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Richter: Zeugenaussagen „sind zum Teil sehr ähnlich“

Aus dem Landgericht: Missbrauchsprozess Richter: Zeugenaussagen „sind zum Teil sehr ähnlich“

Neue Erkenntnisse über einen Hauptzeugen im aktuellen Missbrauchsprozess veranlassen die 
Jugendkammer zur Prüfung der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers durch ein aussagepsychologisches Gutachten.

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Vor dem Landgericht muss sich ein 29-Jähriger verantworten, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Prozess gegen einen 29 Jahre alten Beschuldigten, dem sexueller Missbrauch von Jugendlichen und einem Kind in vier Fällen in den Jahren 2007 bis 2012 vorgeworfen wird, gerät ins Stocken – Grund sind gewisse Auffälligkeiten an der Aussage eines der vermeintlichen Sexualopfer.

Der betroffene Zeuge, heute 24 Jahre alt, wurde am ersten Verhandlungstag vernommen. Dieser wirft dem Angeklagten vor, ihn damals mit 16 Jahren in seiner Marburger Wohnung mehrfach bedrängt und zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Nach einem anfänglich „guten brüderlichen Verhältnis“ änderte sich die Beziehung vollständig, der Angeklagte sei zunehmend zudringlich geworden. Im Verlauf des Verfahrens erhob der Zeuge überraschende Vorwürfe wegen einer ähnlichen Tat gegen seinen tatsächlichen Bruder. Dieser soll ihn vor rund zehn Jahren vergewaltigt haben.

Gericht fordert Gutachten an

Während der richterlichen Vernehmung verweigerte der junge Mann Angaben zu der Tat. Laut polizeilicher Aussage von 2007 fand der gewaltsame Übergriff des damals 15-jährigen Bruders in der Wohnung der Familie statt.

Angeblich erzählte der Zeuge dem Angeklagten zwei Jahre später von den Vorwürfen, der ihn zu einer Anzeige ermutigt haben soll. Beide Taten weisen indes Parallelen auf, „die Aussagen sind zum Teil sehr ähnlich“, im Vergleich zu dem aktuellen Prozess „auffällig identisch“, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf.

Das Gericht vermutet daher bei dem Zeugen eine Art „Parallelübertragung“ der Erlebnisse, die von Experten untersucht werden soll. Zu diesem Zweck fordert die Kammer ein aussagepsychologisches Gutachten an.

Darüber hinaus hatte der junge Mann von mehreren Erinnerungslücken gesprochen, hervorgerufen durch seinen hohen Marihuanakonsum, die ebenfalls überprüft werden müssen. Daher werden die ersten beiden Fälle der Anklage vom Rest des Prozesses abgespalten. Die beiden übrigen Fälle sollen am Dienstag, 24. November, im Mittelpunkt stehen.

von Ina Tannert

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