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Rollstuhlfahrer können an Radtouren teilnehmen

Dreirad Rollstuhlfahrer können an Radtouren teilnehmen

Am Sonntag wurde bei ­einer Pressekonferenz ein ganz besonderes ­Dreirad der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Susanne Holz und Jörg Fretter zeigten während des Umweltaktionstages am Trojedamm das neue Fahrradmobil mit Rollstuhl.

Quelle: Kristina Lieschke

Marburg. Flott sieht es aus, das von Preisträger Jörg Fretter mit dem Preisgeld des Jürgen-Markus-Preises 2014 angeschaffte „Fahrradmobil mit Rollstuhl“. Es ist in schickem Silber, Dunkelblau und Schwarz gehalten, hat von der Akkuleistung her mehr als 60 Kilometer Fahrradius und vorne eine bis zum Boden absenkbare Plattform. Auf diese passen Rollstühle mit bis zu 80 Zentimetern Breite, und ein Gewicht von bis zu 160 Kilogramm ist zugelassen. Damit können die meisten Rollstuhlfahrer oder auch Menschen mit anderen Gehhilfen diese neue Möglichkeit zur Teilnahme an Radtouren nutzen, entweder mit dem zum Fahrradmobil gehörenden Rollstuhl oder auch mit dem eigenen. Genau das ist Preisträger Fretter wie auch Susanne Holz, der Witwe von Jürgen Markus und Kuratoriumsvorsitzenden des Preises, besonders wichtig: möglichst vielen Menschen mit dem neuen Verkehrsmittel zusätzliche Mobilität zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass die Leihgebühr nicht mehr kostet als für ein normales Fahrrad.

Ganz ohne Hilfe geht es allerdings nicht. Deshalb sitzt die Begleitperson als Fahrer hinten im Sattel: Oberbürgermeister Egon Vaupel hat das bereits beim Hessentag 2015 in Hofgeismar ausprobiert und war mit dem Fahrgefühl sehr zufrieden. „100 Meter braucht man zum Eingewöhnen“, erzählte er, „dann ist das Fahren kein Problem mehr“.

Der Jürgen-Markus-Preis ist der Erinnerung an den 2010 verstorbenen ehemaligen Grünen-Stadtverordneten, Vorsitzenden des Behindertenbeirats und engagierten Bürger Jürgen Markus gewidmet. Er wird durch die Stadt Marburg in einem Zwei-Jahres-Rhythmus ausgelobt und wurde zuletzt 2014 an insgesamt vier Preisträger vergeben. „Mir ist wichtig, dass durch diesen Preis Jürgen Markus, der so viel für eine barrierefreie Stadt getan hat, weiter unter uns ist und unter uns bleibt“, betonte der Oberbürgermeister. Der 1957 geborene Jürgen Markus war seit einem Sportunfall 1982 querschnittsgelähmt.

Das in Holland hergestellte Elektrodreirad ist seit April in Betrieb und kann in der Saison beim Fahrrad- und Bootsverleih Gischler am Trojedamm ausgeliehen werden, sodass dessen Betreiber Roman Gischler bereits berichten konnte, wie gut es genutzt wird. Auch Fretter bestätigte das und freute sich darüber, dass es sogar schon „Fans“ gibt, die das neue Gerät gerne und regelmäßig nutzen.

Bald geht die Saison allerdings zu Ende, und dann wird für das Fahrradmobil dringend ein Winterquartier gesucht. Am hochwassergefährdeten Trojedamm kann es von Ende Oktober bis Ende April nicht bleiben. Wer einen trockenen und geschützten Stellplatz weiß, sollte sich bitte bei Jörg Fretter melden, Telefon 06421/25029.

von Kristina Lieschke

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