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Reue bewahrt 18-Jährigen vor dem Jugendarrest

Aus dem Amtsgericht Reue bewahrt 18-Jährigen vor dem Jugendarrest

Dank seiner Einsichtigkeit und eines Geständnisses blieb dem Angeklagten eine härtere Strafe erspart. 50 Sozialstunden und Antiaggressionstraining lautete das Urteil.

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Die Verhandlung fand vor dem Amtsgericht Marburg statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Er sprach leise, flüsterte fast. Als er sich wegen Körperverletzung verantworten musste, zeigte der 18-Jährige Reue. Denn er gestand die Tat nicht nur ein, sondern entschuldigte sich auch beim ein Jahr jüngeren Opfer. „Ich wollte dich nicht so verletzten und habe die Kontrolle über mich verloren. Es tut mir leid“, sagte er kleinlaut zum Zeugen. Dieser nahm die Entschuldigung an.

Quasi mit Erreichen der Volljährigkeit wurde der Angeklagte von Mutter und Stiefvater aus der Wohnung geworfen und war zeitweise ohne festen Wohnsitz. Kurz darauf, im Februar dieses Jahres, schlug er einen ihm bekannten Jungen am Marburger Hauptbahnhof mehrmals ins Gesicht. Der 17-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch, Verletzungen an der Augenhöhle sowie ein Schädeltrauma - alles ohne bleibende Folgen.

„Er hat gedacht, ich habe seinen Eltern erzählt, dass er Drogen verkauft. Das habe ich aber nicht“, erklärte der Geschädigte. Der Angeklagte berichtete hingegen, dass er vom 17-Jährigen drangsaliert worden sei. „Ich war einfach wütend, dass Lügen über mich erzählt wurden“, erklärte der 18-Jährige.

„Von Mitschülern gehänselt, weil ich dick war“

Die Quelle seiner Aggressionen liege in seiner Schulzeit in Marburg. „Von meinen Mitschülern wurde ich oft gehänselt, weil ich dick war“, erklärte der Angeklagte. Bereits damals habe er sich durch Gewalt Respekt verschafft.

Um dem entgegenzuwirken, plädierte Verteidigerin Erika Schäfer auf die Anordnung ­eines Antiaggressionstrainings sowie 40 Sozialstunden. Staatsanwalt Peter Heinisch sprach sich für 50 Stunden aus. Zu diesem Urteil kam auch Richter Thomas Rohner. Auch das Antiaggressionstraining ordnete Rohner an und gab dem 18-Jährigen deutliche Worte mit auf den Weg: „Weil Sie sich geständig gezeigt und nicht herumgeeiert haben, kann ich von einem Arrest absehen. Aber Ihnen muss klar sein, dass das sehr glimpflich für Sie ausgegangen ist.“

von Benjamin Kaiser

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