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Robotik zieht in moderne Medizin ein

UKGM Robotik zieht in moderne Medizin ein

Für vier Millionen Euro hat das UKGM einen neuen Roboter in Betrieb genommen, mit dessen Hilfe Gefäße durch Röntgen, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie dargestellt werden können.

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Dr. Gunther K. Weiß, Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung, weiht das robotergesteuerte Diagnose- und Behandlungsgerät in einem interdisziplinären Operationssaal ein.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Vertreter des UKGM, des Rhön-Konzerns und der Hessischen Landesregierung feierten die Anschaffung als einen Meilenstein in der interdisziplinären Zusammenarbeit unterschiedlicher Fächer und einen wichtigen Schritt beim Einzug der Robotik in die moderne Medizin.

Dank des Roboters kann nahe­zu jeder beliebige Punkt des Körpers erreicht werden, sagte­ Dr. Heinrich Kolem, General Manager Advanced Therapies bei Siemens Healthineers, dem Entwickler des Geräts. Ähnliche Roboter werden zur Zeit in der Automobilindustrie eingesetzt - dieser soll allem kardiologischen Patienten zugutekommen, soll aber auch in der Neurochirurgie und der Neurobiologie zum Einsatz kommen.

Kolem sagte, das Gerät ermögliche die Verbindung von minimalinvasiven OP-Verfahren („Schlüsselloch-OPs“) und der Robotik. Es handle sich um das weltweit erste Gerät seiner Art in Marburg.

Der neue Leiter der Klinik für Herzchirurgie und thorakale Gefäßchirurgie, Professor Radawan Julian Rastan, verdeutlichte, welche Vorteile Patienten von diesem Gerät haben können: Herzklappen beispielsweise können mit diesem Gerät minimalinvasiv, also ohne großen Brustbeinschnitt, eingesetzt werden. Diese OP-Technik breitet sich in den vergangenen Jahren rasant aus, durch den neuen Roboter könne hier ein neuer Standard erreicht werden, der angesichts der Herausforderungen durch die alternde Gesellschaft dringend notwendig sei, sagte der Nachfolger von Professor Rainer Moosdorf, der seit 1. Oktober im Amt ist.

Schieffer lobt Vernetzung der Versorgungszentren

Von dieser neuen Medizintechnik könnten alle Patienten profitieren, sagte der Staatssekretär des Hessischen Ministers für Soziales und Integration, Dr. Wolfgang Dippel: die Patienten, weil das neue System sowohl in der Notfall- wie in der Regelversorgung einsetzbar sei. Die Röntgenstrahlendosis könne reduziert werden, und das Gerät ermöglicht immer minimalere Eingriffe. „Das kommt besonders älteren Patienten zugute“, so Dippel.

Das UKGM legt indes am meisten Wert auf die Kooperation unterschiedlicher Fachgebiete und die Vernetzung unterschiedlicher Akteure in der Region. So könnten für schwerstkranke Patienten deutlich bessere Überlebenschancen erreicht werden. Professor Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, berichtete, dass in der Region Marburg immerhin 23 Prozent der Patienten nach Plötzlichem Herztod überlebten - ein weltweiter Spitzenwert. Schieffer führt dies auf die enge Vernetzung der Versorgungszentren und die gute Zusammenarbeit aller Akteure einschließlich der Rettungsdienste­ zurück.

„Digitalisierung ersetzt den Arzt nicht“

Die nächste Aufgabe bestehe darin, Arbeitsabläufe und Behandlungen zu standardisieren und den medizinischen Workflow zu verbessern.

Aber es geht bei dem Roboter nicht nur um einen Fortschritt in der Minimalinvasiv-Medizin und um interdisziplinäre Kooperation: Für den Rhön-Vorstandsvorsitzenden Stefan Holzinger ist der Freitag auch ein Symbol für die fortschreitende Digitalisierung in der Medizin. „Digitalisierung ersetzt den Arzt nicht, sondern erleichtert seine Arbeit im Sinne des Patienten“, sagte Holzinger. Der digitale Abgleich von Patientendaten könne ausgebaut werden, Holzingers Perspektive ist die Diagnose-Unterstützung durch kognitive Systeme.

Und in der Pflege müsse nicht alles durch eine menschliche Pflegekraft erledigt werden: Die Überwachung von Patienten zur Sturzvermeidung etwa oder die Essensausgabe könnten auch von Robotern erledigt werden.

von Till Conrad

Hintergrund
Der Aufsichtsrat des UKGM hat Dr. Gunther K. Weiß (Foto: Weigel) einstimmig für weitere fünf Jahre zum Vorsitzenden der Geschäftsführung und zum Kaufmännischen Geschäftsführer des Standorts Marburg gewählt. Ab Januar 2012 war Weiß Bereichsleiter UKGM der Rhön-AG und ab Mai 2012 Verwaltungsleiter Zentrale Dienste am UKGM. Am 1. Dezember 2012 übernahm er die Geschäftsführung. Im Januar 2016 übernahm er den Vorsitz der UKGM-Geschäftsführung.
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