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„Richtiger Schritt“ für einen fairen Wettbewerb

Fairer Fußball „Richtiger Schritt“ für einen fairen Wettbewerb

„Der europäische Club-Fußball steuert in eine ­finanzielle Katastrophe“, glaubt Professor Dirk Wenzel. Der Ökonom sprach bei einem Vortrag im Rathaus über das ­„Financial Fairplay“ 
der Uefa.

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Lionel Messi (rechts), hier gegen Manchester City, gilt mit einem geschätzten Marktwert von 120 Millionen Euro neben Christiano Ronaldo als wertvollster Spieler der Welt.

Quelle: Peter Powell

Marburg. Der Profifußball ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Allein in der deutschen Bundesliga arbeiten rund 40 000 Mitarbeiter. 12,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften die Profivereine in ganz Europa laut einem Report des Kontinentalverbandes Uefa. Dennoch machen sie dabei aber auch ein Defizit von 1,6 Milliarden Euro.

Viele Vereine überschulden sich, um im immer härteren Wettbewerb bestehen zu können, der unter anderem durch Konzern-Vereine (zum Beispiel VfL Wolfsburg oder Rasenballsport Leipzig) und durch „Sugardaddys“ gesponsorte Clubs (TSG Hoffenheim oder Manchester City), verschärft wird. Zudem erschließen sich die großen Vereine wie Real Madrid, FC Barcelona oder auch der FC Bayern München immer höhere Einnahmequellen durch Fernsehgelder, Champions League-Prämien und internationale Vermarktung. Die „Competitive Balance“, also die Ausgeglichenheit der nationalen Ligen sowie auch der Europa­pokal-Wettbewerbe, nehme durch diese Entwicklung immer weiter ab, skizzierte Professor Dirk Wenzel (kleines Foto). Der Wirtschaftswissenschaftler der Hochschule Pforzheim sprach zu diesem Thema im Marburger Rathaus.

„Kreative Buchführung“, um System auszuhebeln

„Der sportliche Wettbewerb wird zunehmend langweiliger“, sagte Wenzel, der als Beispiele unter anderem die Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga, den einsamen Zweikampf von FC Barcelona und Real Madrid in Spanien (mit Ausnahme der vergangenen Saison) und die Vormacht der englischen, spanischen und deutschen Vereine in der Champions League anführte. „Ein Europapokalsieg wie früher einmal durch Steaua Bukarest oder Ajax Amsterdam wäre heute undenkbar“, so Wenzel. Dabei lebe der Sport gerade „von der Unsicherheit über den Ausgang“, analysierte er. „Selbst der beste Film wird beim dritten oder vierten Mal langweilig, wenn man weiß wie er ausgeht“. Mit der Regelung des sogenannten „Financial Fairplays“ versuche die Uefa nun die Competitive Balance und die finanzielle Sicherheit zu erhöhen. Denn „die Notwendigkeit für einen neuen verbesserten Ordnungsrahmen ist offensichtlich“. Das ruinöse „Rattenrennen“ müsse durchbrochen werden.

Zu diesem Zweck schreibt das Financial Fairplay die „Break-Even-Regel“ vor, nach der die Ausgaben an die Einnahmen angepasst werden müssen. Für Wenzel „absolut ein Schritt in die richtige Richtung“, gebe es doch einige Vereine und ganze Ligen, die „vor dem Kollaps“ stünden. Es stelle „zumindest eine gewisse Transparenz“ her. Das Problem dabei: Durch „kreative Buchführung“ könne die Regelung relativ leicht umgangen werden.
So lassen sich die jeweils von arabischen Geldgebern finanzierten Vereine Manchester City und Paris St. Germain astronomische Summen als angeblichen Gegenwert für das Trikotsponsoring bezahlen. Darüber hinaus seien Clubs wie Real Madrid oder der FC Barcelona „too big to fail“, da sie die Champions League um einiges attraktiver machten. Doch gerade die besten Mannschaften, seien „oft die größten Sünder“.

Wenzels Ansatz für einen fairen und spannenden Wettbewerb geht daher über das Financial Fairplay hinaus. Ausgerechnet im „Land des Kapitalismus“ – den USA – gebe es ein geradezu „kommunistisches“ Sportssystem. Durch Salary Cap (Gehaltsobergrenze), Talente-Draft und Einnahmenteilung sei der Wettbewerb dort wesentlich interessanter. Die National Football League (NFL) sei die „ökonomisch erfolgreichste Liga der Welt“. Doch während in der Bundesliga der deutsche Meister bereits jetzt vorhersehbar sei, „kämpfen im Moment noch 12 bis 15 Teams um den Super Bowl.

von Peter Gassner

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