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Ruhestätte für mehr als 10.000 Marburger

150 Jahre Hauptfriedhof Ruhestätte für mehr als 10.000 Marburger

Der 1865 eröffnete Hauptfriedhof an der Ockershäuser Allee ist mit einer Fläche von 22 Hektar und rund 10.000 Grabstätten der größte Marburger Friedhof. Gefeiert wird das Jubiläum an diesem Freitag in der alten Friedhofskapelle.

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Der Marburger Hauptfriedhof erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 22 Hektar.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die 22 Hektar große 
Anlage umfasst rund 10.000 Grabstätten und erstreckt sich von der Ockershäuser Allee im Tal bis hoch zum Rotenberg. Das Besondere an dem im Jahr 1865 eröffneten mittlerweile 
größten Marburger Friedhof ist die Mischung aus Berg-, Wald- und Zierfriedhof sowie einer Vierfelder-Anlage, erläuterte die Friedhof-Expertin Dr. Jutta Schuchard der OP.

Marburgs Hauptfriedhof besteht seit 150 Jahren.  

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Zahlreiche bedeutende Marburger haben auf dem Hauptfriedhof ihre letzte Ruhestätte 
gefunden. Dazu zählen eine Reihe von Gelehrten, die an der Marburger Universität als Professoren angestellt waren, wie beispielsweise der Kunsthistoriker Carl Justi (1832-1912) oder der Chirurg Wilhelm Roser (1817-1888).

Das meistbesuchte Grab ist nach Angaben der Friedhofs-Führerin Dr. Barbara Rumpf-Lehmann die Grabstätte des weltberühmten Theologen Rudolf Bultmann (1884-1976). Aber auch viele ehemalige Oberbürgermeister wie Georg Gaßmann, Ludwig Schüler, August Rudolph oder Dr. Hanno Drechsler sind auf dem Marburger Hauptfriedhof begraben. Interessantes aus der Friedhofsgeschichte wird bei der 
Jubiläumsfeier am Freitag zu hören sein.

Friedhof wurde 1865 eröffnet

Das erste Begräbnis auf dem aufgrund des rasanten Wachstums der Stadt Marburg notwendig gewordenen neuen Friedhof an der Ockershäuser Allee fand am 17. Juli 1865 statt. Begraben wurde die Witwe des Prokurators Baumgart, erläutert Dr. Barbara Rumpf-Lehmann. Die Marburgerin bietet seit 1986 Friedhofs-Führungen und ist eine ausgewiesene Kennerin des Marburger Friedhofswesens.

Zu ihrer intensiven Beschäftigung mit dem Thema kam sie übrigens in den 80er Jahren durch Zufall, als sie Kenntnis darüber erhalten hatte, dass das Grabmal von Julius Cäsar abgeräumt werden sollte. Der römische Imperator Cäsar liegt in Marburg begraben? Nein, allerdings befindet sich das Grab seines Namensvetters auf dem Hauptfriedhof, der als Professor für Altphilologie an der Universität wirkte. Im Unterschied zum römischen Kaiser hat er allerdings nicht den Beinamen Gaius, sondern Carl. Der Marburger Julius Cäsar war Mitherausgeber der Zeitschrift für Altertumswissenschaften. Auch aufgrund der Interven­tion von Rumpf-Lehmann ist die Grabstätte auf dem Friedhof bis heute zu sehen.

Bei einem Rundgang auf dem weiträumig verzweigten Areal kann sie viele Geschichten zu den Grabstätten und den Lebensgeschichten erzählen, die sich dahinter verbergen. Beispielsweise hat der Marburger Bildhauer Johannes Pfeiffer (1880 bis 1961) neben vielen Grabmälern für andere Verstorbene auch einen Grabstein für sich selber gestaltet, den ein lachender Männerkopf ziert. Zu seiner Frau soll er übrigens vor seinem Ableben gesagt haben: „Neben uns haben wir immer Musik. Da liegt ein Oratoriensänger.“

Broschüre informiert über besondere Gräber

Sogar ein ihrem realen Antlitz nachgebildetes Bildnis-Medaillon ziert das Grabmal der Schriftstellerin Elisabeth Mentzel (1848-1914). Und den als Obelisk geformte Grabstein für den Gelehrten Theodor Birt (1852-1933) schmücken Kranz und Lyra als Hinweis auf seine lyrischen Dichtungen.

Wer sich auf die Suche nach besonderen Grabstätten begibt, kann auf die vom Fachdienst Stadtgrün, Umwelt und Natur herausgegebene Broschüre „Bedeutende Persönlichkeiten auf dem Hauptfriedhof“ zurückgreifen. Dort finden sich die Namen von 178 Verstorbenen wie beispielsweise des Theologen Rudolf Bultmann oder des ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Hanno Drechsler mit einem Hinweis auf den Standort der Gräber auf einem Lageplan.

In seriner Vielfalt ist Hauptfriedhof eine Besonderheit

Der Friedhof ist eine Mischung aus der zunächst angelegten Vierfelder-Anlage im Tal an der Ockershäuser Allee sowie einem Berg- und Waldfriedhof auf der Fläche hoch zum Rotenberg und einem als Park angelegten Zierfriedhof. „In dieser Vielfalt stellt der Hauptfriedhof eine Besonderheit dar“, erläutert die Marburgerin Dr. Jutta Schuchard, langjährige Mitarbeiterin des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, dessen zentrale Themen Tod und Sterben sowie Trauern und Gedenken sind.

In diesem Museum ist auch ­einer der drei Marburger Leichenwagen ausgestellt – eine besonders prunkvolle Kutsche mit einem Baldachin, in der früher die Toten transportiert wurden. Besonders bewegend sind auf dem Hauptfriedhof die Gräberfelder der „Sternenkinder“, der ungeborenen Kinder, die dort seit 2000 jährlich beerdigt werden. An einem dieser Gräber findet sich folgender Spruch: „Das Glück ist wie ein Schmetterling. Wenn wir es jagen, vermögen wir es nie zu fangen, aber wenn wir ganz ruhig innehalten, dann lässt es sich auf uns nieder“.

  • Am Freitag, 6. November, ab 13 Uhr findet in der alten Kapelle des Friedhofes (Zugang Ockershäuser Allee) die Jubiläumsfeier für geladene Gäste statt, zu der der Marburger Friedhofsdezernent Dr. Franz Kahle einlädt. Dr. Barbara Rumpf-Lehmann und Dr. Jutta Schuchard halten Vorträge.

von Manfred Hitzeroth

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