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Rhön AG will heute Geheimnis lüften

Partikeltherapiezentrum Rhön AG will heute Geheimnis lüften

Gestern tagte der Aufsichtsrat, heute tritt der Vorstand des Rhön-Konzerns vor die Presse, um die Bilanz 2013 vorzustellen. Für Marburg bedeutet dies: Es soll Klarheit geben, wie die Partikeltherapieanlage betrieben werden kann.

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2012 wurde das Partikeltherapiezentrum feierlich eröffnet. Bisher wurde dort aber kein einziger Patient behandelt. Das Land hat der Rhön AG eine Frist gesetzt – die läuft diese Woche ab.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es sind nicht die Geschäftszahlen des börsennotierten Unternehmens, die in Marburg mit Spannung erwartet werden. Es sind die Aussagen von Vorstandschef Dr. Martin Siebert zur Zukunft der Marburger Partikeltherapieanlage. Nicht nur die Politik in Marburg, Klinikbeschäftigte und Patienten warten auf eine Antwort: Auch das Land Hessen fordert die Inbetriebnahme der Anlage und droht sonst mit Rückforderungen von mindestens 100 Millionen Euro.

Siemens bestätigt Einigung nicht

Die Rhön Klinikum AG werde am Mittwoch in Frankfurt „sehr klar und unmissverständlich“ ihre Position zur Zukunft der Partikeltherapieanlage auf den Lahnbergen darstellen, sagte gestern Rhön-Sprecher Achim Struchholz auf Anfrage der OP. Details könne er vorab nicht nennen. Gestern befasste sich auch der Aufsichtsrat des Unternehmens mit der Bilanz und dem Themenpaket Partikeltherapie. Die OP hatte am Montag berichtet, dass eine Lösung offenbar in Sicht ist: Die Rhön Klinikum AG sowie die Uni-Klinik Heidelberg sollen demnach eine Betriebsgesellschaft gründen. Diese kauft die hochmoderne Anlage zur Behandlung von Krebspatienten von der Siemens AG und betreibt sie unter der Regie der Heidelberger Experten. Ein Siemens-Sprecher erklärte am Dienstag aber auf Anfrage: „Ich kann keine Einigung bestätigen.“ Wie bisher zeigte sich Siemens zugeknöpft.

Der Rhön-Vorstand hatte nach OP-Informationen mit Siemens die Zahlung von 27 Millionen Euro plus 23 Millionen Euro vereinbart, um den Auflösungsvertrag von 2011 rückgängig zu machen. Siemens hatte vor drei Jahren den Ausstieg aus dem Projekt beschlossen und die Anlage für 86 Millionen Euro von Rhön zurückgekauft. Bleiben also 36 Millionen Euro, die Rhön unterm Strich behalten würde. Rhön wollte zu diesen Informationen keine Angaben machen.

Dienstagabend veröffentlichte das Wissenschaftsministerium einen Briefwechsel zwischen Ministerpräsident Volker Bouffier und Siebert. Am 25. April unterrichtete Siebert das Land über den aktuellen Stand der „Vorbereitungen zur Inbetriebnahme“.

Siebert teilte Folgendes mit:

  • Der Vorstand der Rhön-Klinikum AG und der Vorstand des Uni-Klinikums Heidelberg vereinbarten die Gründung einer „Marburger Ionenstrahl-Therapie Betriebsgesellschaft mbH“.
  • Das Uni-Klinikum Heidelberg wird die organisatorische, medizinische und technische Verantwortung für den Betrieb der MIT-GmbH und damit auch für die Behandlung der Patienten übernehmen.
  • Die ersten Patientenbehandlungen könnten 2015 beginnen.
  • Vertragliche Formulierungen stehen noch aus.
  • Sobald vertraglich alles in trockenen Tüchern ist, rechnet Rhön mit „aufwändigen, mehrmonatigen Schulungsmaßnahmen des Personals“. Die Schulungen wären vor Ort in Marburg, aber auch in Heidelberg erforderlich. In Heidelberg gibt es bereits eine ähnliche Anlage, die das Klinikum betreibt.
  • Weiterhin sind im Vorfeld technische Tests nötig.

Rhein erklärte gestern, dass nach diesem Schriftwechsel der Weg für die Behandlung schwerkranker Patienten mithilfe der High-Tech-Anlage frei wäre. „Gleichzeitig würden Forschung und Lehre insbesondere der Philipps-Universität von der Partikeltherapieanlage profitieren“, so Rhein.

Nur unter der Voraussetzung, dass die Rhön AG am Mittwoch ein klares Bekenntnis zur Inbetriebnahme ablegt, werde das Land am Freitag darauf verzichten, die Klageschrift einzureichen. Die Marburger Geschäftsführung des Universitäts-Klinikums äußert sich bislang nicht zum Ringen um das Partikeltherapiezentrum. Auch sie verweist auf die Mitteilung des Konzerns aus Bad Neustadt, die heute in Frankfurt erwartet wird.

Vorläufige Bilanz
Die vorläufige Bilanz teilte der Konzern bereits vergangene Woche mit. So viel steht daher schon fest: Der Verkauf eines Großteils seiner Kliniken an den Medizinriesen Fresenius kommt dem Konzern aus Bad Neustadt an der Saale teuer zu stehen. Sonderbelastungen durch die Milliardentransaktion und Kosten für den Konzernumbau haben den Gewinn gedrückt. Unter dem Strich ging der Konzerngewinn der Rhön AG im Geschäftsjahr 2013 um fast 3 Prozent auf 90 Millionen Euro zurück. Nach Angaben des Unternehmens sank das operative Ergebnis (Ebitda) um knapp 6 Prozent auf 275 Millionen Euro. Gestiegene Patientenzahlen sorgten beim Umsatz dagegen für einen Anstieg um rund 5 Prozent auf 3,01 Milliarden Euro.
Rhön betreibt nach dem Verkauf zehn Kliniken an fünf Standorten, darunter Marburg und Gießen und beschäftigt künftig etwa 15 000 Menschen.

von Anna Ntemiris

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