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Richterin: „Gehen Sie das Problem an“

Aus dem Amtsgericht Richterin: „Gehen Sie das Problem an“

Aus Eifersucht und weil er die Trennung nicht hinnehmen wollte, rastete der Ex-Freund einer Marburgerin aus, stieg ungebeten in ihre Wohnung ein und griff die junge Frau an.

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Nach der Trennung belästigte der Angeklagte seine Ex-Freundin mit beleidigenden SMS.

Quelle: Angelika Warmuth (Themenfoto)

Marburg. Wegen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Beleidigung und einer Würgeattacke gegen seine Freundin hatte sich der eifersüchtige Ex vor Gericht zu verantworten. Er erhielt eine Geldstrafe.

Im September 2014 führte der Angeklagte aus dem Raum Eschwege noch eine Fernbeziehung mit einer jungen Frau aus Marburg. Bei einem Besuch in ihrer Wohnung griff der betrunkene Freund seine Partnerin an, warf sie auf ein Sofa und würgte sie mit beiden Händen. Einige Monate später trennte sich die Frau von ihm.

Das wollte er offenbar nicht akzeptieren, stieg eines Abends durch ein Fenster in ihre Wohnung ein und überraschte die Bewohnerin. Da er sich trotz Aufforderung weigerte, wieder zu gehen, verließ die Geschädigte sicherheitshalber das Haus.

Damit war die Sache jedoch immer noch nicht erledigt. Über Wochen hinweg schrieb der Beschuldigte ihr Nachrichten über das Handy, beleidigte die Ex-Freundin mit wüsten Beschimpfungen, nannte sie unter anderem „widerliche Hure“ und „billige Bitch“.

Alles in allem hatte sich der Mann vor dem Marburger Strafgericht wegen zehn Straftaten zu verantworten. Diese gab der 43-Jährige fast gänzlich zu, „das stimmt so, dazu stehe ich und es tut mit leid“, kommentierte er die Vorwürfe.

An den Übergriff auf dem Sofa könne er sich allerdings nicht mehr erinnern, „ich war sehr betrunken und hatte einen Filmriss“.

Angeklagter nennt als Motiv grundlose Eifersucht

Warum er später Hausfriedensbruch beging, die Ex wüst beschimpfte, erklärte er mit grundloser Eifersucht. An diesem Abend sei er nach Marburg gefahren, um mit ihr zu reden, den Stand der Beziehung zu klären. Sie habe ihm erlaubt bei ihr zu übernachten, verließ die Wohnung und kehrte nicht mehr zurück, so seine Version der Geschichte. Das sah die junge Frau anders. Sie wollte ihn hinauswerfen, ohne Erfolg. Daher ging sie zu einer Bekannten, die ihr riet, über Nacht zu bleiben, berichtete die Geschädigte. Am folgenden Tag war der Ex verschwunden und die Beziehung für sie damit erledigt. Doch später schrieb er immer wieder Nachrichten, „es kamen jeden Tag zehn SMS“, berichtete die Zeugin.

Mittlerweile herrsche Ruhe auf ihrem Handy, das ehemalige Paar hat keinen Kontakt mehr zueinander. „Ich wollte damals nicht sofort loslassen - ich habe meine Zeit gebraucht. Es tut mir leid, dass ich so dumm war“, gestand der Angeklagte ein.

An die zuvor begangene Körperverletzung ihr gegenüber konnte sich seine Ex kaum noch erinnern, „ich habe das alles verdrängt“. Schon damals lief die Beziehung zunehmend schlechter, regelmäßig gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Paar.

Vermindert schuldfähig wegen Alkoholkonsums

Auch gewalttätige Übergriffe kamen hinzu, bereits einen Monat vor der aktuellen Tat würgte der Angeklagte seine Partnerin, „bis mir schwindelig wurde“. Deswegen stand er bereits vor Gericht, wurde zuletzt vor rund einem Jahr wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung verurteilt.

Dass sich die Frau trotzdem nicht von ihm trennte, spielt dabei keine Rolle - „es ist Körperverletzung und es war nicht die erste“, stellte Amtsanwältin ­Tina Grün fest.

Da der Mann größere Mengen Alkohol konsumiert hatte, sah sie eine verminderte Schuldfähigkeit als gegeben an und sprach sich für eine Geldstrafe aus.

Ähnlich sah Strafrichterin Barbara Steinmann den Fall. Sie verurteilte den Mann wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Beleidigung in acht Fällen zu einer Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Da es nicht die erste Tat des Mannes war, die er offenbar aus Eifersucht und nach einem ähnlichen Schema begangen hatte, gab die Richterin ihm einen Rat mit auf den Weg: „Sie sitzen schon wieder hier wegen einer Beziehungstat - gehen sie das Problem an“, riet Steinmann dem Mann ausdrücklich, sich Hilfe zu suchen.

von Ina Tannert

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