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Ruhestätte für 48 Urnen

Hauptfriedhof Ruhestätte für 48 Urnen

Wer in den vergangenen Tagen einen Blick durch das untere Eingangstor des Hauptfriedhofs geworfen hat, dem dürfte der große Kubus aus ­Beton ins Auge gefallen sein, der sich auf der ­linken Seite befindet.

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Bürgermeister Dr. Franz Kahle (von links) weihte mit Friedhofsleiterin Julia Kempf und einer Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung den Urnenquader ein.

Quelle: Maik Dessauer

Marburg. Der Urnenquader ist der erste seiner Art auf einer Marburger Ruhestätte und birgt insgesamt 48 „wiederverwendbare“ Urnenkammern, die jeweils mit Granitverschlussplatten versehen sind. Die Art der Bestattung im Quader ist die gleiche wie in einer Urnenwand. Der Quader biete jedoch optisch andere Gestaltungsmöglichkeiten, wie die Stadt mitteilte.

Die Errichtung ist auch ein Resultat der wachsenden Nachfrage nach Urnenbestattungen. Bei 500 bis 600 Todesfällen pro Jahr wurden seit 2010 beinahe 2000 Menschen in einer Urne bestattet.

Dass sich immer mehr Menschen zu einer Urnenbestattung entscheiden, hat verschiedene Gründe. Einerseits hat sich das Verhältnis der katholischen sowie der evangelischen Kirche zur Verbrennung Dahingeschiedener stark liberalisiert, andererseits, so der Bundesverband deutscher Bestatter, sei es auch der Tatsache geschuldet, dass Angehörige oftmals zu weit entfernt von der letzten Ruhestätte ihrer Verwandten lebten und sich die Pflege eines aufwendigen Grabes daher oftmals als schwierig erweise.

Bundesdurchschnitt: 55 Prozent Urnenbestattungen

Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne), der auch Dezernent der Friedhofsverwaltung ist und die Einweihung des Urnenquaders vornahm, führt diese Entwicklungen auch darauf zurück, dass viele ältere Menschen den Wunsch äußern, ihren Hinterbliebenen „nicht mehr zur Last fallen“ zu wollen und die Begräbnisstätte als Ort des Gedenkens daher unter optischen Gesichtspunkten eine veränderte Wahrnehmung erfahre.

So ist davon auszugehen, dass der neu errichtete Urnenquader nicht der einzige auf dem Marburger Hauptfriedhof bleiben und dass sich das Erscheinungsbild von Friedhöfen bundesweit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stark verändern wird. Im bundesweiten Durchschnitt werden mittlerweile etwa 55 Prozent der durchschnittlich 860.000 Toten jährlich in Deutschland feuerbestattet – Tendenz steigend.

Die Kosten für den Urnenquader belaufen sich auf etwa 30.000 Euro.

von Maik Dessauer

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