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Riedel kämpft um eine faire Chance

Weinbach-Nachfolge Riedel kämpft um eine faire Chance

Thomas Riedel (52) aus Michelbach will Stadtrat von Marburg und Nachfolger von Dr. Kerstin Weinbach werden.

Marburg. Riedel bestätigte am Freitag gegenüber der OP, dass er auf die öffentliche Ausschreibung der Stelle hin seine Bewerbung eingereicht habe. Er wollte als parteiloser Kandidat dafür sorgen, dass dem Bürgerwillen in Marburg mehr Geltung verschafft werde. „Ich möchte ein unabhängiger, parteiloser Kandidat für alle sein, die mehr Bürgerbeteiligung und frischen Wind in der Stadtpolitik unterstützen“, sagte Riedel.

Riedel ist Vorsitzender der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen, die gegen die Errichtung vierer Windräder in der Gemarkung von Michelbach kämpft. Das Wort „Windkraftgegner“ treffe aber nicht seine Haltung, sagt er. Er wende sich vielmehr gegen politische Entscheidungen, die ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort getroffen werden.

„Durch mein Engagement bei der Bürgerinitiative ist mir klargeworden, dass in der Lokalpolitik vieles falsch läuft“, sagte Riedel der OP. Entscheidungen politischer Gremien und „ideologischer Machterhalt“ stünden dem Bürgerwillen in Marburg oftmals entgegen. Mit seiner Kandidatur wolle er dies ändern. Die Politik müsse zwar die Richtung vorgeben, in der es ­gehen soll, dürfe aber Entscheidungen nicht mit der Brechstange fällen.

Die Stadtverordneten wählen zwar Stadtrat und Bürgermeister, haben aber keinen Einfluss auf die Dezernatsverteilung im hauptamtlichen Magistrat unter Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Riedel wollte sich entsprechend nicht zu seinen konkreten Zielen etwa in der hoch umstrittenen Jugendpolitik äußern, die laut Vereinbarung der künftigen Koalitionäre SPD, CDU und BfM im bisherigen Dezernat der ausscheidenden Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach angesiedelt sein soll. „Die Geschäftsverteilung muss nach der Wahl geregelt werden.“

Bisher war lediglich die Kandidatur der SPD-Stadtverordneten und -Stadtverbandsvorsitzenden Kirsten Dinnebier für das Amt der Stadträtin bekannt. Sie war vom SPD-Parteitag für dieses Amt nominiert worden - und zwar wenige Tage vor Ende der Ausschreibungsfrist. Riedel kritisiert dies: „Dass es die Parteien noch nicht einmal interessiert, wer sich außer ihren eigenen Leuten auf ein öffentliches Amt bewirbt, wirft ein schlechtes Licht auf deren Demokratieverständnis“, sagt der Kaufmann.

Riedel machte nach der Mittleren Reife zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, heuerte dann im Öffentlichen Dienst an und legte seine Prüfung als Regierungsassistent ab. Danach entschloss er sich aber zu einem Studium, machte das Abitur nach und studierte anschließend Wirtschaftsinformatik. Berufsbegleitend setzte er seinen MBA-Abschluss im General Management oben drauf. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Riedel in der Pharmaindustrie, zuletzt bei GSK am Standort Marburg, als Manager.

Ob die Stadtverordneten am 30. Juni aber tatsächlich die Chance haben, den Stadtrat oder die Stadträtin aus mehreren Kandidatinnen und Kandidaten zu wählen, ist offen.

Der 13-köpfige Wahlvorbereitungsausschuss der Stadt Marburg entscheidet nämlich laut Hessischer Gemeindeordnung darüber, welche und wie viele­ Bewerber er der Stadtverordnetenversammlung zur Wahl vorschlägt.

Der Vorsitzende des Gremiums, der CDU-Stadtverordnete Winfried Kissel, sagte der OP, die Entscheidung des Wahlvorbereitungsausschusses sei wie vorgeschrieben in nicht öffentlicher Sitzung gefallen.

Sie wird erst während der Stadtverordnetenversammlung bekannt gegeben. „Danach steht es den Fraktionen frei, eigene Vorschläge zu machen“, sagte Kissel. Er wollte keine Angaben darüber machen, wie viele Bewerbungen eingegangen seien.

Riedel kritisiert das Verfahren: „Es nimmt mir die Chance, mich im Vorfeld der Wahl bei den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung bekannt zu machen“, sagte er der OP. Er wünsche sich einen „fairen Wettbewerb“ und die Chance, sich und seine Vorstellungen den Parlamentariern präsentieren zu können.

von Till Conrad

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