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Rücktritt trotz Rückendeckung

Marktfrühschoppenverein Rücktritt trotz Rückendeckung

Wie vorher angekündigt trat der Vorstand des Marktfrühschoppenvereins am Dienstag Abend nach dreistündiger Sitzung zurück. Die Mehrheit der Mitglieder will aber, dass das Fest auch in diesem Jahr stattfindet.

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Der Marktfrühschoppen sorgt seit vielen Jahren für kontroverse politische Diskussionen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Mittelpunkt der nicht-öffentlichen dreistündigen Sitzung des Marktfrühschoppenvereins stand zunächst die Debatte über den vom Vorsitzenden Tilman Pfeiffer initiierten Brief, mit dem die drei als rechtsextrem geltenden und dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ angehörigen Marburger Burschenschaften vom Marktfrühschoppen eine Ausladung erhalten hatten.

Nachdem bei der Jahreshauptversammlung bei einer ersten Abstimmung sich eine klare Mehrheit gegen diese Ausladung ausgesprochen hatte, gab es dieses Mal bei einer Abstimmung, die dann auch zu einem Beschluss führte, ein anderes Ergebnis. Demnach stützten 22 Mitglieder mit ihrer Zustimmung bei sechs Gegenstimmen den Brief des Vorstands, wie Pfeiffer der OP gestern auf Anfrage mitteilte.

Pfeiffer erläuterte, dass er zuvor ausführlich über seine Beweggründe für den Ausladungsbrief und die Verhältnisse in der „DB“ referiert habe.

In dem Brief an die Burschenschaften Germania, Normannia-Leipzig und Rheinfranken hatte Pfeiffer kritisiert, dass diese Burschenschaft „politisch sehr weit nach rechtsaußen geraten“ seien.

Politische Auseinandersetzungen am äußersten rechten und linken Rand sollten allerdings bei dem „einfachen Volksfest“ des Marktfrühschoppens vermieden werden. Dies gelte beispielsweise für das „demonstrative Auftreten der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft“.

Ungeachtet der nunmehr eindeutigen Zustimmung zu seiner Vorgehensweise mit der Versendung des Briefes trat der Vorstand danach aber geschlossen zurück, wie es Pfeiffer im Vorfeld angekündigt hatte. „Es kam zu diesem Rücktritt, weil wir niemanden erpressen wollten“, sagte Pfeiffer.

Er bedauerte es, dass sich anschließend niemand bereit erklärt habe, die Vorstandsämter zu übernehmen. Dennoch äußerte er Verständnis dafür, denn als Vorsitzender dieses Vereins stehe man in der Öffentlichkeit. So soll also der alte Vorstand unter Pfeiffers Vorsitz erst einmal kommissarisch im Amt bleiben.

In vier Wochen solle es eine neuerliche Versammlung geben, auf der ein weiterer Versuch gemacht werden solle, einen neuen Vorstand zu wählen, „wenn die Verhältnisse sich beruhigt haben“, wie Pfeiffer sagte.

Fest soll stattfinden

Der noch amtierende Vorsitzende des Marktfrühschoppenvereins gab an, dass er in der Sitzung am Dienstag eine „schöpferische und konstruktive Pause“ und somit einen Verzicht auf eine Ausrichtung des Traditions-Volksfestes in diesem Jahr angeregt habe.

Allerdings hätte sich eine Mehrheit der Mitglieder für einen Marktfrühschoppen 2015 ausgesprochen. Zudem habe es auch eine Reihe von Anregungen gegeben, wie man dem in den vergangenen Jahren vor allem durch die Teilnahme von rechten Burschenschaftlern umstrittenen Fest auf dem Marktplatz eine etwas andere Prägung geben könne.

Zu diesem Zweck werde wohl ein Gestaltungsausschuss gewählt. Pfeiffer erläuterte, dass in diesem Zusammenhang die Beteiligung von Vertretern der Stadtteilgemeinden sehr konstruktiv gewesen sein.

Allerdings bleibt Marianne Wölk, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Marburger Stadtteilgemeinden, dabei, dass die von ihr geführte Glaskopfgemeinde ungeachtet des Ausladungsbeschlusses aus dem Marktfrühschoppenverein austritt.

„Es ist unerträglich, welche Formen der Marktfrühschoppen angenommen hat“, sagte Wölk der OP. Bei einer erneuten Austragung fürchte sie um die Sicherheit der Teilnehmer.

von Manfred Hitzeroth

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