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Rhododendren mögen‘s sauer

Botanischer Garten Rhododendren mögen‘s sauer

Rhododendren gibt es in vielen Größen und mit sehr unterschiedliche Blütenformen. Sie gehören nach wir vor zu den beliebtesten Sträuchern in den heimischen Gärten.

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Großer Besucherandrang

Klaus Peter aus Reiskirchen genießt die Blütenpracht im Rhododendren-Wald des Botanischen Gartens in Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das spiegelt sich auch im großen Besucheransturm wider, den der Neue Botanische Garten der Philipps-Universität Marburg auf den Lahnbergen alle Jahre wieder erlebt. Kurt Schmidt, Technischer Leiter des Botanischen Gartens, kann das nur bestätigen. Zurzeit gibt es wieder viele Anfragen, wann denn der beste Zeitpunkt ist, um eine möglichst große Blütenpracht zu erleben. Solche Fragen könne man eigentlich nur kurzfristig beantworten, sagt der Diplom-Ingenieur. Die ersten Rhododendren sind schon verblüht, andere leuchten bunt in voller Blütenpracht. Wegen der kühlen Perioden während des Frühjahres sei die Blüte etwas zögerlich verlaufen, sagt er. Angesichts des anhaltend schönen Wetters erwartet er um Pfingsten die größte Ausdehnung des Blütenmeers. Wer sein Hauptaugenmerk auf Rhododendren richte, der sehe im Neuen Botanischen Garten von Mitte April bis Mitte Juni immer blühende Sträucher dieser Pflanzengattung.

Das gewährleistet die riesige Sammlung, die sich im südlichen Teil des Botanischen Gartens befindet. Das Gelände auf den Lahnbergen sei ein guter Standort für diese Pflanzen, erklärt Kurt Schmidt. „Unter unseren Buchen haben wir ph-Werte von bis zu 4,5 gemessen“, berichtet er und ergänzt, dass die meisten Rhododendren kalkarme, also eher saure Böden mögen.

Kiefern schützen vorzu viel Sonne und Kälte

Einziger Nachteil: Der Boden auf den Lahnbergen ist relativ dicht. „Das Wasser läuft auf der Oberfläche ab“, sagt er. Früher habe man im Botanischen Garten die Pflanzen einfach in den Boden gesetzt und das passende Substrat drumherum verteilt. Das Pflanzloch wirkte wie ein Topf, Wasser lief hinein und nicht wieder schnell genug ab. „Die Pflanzen soffen regelrecht ab“, berichtet er. Als in den 1980er-Jahren viele Kiefern umfielen, die den Pflanzen als Sonnenschutz dienten, wurden die Rhododendren umgesetzt. Man zog die Konsequenz aus der negativen Erfahrung und setzte die Pflanzbeete auf den gewachsenen Boden, sodass keine stauende Nässe mehr entsteht. Die immergrünen Rhododendren und deren Kreuzungen werden durch einen lockeren Kiefernbestand vor Kälte und zu viel Sonnenlicht geschützt. Die Gärtner bedecken die frostempfindlichen Arten und Sorten im Winter mit Reisig.

Neben einigen Wildarten ist das Sortiment von Hybriden im Rhododendrenwald besonders umfangreich. Es gibt dort unter anderem türkische (Rh. ponticum), chinesische (Rh. oreodoxa) und nordamerikanische (Rh. catawbiense) Arten.

„Der Botanische Garten ist Mitglied in der Deutschen Genbank Rhododendron“, berichtet Schmidt. Sie wurde 2010 gegründet und besteht aus einem dezentralen Netzwerk von 52 unterstützenden Partnern, Parks, Botanischen Gärten, Baumschulen und Privatgärten, die selbst über Sammlungen verfügen, erklärt der Technische Leiter. Das Netzwerk dient dazu, die großen Pflanzenschätze zu erhalten. In der Vergangenheit seinen viele Pflanzen in der ganzen Welt gesammelt und unter anderem in die Botanischen Gärten gebracht worden. Heute sei das Sammeln in manchen Ländern nicht mehr möglich, unter anderem zu gefährlich. Zum einen seien Pflanzen geschützt, zum anderen sei dies zu gefährlich.

Seltene Pflanzen werden an mehreren Orten gehalten

Es gehe heute darum, die vorhandenen Pflanzen zu schützen, zu vermehren und zu erhalten. So werde etwa eine seltene Sorte nicht nur an einem Standort, sondern an mehreren Orten gehalten. Denn eine Krankheit oder ein Schädling an einem Ort könne einen ganzen Bestand vernichten.

Für alle, die im eigenen Garten Rhododendren haben, hat Kurt Schmidt ein paar grundsätzliche Tipps parat: Auf einen sauren, durchlässigen Boden achten und einen Standort wählen, an dem die Pflanzen Sonne und Kälte nicht zu sehr ausgesetzt sind. Rhododendren bräuchten zwar keinen regelmäßigen Rückschnitt, wenn nötig, die Pflanze etwa zu viel Platz einnehme, könne man sie aber auch kräftig zurückschneiden. „Das mögen sie zwar nicht, vertragen es aber“, sagt der Experte. Und alle, die Rhododendren lieben, aber keinen eigenen Garten haben, lädt Kurt Schmidt ein zum Besuch im Botanischen Garten auf den Lahnbergen.

von Hartmut Berge

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