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Rollstuhlfahrer überfallen, gefesselt und beraubt

Prozess vor dem Landgericht Rollstuhlfahrer überfallen, gefesselt und beraubt

Seit Montag müssen sich zwei 24-Jährige aus Gießen und Lauterbach vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichts auch wegen Freiheitberaubung verantworten.

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Ein Rollstuhlfahrer ist in seiner Wohnung überfallen, gefesselt und beraubt worden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Laut Anklage begaben sich beide Ende Dezember vergangenen Jahres zu der Wohnung eines gehbehinderten Mannes aus Marburg und verlangten unter einem Vorwand Eintritt.

Nachdem der Rollstuhlfahrer die Wohnungstür geöffnet hatte, sollen beide Angeklagte ihn umgehend angegriffen haben. Während einer der Männer ihm den Mund zuhielt, fesselte der mutmaßliche Komplize den Wehrlosen mit eigens dafür mitgebrachtem Klebeband, verband ihm zudem Mund und Augen.

Sodann durchsuchten sie gezielt die Wohnung, stahlen einige Schmuckstücke sowie Bargeld im Wert von rund 500 Euro, so die Anklage.

Nach mehreren Minuten sollen sie die Wohnung fluchtartig wieder verlassen haben, nicht ohne den Gefesselten zu beleidigen. Während der Verhandlung gab der angeklagte Mann aus Lauterbach den Vorwurf weitestgehend zu.

Auslöser für die geplante Tat sei ein dritter Mann gewesen, der die Idee für den Überfall gehabt haben soll, erklärte der Beschuldigte. Der ehemalige Arbeitskollege habe ihnen von dem behinderten Marburger erzählt, der angeblich drogenabhängig sein und mit Betäubungsmitteln wie Heroin und Opium handeln soll, so der Lauterbacher.

Lauterbacher gibt Raub des Geldes zu

Dem  Kollegen, selber Konsument, sei die Wohnung sowie die Hilflosigkeit des Bewohners gut bekannt gewesen. Er suchte das Opfer gezielt aus. Seinem Vorschlag, dort „mal hinzugehen“ und den Bewohner auszurauben, hätten die 24-Jährigen zugestimmt.

In den darauf folgenden Tagen sollen die drei Männer ihr Opfer zweimal besucht und die Lage ausgekundschaftet haben. Ende Dezember begaben sich schließlich nur die beiden Angeklagten erneut nach Marburg und erhielten angeblich unter dem Vorwand, sie wollten Drogen kaufen, Einlass in die Wohnung. Den Tathergang gab der Angeklagte aus Lauterbach zu, Schmuck hätten sie jedoch keinen geraubt, lediglich einen kleinen Safe mit Dokumenten sowie rund 500 Euro. Als Grund für die Tat nannte der erste Angeklagte „Leichtsinn und Dummheit“. Er warf dem Geschädigten zudem vor, Drogen an junge Leute zu verkaufen. Das Räuber-Duo habe diesem daraufhin „eins ausgewischt“.

Hinsichtlich einer nicht weiter benannten Anschuldigung wegen Drogenmissbrauchs gegen ihren Mandanten legte Verteidigerin Daniela Elger der Kammer drei Drogentestergebnisse von September bis Dezember vergangenen Jahres vor.

Sämtliche Drogenscreenings des Lauterbachers waren negativ. Während der Verhandlung stritt der zweite Angeklagte überraschend eine Beteiligung an dem Raub ab.

An diesem Abend habe er sich bei seiner Freundin in Gießen aufgehalten, erklärte der Mann. Warum sein Bekannter ihn der Mittäterschaft beschuldigt, könne er sich nicht erklären.

Lebensgefährtin kann Alibi nicht völlig bestätigen

Seine Lebensgefährtin konnte das Alibi nicht vollständig bestätigen. Soweit sie sich erinnere, habe sie ihr Partner an diesem Abend wie fast jeden Tag von ihrer Arbeitsstelle in Gießen abgeholt, sagte die Zeugin. Absolut sicher war sie sich jedoch nicht.

Ihr Freund sei, trotz strafrechtlicher Vorgeschichte, ein normaler Mensch und neige nicht zu Gewalttaten, betonte die Frau.

Belastet wird der 24-Jährige neben der Aussage seines Mitangeklagten von den Ergebnissen der forensischen Untersuchung des Tatortes.

Auf dem Klebeband, mit dem das Opfer gefesselt wurde, fanden die Ermittler neben DNA-Spuren des ersten Angeklagten auch Fingerabdrücke des Beschuldigten aus Gießen, hielt der Vorsitzende Richter Gernot Christ den Männern vor.

Der 54-jährige Geschädigte konnte eine Beteiligung des zweiten Mannes nicht eindeutig bestätigen. Der erste Angeklagte weise eine starke Ähnlichkeit mit dem Räuber auf, der als erster die Wohnung betreten und ihm sodann die Augen zugehalten hatte, erklärte der Nebenkläger vor Gericht.

Ein weiterer Mann sei zwar hinzugekommen, sehen konnte er diesen jedoch nicht mehr. „Der andere packte mich sofort und hielt mich fest, ich war vollkommen schockiert“, erinnerte sich der Geschädigte. Noch heute leide er unter Angstzuständen.

Nachdem die Räuber geflüchtet waren, schaffte es der immer noch gefesselte Mann, erst seinen Bruder, später schließlich die Polizei zu verständigen. Betäubungsmittel wurden während der Ermittlungen nicht in seiner Wohnung gefunden, bestätigte ein Polizeibeamter vor Gericht.

Bezüglich der Fragen der Kammer ob er mit Drogen zu tun habe, machte der Geschädigte jedoch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Im weiteren Verlauf des Prozesses soll am Folgetermin ein Sachverständiger zu den Ergebnissen der forensischen Untersuchung gehört werden.

  • Die Verhandlung wird am Mittwoch, 17. Dezember, um 9 Uhr im Saal 101 des Landgerichtes fortgesetzt.

von Ina Tannert

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