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Riesen-Bus rollt durch die Stadt

Neuanschaffung im ÖPNV Riesen-Bus rollt durch die Stadt

Die Stadtwerke planen eine Erweiterung ihrer Bus-Flotte. Testweise rollt ein 23 Meter langer Bus-Zug durch die Stadt. Bewährt sich das Modell, müsste das Verkehrs-Unternehmen bis zu 500 000 Euro investieren.

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Der Bus-Zug, der momentan getestet wird, im Kreisverkehr nahe dem Universitätsklinikum.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das derzeit getestete Zugfahrzeug samt Anhänger fasst mehr als 150 Fahrgäste - rund 50 mehr als Gelenkbusse, die auf Routen in Marburg unterwegs sind. Ziel der Stadtwerke ist es, zu Spitzenzeiten mehr Fahrgäste transportieren zu können. „Wir sind mit massiven Problemen konfrontiert, sobald das Semester beginnt“, sagt Wolfgang Otto, Geschäftsführer der Marburger Verkehrsgesellschaft. Vor allem von Dienstag bis Donnerstag, wenn viele Vorlesungen beginnen, „sind die Busse immer überfüllt, von Fahrradmitnahme gar nicht zu sprechen“. Zwar seien während des morgendlichen Schul- und Studentenverkehrs zwischen 7 und 8.30 Uhr alle 80 Busse der Flotte im Einsatz. Jedoch sei die Nachfrage noch höher.

 

Busfahrer benötigen Führerschein der Klasse D oder E

„Der verdichtete Verkehr, die Topografie erschwert den Nahverkehr in der Stadt“, sagt Norbert Schüren, Geschäftsführer der Stadtwerke. Daher sei es nötig, kreative Lösungen für die Kapazitäts-Probleme zu entwickeln. Bus-Züge, wie sie bis in die 1970er-Jahre bereits existierten, seien eine „innovative und anderswo schon erfolgreich erprobte Technik“, sagt Franz Kahle, Aufsichtsrat der Stadtwerke. Der Clou: Wenn der Stoßverkehr vorüber ist, lässt sich der Anhänger abkoppeln.

Ein Hindernis: Busfahrer benötigen für dieses Modell einen Führerschein der Klassen D oder E. Von den 130 Marburger Fahrern besitzen diesen Otto zufolge rund 100. Nach einer zweitägigen Sonderschulung in dem Fahrzeug dürfe also der Großteil der Angestellten den Bus-Zug fahren. Tückisch ist vor allem der Wendeplatz an der Unibliothek. Während Gelenkbusse die Kurve nicht fahren können, gelingt das mit dem neuen Fahrzeug: Am Scheitelpunkt der Kurve klappt der Anhänger fast 90 Grad ab und bewältigt das Hindernis auf der Spur der Zugmaschine problemlos, wie die Testfahrt gestern bewies. Dasselbe gilt für Steigungen: Sowohl die Zahlbach als auch die Panoramastraße bewältigt das 370 PS starke Fahrzeug mühelos.

Kaufentscheidung soll im Sommer fallen

Zum Einsatz kommen könnte der Bus-Zug nach Auswertung der ersten Testergebnisse auf allen Routen - außer den Linien 5, 10, 20 sowie der Schlosslinie.

Durch den Einsatz eines Riesen-Buses ließe sich Otto zufolge ein Fahrzeug sparen. „Wir müssten etwa zur Steinmühle nicht mehr mit einem Gelenkbus und einem normalen Bus fahren.“ Laut Herstellerangaben soll die Zugmaschine bei intensiver Nutzung zwölf, der Anhänger 20 Jahre intakt bleiben.

Kostenpunkt: Das Testmodell, ein gebrauchtes, soll bei 380 000 Euro liegen - bei Neukauf wäre eine halbe Million Euro fällig. Ein normaler Gelenkbus ist Otto zufolge etwa 40 000 Euro günstiger - habe jedoch weder ähnlich große Kapazitäten, noch die Wendigkeit des Bus-Zugs. Die Stadtwerke prüfen aber noch eine Veränderung der Koppelung, damit Blinde beim Einsteigen nicht zwischen Zugmaschine und Anhänger geraten.

Eine Kaufentscheidung soll im Sommers fallen. 14 Millionen Euro kostet der ÖPNV-Betrieb pro Jahr, drei bis vier Millionen Euro groß ist die Finanzierungslücke, die jährlich klafft.

Zahlen zum ÖPNV
  • 3,4 Millionen Kilometer spulen die 80 Busse der Stadtwerke pro Jahr ab.
  • 14 Millionen Fahrgäste wurden 2013 in Marburg befördert.

von Björn Wisker

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