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Rudern im Namen der Philipps-Uni

„Welcome to Heartlight" Rudern im Namen der Philipps-Uni

Das ehrgeizigste Team der Ruder-Bundesliga kommt aus „einer Stadt, in der es eigentlich kein Wasser gibt“

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Rudern im Uni-Dress: Die Sportlerinnen von "Heartlight Marburg" lernten das Rudern erst an der Uni - und starten jetzt für die Uni.

Quelle: Maik Dobbermann

Marburg. „Wenn ich morgens um 6 Uhr Rudertraining habe, dann sagen meine Freunde schon mal, ich sei irre“, sagt Franziska Hahn. Die 24-jährige Lehramtsstudentin hat schwielige Hände und die typische Ruder-Sonnenbräune der Sorte „nur von oben“: Die Vorderseiten der Beine sind gebräunt bis gerötet, die Rückseiten vornehm blass. Teamkollegin Janna Viehmann, Medizinstudentin im 12. Semester, zeigt lachend die Blasen in ihren Handflächen und die kleinen Narben an den Waden, die vom Kontakt mit den Laufschienen des Rollsitzes zeugen.

„Das Schönste am Rudern ist einfach, sich gemeinsam zu quälen“, fasst Geografin Miriam Sannes augenzwinkernd die Blessuren-Parade zusammen. Lachen bei den Teamkolleginnen, doch so ganz falsch liegt Miriam mit dieser Analyse nicht. „Die Mannschaft, das gemeinsame Rudern, das ist es“, pflichten ihre Teamkolleginnen bei.

„Die Mannschaft“, das sind 14 Sportlerinnen, die sich den Namen „Welcome to Heartlight“ gegeben haben, inspiriert vom gleichnamigen Song des US-Rockers Kenny Loggins. Seit dem vergangenen Jahr tritt die Uni-Mannschaft in der Ruder-Bundesliga (RBL) an. In den anderen RBL-Booten sitzen Weltmeisterinnen und Olympiateilnehmerinnen mit kilometerlanger Regattaerfahrung. Anders ist das weiße Boot aus Marburg besetzt: Dort legen sich junge Frauen in die Riemen, für die das Rudern ein relativ neuer Sport ist.

„Some people live their dreams“, heißt der Marburger Achter. Der Name ist Programm. „Wir fahren für eine Idee“, sagt Trainer Daniel Riechmann. Der blonde Hüne ist sich sicher: „Man kann Erfahrung und leistungsorientierte Team-Zusammenstellung ausgleichen durch Engagement, Motivation und Entschlossenheit.“

Engagement, das bedeutet zum Beispiel, dass die Mannschaft sechs bis sieben Mal in der Woche trainiert. Im Winter vor allem im Kraftraum am Unistadion, jetzt in der Freiluftsaison meist auf der Lahn. Bei empfindlicher Morgenkälte oder in schweißtreibender Nachmittagshitze, umschwirrt von Mücken oder durchnässt von Regenschauern kann man die Sportlerinnen zurzeit fast täglich auf der Lahn erleben.

Während der Trainer vom Begleitboot aus jede falsche Bewegung, jedes Ausbrechen aus dem synchronen Takt kommentiert, schießt der Achter unter dem Gleichtakt der Riemen über die Lahn, die Frauen atmen synchron und mit verbissenen Gesichtern, der Schweiß rinnt. „Ah, es geht also!“, ruft Riechmann ins Megafon.

Ergänzend zum Training auf dem Wasser sowie dem Ausdauer- und Krafttraining an Land gibt es Wochenend-Trainingslager am Edersee. Sie sind auch ein Ausgleich für die Tatsache, dass die Lahn in Marburg eigentlich kein idealer Ruder-Fluss ist. Zu schmal, zu kurvig, zu viele Wehre: Wer wie Trainer Daniel Riechmann jahrzehntelang Ruder-Erfahrung auf anderen Gewässern gesammelt hat, bezeichnet Marburg schon mal als „eine Stadt, in der es eigentlich kein Wasser gibt“.

Anders geht es denjenigen unter seinen Schützlingen, die das Rudern auf der Lahn gelernt haben. Und das sind die meisten: Fast alle 14 Mannschaftsmitglieder kamen in den vergangenen Jahren über einen Unisport-Anfängerkurs zum Rudern.

2010 gaben die Marburgerinnen für ihr RBL-Debüt eigens einen Ruder-Achter bei einer renommierten Bootswerft in Italien in Auftrag. Dass das Boot dann sehr knapp vor Saisonbeginn erst fertig wurde, ist wohl ein Grund dafür, dass die Marburgerinnen bei ihrem Liga-Debüt etwas bescheidener abschnitten als erhofft: Platz 11 von 12 Mannschaften. „Aber immerhin, Ulm haben wir geschlagen“, trösten sich die Sportlerinnen lachend.

In diesem Jahr hoffen die Marburgerinnen auf einen Platz im Mittelfeld. Auch Ruder-Bundestrainer Hartmut Buschenbacher schätzt die Leistungen der Damen hoch ein: „Die Mannschaft aus der kleinen Universitätsstadt hat einige überzeugende Siege errudert gegen namhafte Gegner“, konstatiert er. „Welcome to Heartlight“ sei „eine solide Mittelfeldmannschaft, die auch noch das Potenzial für mehr hat“.

Doch selbst wenn sich die Uni-Mannschaft am Ende der Saison unterhalb des Mittelfeldes wiederfindet, nimmt das den Sportlerinnen nicht den Mut. „Vor allem wollen wir zusammen Spaß haben“, sagt Janna Viehmann.

von Sabine Nagel-Horn

Das erste RBL-Rennen der Saison findet am 4. Juni am Frankfurter Museumsufer statt. Kontakt: fan@uni-rowing.de oder auf der Facebook-Seite „Heartlight Marburg“.

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