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Ringen um mehr Kreisverkehre

Verkehr Ringen um mehr Kreisverkehre

Kreisverkehre sind gut für den Verkehrsfluss und könnten auch an einigen Stellen in Marburg sinnvoll sein. Das meint jedenfalls das Kinder- und Jugendparlament, doch stößt dabei auf Bedenken.

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Geht es nach dem Willen des Schülerparlaments, sollen künftig mehr Kreisverkehre errichtet werden.

Quelle: Björn Whisker

Marburg. Neben dem besser fließenden Verkehr sei es außerdem die dadurch resultierende geringere Abgasbelastung, die die Errichtung von Kreiseln sinnvoll mache, so der Antrag, der inzwischen auch in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert wurde. Das vom Magistrat vorgetragene Argument, es müsse Fußgängerüberwege für Blinde geben, lässt der Antragsteller dabei nicht gelten. An insgesamt acht Stellen werden der Stadt Kreisverkehre vorgeschlagen, an sechs davon seien kaum blinde Menschen unterwegs. Lediglich am Wilhelmsplatz und am Erlenring / Bei St. Jost sei dies häufiger der Fall.

Wie schwer wiegt also der Nachteil, der für Sehbehinderte und Blinde entsteht gegenüber den Vorteilen für alle Verkehrsteilnehmer? Aus Sicht von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) gibt es eine klare Antwort: „Punktuell haben wir ja schon Kreisverkehre eingerichtet, wie etwa im Kaufpark Wehrda oder an der Kreuzung von Marburger Straße und Cappeler Straße.“ Grundsätzlich gelte aber: „Wir wollen, dass sich die Blinden hier überall frei bewegen können“. Dies sei in einer blindenfreundlichen Stadt wie Marburg selbstverständlich.

Mögliche Standpunkte in Marburg

An den Kreuzungen Bauerbach-Schröck / Marburg-Kirchhain, Zeppelinstraße / Cappeler Straße, Südspange / Am Krekel, Frauenbergstraße / Friedrich-Ebert-Straße/ Cappeler Straße, Am Köppel / Beltershäuser Straße sowie Südspange / Gisselberger Straße bittet das Kinder- und Jugendparlament ebenfalls um die Prüfung zur Errichtung der Kreisverkehre.

Ob dort viele Blinde unterwegs sind, vermag man bei der Blista nicht genau einzuschätzen. Doch Thorsten Büchner, Vorsitzender des Fördervereins der Carl-Strehl-Schule, glaubt, dass die Einführung von Kreisverkehren dort „nicht auf Begeisterungsstürme stoßen“ würde. Der sehbehinderte SPD-Stadtverordnete gibt zu, dass „es natürlich auch sinnvoll“ klänge, doch als Blinder orientiere man sich vor allem über das Gehör. Im Kreisverkehr sei das Abschätzen von Geräuschen jedoch ungleich schwieriger. Dennoch „wollen wir uns natürlich überall bewegen können“. Da wo Menschen unterwegs seien, seien auch Blinde unterwegs.

Büchner führt zudem an, dass es auch zum Beispiel für ältere Menschen schwerer werden könnte die Straßen zu überqueren. Und auch Vaupel nennt weitere Contra-Argumente.

So stelle sich auch die Frage, wie Busse an den entsprechenden Stellen manövrieren können. Außerdem gebe es „wichtigere Dinge in der Stadt“. Je nach Größe eines Kreisels koste die Errichtung meist mehrere hunderttausend Euro. Geld, das an anderer Stelle benötigt werde.

Dennoch beschloss die Stadtverordnetenversammlung zunächst einmal die Überprüfung der vom Kinder- und Jugendparlament vorgeschlagenen Stellen durch den Magistrat. Vaupel kann sich dabei auch eine kombinierte Lösung vorstellen, bei der die Kreisverkehre mit Fußgängerüberwegen an den Seiten versehen werden könnten. Jedoch sei es solches Konzept „von der Verkehrsabstimmung her sehr kompliziert“ und somit schwer umzusetzen.

von Peter Gassner
und Björn Wisker

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