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Richter: „Das war ein teurer Schuhkauf“

Diebin wird rabiat Richter: „Das war ein teurer Schuhkauf“

Es ist sicher nicht allzu despektierlich anzumerken, dass es vor allem unter Frauen beim Schuhkauf hoch hergehen kann. Was sich allerdings im April in einem Marburger Schuhladen zutrug, ging entschieden zu weit.

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Eine Marburgerin wollte aus einem Schuhgeschäft mehrere Paar Schuhe stehlen und setzte sich mit Fingernägeln und Zähnen zur Wehr, als sie erwischt wurde – lautete die Anklage vor dem Marburger Amtsgericht.

Quelle: dpa

Marburg. Eine 43 Jahre alte Marburgerin musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil sie im April Schuhe aus einem Marburger Schuhgeschäft entwendet haben soll. Als dabei das Sicherheitssignal losging und sie von einer Angestellten aufgehalten werden sollte, setzte sie sich unter Einsatz von Fingernägeln und Zähnen zur Wehr, lautete die Anklage.

Den Vorsitz der Verhandlung hatte Amtsgerichtsdirektor Cai Adrian Boesken. Auf einen Anwalt hatte die Beklagte verzichtet, wurde aber von ihrem Ehemann unterstützt, der als Übersetzer aus dem Türkischen aushalf.

Nach eigener Aussage hatte die Frau lediglich ein Paar Schuhe umtauschen wollen und dabei den Kassenbon vergessen, weswegen sie den Umtausch einfach auf eigene Faust durchführte. „Ich weiß auch nicht mehr, was ich mir dabei gedacht habe, natürlich war da noch der Sicherheitsclip dran. Als dann die Verkäuferin meinte, sie würde jetzt die Polizei rufen und nach meiner Tasche mit meinen Sachen griff, da habe ich Panik bekommen und mich gewehrt.“

Die Darstellung der verletzten Zeugin wich allerdings in einigen Punkten deutlich ab. „Also zunächst einmal hatte sie die umgetauschten Schuhe an und dazu noch zwei Paar weitere neue Schuhe zusätzlich in der Tasche, wo sie eindeutig vorsätzlich die Zettel entfernt hatte. Wir haben zu dritt versucht, sie zu beruhigen und von der Flucht mit der Ware abzuhalten, schließlich mussten wir sogar den Laden von innen verriegeln, weil sie so aggressiv wurde und mich sogar gebissen hat. Sie hat auch so getan, als würde sie uns nicht richtig verstehen, und behauptet, ihr Mann würde ihr etwas antun, wenn wir sie nicht gehen lassen. Geklaut wird im Laden leider ja so einmal im Monat, aber in meinem ganzen Leben hat mich noch nie jemand so angegriffen.“

Sowohl der Beschuldigten als auch ihrem Ehemann war der Vorfall sichtlich peinlich, immer wieder beteuerte die Frau, dass es ihr sehr leid tue.

„Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass ihr Ehemann da zur Gewalt greifen würde, so viel Menschenkenntnis bekommt man dann doch in dem Beruf, das wird eher eine Ausflucht gewesen sein“, sagte Amtsgerichtsdirektor Boesken.

Boesken: „Sie sind sicher eine gute Schauspielerin“

Als die Fotos der Handverletzungen von der Zeugin und der Beschuldigten am Richterpult noch einmal näher in Augenschein genommen wurden, diskutierten die Frauen tatsächlich nicht nur erkennbar hitziger, auch die bisherigen Sprachbarrieren der Angeklagten schienen kaum noch vorhanden zu sein.

Für Richter Boesken war klar: „Sie sind sicher eine gute Schauspielerin, aber ich denke, es ist schon so, dass Sie die Schuhe vorsätzlich entwenden wollten. Allerdings will ich Ihnen natürlich zugutehalten, dass Sie nicht vorbestraft sind und Reue zeigen.“

Bei der letztendlichen Beurteilung waren sich der Richter und der Staatsanwalt weitestgehend einig: 1 800 Euro muss die Diebin, verteilt auf 60 Tagessätze, zahlen.

„Das war ein teurer Schuhkauf“, meinte Boesken abschließend.

von Marcus Hergenhan

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