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Rheingau-Riesling und Gesundheitspolitik

Hecks Wahlkampfauftakt Rheingau-Riesling und Gesundheitspolitik

Mit der ehemaligen Mosel-Weinkönigin Kristina Brixius und dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, startete Dr. Stefan Heck in Gladenbach in seinen Wahlkampf.

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Politik und Wein mit (von links) Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundesfraktion, dem heimischen CDU-Bundestagskandidat Dr. Stefan Heck und der früheren Mosel-Weinkönigin Kristina Brixius.

Quelle: Carina Becker

Gladenbach. Es gibt drei verschiedene Weine von der Mosel, die Stefan Hecks rund 40 Gäste am Dienstagabend im Haus des Gastes in Gladenbach probieren. Kristina Brixius, heute Physikerin in Marburg, 2005/2006 noch Weinkönigin an der Mosel, stellt die verschiedenen Sorten vor, verweist auf ihren mineralischen Geschmack, der typisch sei für die Weine vom Weingut Jakob Jung in Erbach im Rheingau. Sie lobt die feine Pfirsichnote des Erbacher Steinmorgen Riesling Kabinett und bricht eine Lanze für den maßvollen Genuss von Wein, der für die Gesundheit förderlich sei.

Um die Gesundheit geht es an diesem Abend

Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete hat den gesundheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach Gladenbach eingeladen. „Politik und Wein, Heck lädt ein“ heißt es zum Wahlkampfauftakt, in lockerer Runde sollen Fragen gestellt und beantwortet werden. Jens Spahn ist gekommen, um mit dem Publikum über die Gesundheitspolitik im Allgemeinen und im Besonderen zu diskutieren. Einen Schwerpunkt nimmt dabei die ärztliche Versorgung auf dem Lande ein, vor allem die hausärztliche Versorgung, um deren Fortbestand man in vielen Regionen Deutschlands bangt - in städtischen Gebieten übrigens ebenso wie in ländlichen, wie Spahn aus seiner Erfahrung berichtet. Da gebe es die überversorgten Stadtteile in Berlin, und eben auch das genaue Gegenteil. „Die meisten Kinder leben in Kreuzberg und Marzahn, die meisten Kinderärzte sitzen in Charlottenburg“, sagt Spahn.

Dem Bundespolitiker kommt es in Gladenbach darauf an, deutlich zu machen, welche hohe Qualität das Gesundheitswesen in Deutschland (noch) aufweist - und welche Chancen er sieht, die Qualität zu erhalten. Spahn führt die flächendeckende Versorgung mit Ärzten, den schnellen Zugang zu Innovation („Sobald ein Medikament zugelassen ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür“) und das staatsferne Gesundheitswesen, mit Ärzten, die anders als in anderen Ländern eben keine Beamten sind, als entscheidende Kriterien der guten Gesundheitsversorgung in Deutschland an. Doch was davon lässt sich auch in Zukunft erhalten?

Für manche wir nur noch der Umzug in Frage kommen

„Da gibt es Landstriche, beispielsweise in Brandenburg, für die haben wir noch keine Idee“, gesteht Spahn und verweist darauf, dass für kleine Dörfer weit draußen mit einer überalterten Bevölkerung wohl kaum die Chance besteht, die örtliche Infrastruktur von der Abwasserentsorgung über die Müllabfuhr bis zur ärztlichen Versorgung zu erhalten. „In zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren werden wir diesen Leuten wohl sagen müssen, dass nur noch ein Umzug in Frage kommt.“ Im dicht besiedelten Hessen zeichnet sich wohl noch keine so düstere Zukunft ab. Was die ärztliche Versorgung angeht, herrscht gleichwohl Verunsicherung.

Die „Umstrukturierung“ des ärztlichen Notdienstes mit dem Wegfall der Zentrale in Gladenbach sowie die zahlreichen unbeantworteten Fragen nach einer Nachfolgeregelung für Hausärzte in den ländlichen Regionen des Landkreises stimmen die Bevölkerung und auch die Ärzteschaft sorgenvoll. Immer wieder geht es dabei in der Auseinandersetzung mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) um die so genannte Bedarfsplanung. Dr. Hartmut Hesse, Vorsitzender der heimischen Ärztegenossenschaft „Prima“ und Arzt in Marburg, informiert darüber, dass die KV den Landkreis in ihrer Bedarfsplanung in fünf Bezirke einteilt. „Gladenbach und Marburg gelten in dieser Planung als überversorgt“, sagt Hesse und verweist darauf, dass im Gebiet Biedenkopf sieben bis acht Hausärzte fehlten.

Landpraktikum für Medizinstudenten?

Spahn setzt allerdings auf die neue, kleinflächigere Bedarfsplanung der KVen, in der die Landkreise für die ärztliche Versorgung nicht mehr als Ganzes bewertet, sondern unterteilt werden. „Immerhin haben Sie jetzt schon eine bessere Informationslage“, stellt er zu Hesses Äußerungen fest. Die KVen müssten in den nächsten Jahren lernen, „nicht mehr zu großflächig zu planen“.

Gleichwohl bleibe der Dreh- und Angelpunkt in der Diskussion um die hausärztliche Versorgung letztlich die Frage, wie man junge Ärzte für den Einsatz auf dem Lande gewinnen könne. Spahn setzt dabei auf gezielte Werbung für dieses Tätigkeitsfeld und praktische Erfahrungen schon während des Studiums. „Da können Sie Broschüren erstellen so viel Sie wollen, es kommt darauf an, dass künftige Ärzte das Leben und Arbeiten auf dem Land selbst kennen lernen und dass Sie dort eine attraktive Infrastruktur vorfinden.“

Abschließende Antworten auf die großen Fragen nach der Zukunft der (haus-)ärztlichen Versorgung gibt es in Gladenbach an diesem Abend nicht. Vieles bleibt offen, so auch die Frage von Arzt Hartmut Hesse nach der Praxisgebühr, durch deren Wegfall die zentrale Rolle des Hausarztes in der Patientenbetreuung nun wieder verlorengegangen sei. Um einen Ansturm auf die Facharztpraxen zu verhindern, schlägt Hesse vor, dass jene Patienten, die keine Überweisung vom Hausarzt mitbrächten, dann doch wenigstens beim Facharzt die Praxisgebühr entrichten sollten. Spahn lässt sich zu der Frage nicht ein, es sei gerade „ein heikles Thema“, sagt er.

von Carina Becker

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