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Rollstuhlfahrerin vom Bahnhof genervt

Defekter Aufzug Rollstuhlfahrerin vom Bahnhof genervt

Wie viel Barrierefreiheit ist am Marburger Hauptbahnhof nötig und möglich? Für die Bahnkundin Christine Stapf deutlich mehr als der frisch renovierte und prämierte „Bahnhof des Jahres“ hergibt.

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Ratlos: Die Rollstuhlfahrerin Christine Stapf beklagt, dass der Aufzug zu den Gleisen im Hauptbahnhof immer wieder ­defekt ist und ihr somit die Nutzung der Züge verwehrt.

Quelle: privat

Marburg. Regelmäßig fährt die Rollstuhlfahrerin Bahn oder würde zumindest gerne mehrmals die Woche ihre Familie per Zug in Gießen besuchen. Doch dies ist ihr nicht immer vergönnt, berichtet die verärgerte Frau der OP. Der Grund: In den vergangenen Monaten war der Aufzug zu ihrem Gleis immer wieder defekt – der einzige Weg mit Rollstuhl den Zug zu erreichen ist ständig versperrt.

„Es gibt einfach keine Alternative. Ein Armutszeugnis für einen Bahnhof des Jahres“, ärgert sich die  60-Jährige. Auf ihre Nachfrage bei der Information erhielt sie die wenig befriedigende Antwort, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in diesem Fall eben nicht mit der Bahn fahren können. Für einen modernisierten Bahnhof eine echte Blamage, findet die Verwaltungsfachangestellte. Die Anlage wurde in den vergangenen sechs Jahren für 30 Millionen Euro aufwendig umgebaut und saniert, barrierefrei gestaltet und von der „Allianz pro Schiene“ zum „Bahnhof des Jahres“ prämiert. Eine Aufzugsanlage an der Außenseite des Gebäudes transportiert die Kunden in das Bahnhofs-
innere, drei weitere Aufzüge führen auf die Bahnsteige. „Man hat es aber nicht geschafft, einen Plan B für einen defekten Fahrstuhl zu schaffen“, ärgert sich die gehbehinderte Kundin.

Deutsche Bahn plant keine Alternative

Auf OP-Nachfrage bei der Deutschen Bahn verspricht die für Hessen zuständige Pressestelle eine schnelle Lösung der technischen Mängel. „An der Beseitigung der Störung arbeiten unsere Techniker mit Hochdruck und wir hoffen, dass die Aufzugsanlagen in Kürze wieder uneingeschränkt zu Verfügung stehen“, so die Auskunft. Von einer künftigen Alternative ist dabei keine Rede.

„Die DB schafft es nicht, ihre Fahrstühle zu reparieren und zu warten. Inklusion? Nicht auf dem Marburger Bahnhof“, zeigt sich Christine Stapf enttäuscht. Betroffen seien im Fall der Fälle nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch ältere, kranke Menschen oder Kunden, die auf einen Rollator angewiesen sind. Konnten Rollstuhlfahrer früher noch auf Höhe des Güterbahnhofs über Holzplanken die Gleise erreichen, besteht diese Möglichkeit heute nicht mehr. Dabei biete die Bahn einen ausreichenden, behindertengerechten Transport für eingeschränkte Kunden, „das ist toll, aber es nutzt mir überhaupt nichts wenn ich das Gleis nicht erreichen kann“, sagt Christine Stapf. „Sorry, liebe Deutsche Bahn, ich lasse mir von Euch nicht vorschreiben, wann ich mit dem Zug von A nach B fahren möchte und erwarte, dass Sie eine Möglichkeit schaffen, die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bei Ausfall des Fahrstuhls zu den gewünschten Bahngleisen bringt“, lautet daher ihr Aufruf.

Der Aufzug ist zwischenzeitlich repariert worden. Wie lange er diesmal funktioniert, darauf ist Stapf gespannt.

von Ina Tannert

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