmaliges Werk der „Zeugen-Literatur“ des Genozids am europäischen Judentum. Die Autobiografie wurde in zehn Sprachen übersetzt und verfilmt. „Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben und meine heute, dass es aus keinem besseren Antrieb als kindischer Verblendung und Todesangst so war“, schreibt Ruth Klüger in „weiter leben“. Nicht nur ihre eindrucksvollen Innenansichten zeichnen ihr Werk aus. Das Besondere: Sie wechselt die Zeitebenen und fügt ihre in den Lagern verfassten Gedichte ein: Der Wechsel ist spannend, ihre Sprache ist klar, prägnant. „Aber in Wirklichkeit ist Hoffnung ja die Kehrseite der Angst, und die Angst kann schon den Eindruck vermitteln, daß sie am Leben erhält, denn man spürt sie wie Sand auf der Zunge und wie ein Rauschgift in den Adern“, schreibt die Autorin, die bis heute anti- sowie philosemitische Tendenzen anprangert.

Zahlreiche Preise hat die Schriftstellerin, die in Irvine/Kalifornien und Göttingen lebt, bereits für ihre Werke erhalten.Am Freitag ab 18 Uhr in der Alten Aula verleiht ihr die Philipps-Universität Marburg den mit 5000 Euro dotierten Brüder-Grimm-Preis. Den Preis erhält Ruth Klüger für ihren Forschungsschwerpunkt in der Epoche der Brüder Grimm. Ihren Vortrag hält sie zum Thema „Grimms Märchen als Frauenliteratur“. „Ruth Klügers Forschungsschwerpunkt in der Epoche der Brüder Grimm, ihr besonderes Augenmerk auf die Literaturproduktion und -rezeption von Frauen sowie auf antisemitische Tendenzen innerhalb der deutschen Literatur verleihen ihrer literaturwissenschaftlichen Arbeit eine weithin sichtbare und innovative Position“, begründet Professor Karl Braun die Wahl der Preiskommission, der er angehört.

Mit dem Brüder-Grimm-Preis würdigt die Philipps-Universität Marburg alle zwei Jahre hervorragende Leistungen auf den Forschungsgebieten der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, insbesondere den Sprach- und Literaturwissenschaften, der Volkskunde/Europäischen Ethnologie, der Rechtsgeschichte und der Geschichtswissenschaft.

Die Laudatio werden Braun sowie Professor Heinrich Detering von der Georg-August-Universität Göttingen halten.

von Anna Ntemiris

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Interview mit Ruth Klüger
Professorin Ruth Klüger stellte im Interview viele Gegenfragen und wollte die Meinungen zu Themen wie Feminismus oder Religion wissen.

Die Österreicher waren die besseren Nazis, sagt Ruth Klüger, die als Wiener Jüdin ins Konzentrationslager kam. Im OP-Interview spricht die US-Germanistin und Schriftstellerin über Zufall, Frauen und Antisemitismus.

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