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Richter: Haftstrafe eine Chance für den Angeklagten

Berufungsverhandlung Richter: Haftstrafe eine Chance für den Angeklagten

Das Amtsgericht hatte den Marburger wegen gewerbsmäßigen Betrugs zur Haft verurteilt. Auch mit der Berufung vor dem Landgericht hatte der 23-Jährige keinen Erfolg. Seine Spielsucht nahm ihm der Richter nicht ab.

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Vor dem Landgericht Marburg war ein 23-Jähriger in Berufung gegangen, um die von der ersten Instanz, dem Amtsgericht Marburg, verhängte Haftstrafe abzuwenden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Notwendiges Kriterium für die Aussetzung einer Freiheitsstrafe auf Bewährung ist eine positive Sozialprognose für den Verurteilten. Fürs Gericht muss erkennbar sein, dass der Schuldige auch ohne die Vollstreckung der Freiheitsstrafe in Zukunft keine weiteren Straftaten mehr begehen wird.

Zu diesem Schluss kam Richter Frank Oehm am Montag bei einem Berufungsprozess am Marburger Landgericht nicht und verhängte eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten gegen einen 23-jährigen Marburger.
In erster Instanz hatte das Amtsgericht Marburg den 23-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Betrugs in fünf Fällen für schuldig befunden.

Über die Internetseite „ebay“ hatte der Angeklagte Eintrittskarten für einen Vergnügungspark angeboten, das Geld aus dem Verkauf eingestrichen, den Käufern die Tickets jedoch nicht zukommen lassen. Da der Marburger nach eigener Aussage „spielsüchtig“ sei, hatte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Strecker, den Berufungsprozess angeregt, um eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten zu erwirken.

Sowohl Richter Oehm als auch Staatsanwalt Christian Hartwig zogen aus den detaillierten Ausführungen des Angeklagten hinsichtlich der „Spielsucht“ den Schluss, dass der 23-Jährige nicht spielsüchtig sei, sondern lediglich einen „Hang zum Glücksspiel“ habe.

So machte Oehm klar, dass kein Weg an der Gefängnisstrafe vorbei führe. Zu häufig sei der Angeklagte bereits straffällig geworden – darunter Verurteilungen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Betrug und Diebstahl.

„Offensichtlich haben die bisherigen Verurteilungen Sie nicht beeindruckt. Nun ist das Maß voll“, richtete sich der Vorsitzende des Gerichts an den Angeklagten.

Einen Beruf hat der Angeklagte nicht erlernt. Der 23-Jährige erzählte von mehreren Berufsausbildungen, die er zwar angefangen, jedoch nicht beendet hatte.

Richter Oehm sah den Vollzug als Chance für den Angeklagten und gab ihm mit auf den Weg: „Für junge Menschen gibt es im Knast weiterbildende Maßnahmen. Nutzen Sie diese, können Sie ein neues Leben beginnen, wenn Sie wieder ein freier Mann sind.“

von Benjamin Kaiser

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