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Roboter "Da Vinci" zeigt, was er kann

Chirurgie Roboter "Da Vinci" zeigt, was er kann

Seit zwei Jahren wird in der Chirurgie des Marburger Uniklinikum Roboter-assistiert gearbeitet. Am Samstag bekommen Interessierte die Gelegenheit, ein Simulatortraining zu absolvieren.

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Dr. Lennart Skrobek (von links), Professor Axel Hegele, Dr. Fabian Brüning und Privatdozent Dr. Peter Olbert sind das Roboter-Team der Urologie am Marburger Uniklinikum.

Quelle: UKGM

Marburg. „Da Vinci“ heißt das Operationssystem, das in Marburg nun seit 2012 im Einsatz ist; benannt nach dem Universalgelehrten aus dem 15. Jahrhundert. Es erlaubt einen vergrößerten und vor allem dreidimensionalen Blick auf das Operationsfeld. Und es verfeinert die Handbewegungen des Chirurgen, der über eine Konsole mit mikroskopisch kleinen Instrumenten im Körper des Patienten operiert.

Bei der „Roboter-assistierten Chirurgie“ arbeitet also keine Maschine von selbst, sondern es sind nach wie vor die Ärzte, die die Operation durchführen - nur eben, wie der Name sagt, unterstützt von modernster Technik.

Ärzte müssen erst ins Trainingslager

„Der Roboter ist immer nur so gut wie der Chirurg“, betont Professor Jochen Werner, Ärztlicher Direktor des Marburger Uniklinikums und Chef der Hals-Nasen-Ohren-Klinik. Die HNO ist einer von vier klinischen Bereichen, in denen mit „Da Vinci“ gearbeitet wird. Auch bei den Gynäkologen, den Urologen und in der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie ist das System im Einsatz. Ärzte wie auch Pflegekräfte müssen zunächst ins „Trainingslager“. Erst wenn ein Chirurg am Simulator erfolgreich trainiert und Hospitationen absolviert hat, darf er Roboter-assistiert operieren, und auch das zunächst nur unter Aufsicht von erfahrenen Kollegen, erklärt Professor Detlef Bartsch, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.

Dem System selbst sind alle nur denkbaren Sicherungen eingebaut: Es laufen pro Sekunde 1000 Tests, die sich selbst rückkoppeln. Und ohne dass der Chirurg seine Hand bewegt, tue der Roboter gar nichts, erläutert Privatdozent Dr. Peter Olbert. In den USA hat längst jede größere Klinik solche Systeme. Und an dieser Entwicklung führe weltweit kein Weg vorbei, sagt Professor Rainer Hofmann, Direktor der Marburger Klinik für Urologie. Sein Fachgebiet ist das mit der längsten Erfahrung im Bereich der Roboter-assistierten Chirurgie. Sie sei die konsequente Weiterentwicklung der so genannten „Schlüsselloch-Chirurgie“, bei der mit kleinen Instrumenten wie durch Schlüssellöcher gearbeitet wird.

„Da Vinci“ ist nicht immer immer die beste Wahl

Die Vorteile für die Patienten sind, dass sie weniger Schmerzen haben, weniger bluten und etwas früher nach Hause können. In Marburg ist der Roboter inzwischen zum Beispiel bei der Entfernung der Prostata, bei Operationen an der Schilddrüse oder der Bauchspeicheldrüse und bei rekonstruktiven Eingriffen im Einsatz. Insbesondere übergewichtige Patienten können mit dieser Operationsmethode komplikationsarm versorgt werden, erklären Professor Uwe Wagner und Dr. Siegmund Köhler von der Klinik für Gynäkologie. Allerdings sei „Da Vinci“ nicht für jeden Patienten die beste Option.

Angeschafft wurde das System 2012 durch die Unterstützung der Dr.-Reinfried-Pohl- und der Anneliese-Pohl-Stiftung. Es sollte dem primären Zweck von Forschung und Lehre dienen, hat aber laut Werner inzwischen längst Einzug in die klinische Routine gehalten. Und die profitiert vom interdisziplinären Arbeiten, das in der Form an anderen Kliniken nicht umgesetzt werde, so die Marburger Ärzte. Außerdem werden am Uniklinikum auch zukünftige Experten ausgebildet. Erst vor wenigen Wochen haben in der HNO-Klinik drei Kurse mit Teilnehmern aus 15 Ländern stattgefunden.

Nur zwei andere Kliniken in Hessen verfügen über ähnliche Systeme. Beim Patienten-Infotag am Samstag bekommen Besucher die Gelegenheit, das System nicht nur „in Aktion“ zu erleben, sondern selbst ein Simulatortraining zu absolvieren. Videodemonstrationen zeigen die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Roboter-assistierten Chirurgie und natürlich sind Operateure aus den vier beteiligten Kliniken vor Ort, um ihre Abteilungen vorzustellen und Fragen zu beantworten. Von 10 bis 15 Uhr sind alle Interessierten Congresszentrum, Anneliese-Pohl-Allee 3, eingeladen.

von Nadja Schwarzwäller

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