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Respekt und Anteilnahme für Opfer und Angehörige

Gedenken Respekt und Anteilnahme für Opfer und Angehörige

Mit dem Anbringen eines Kranzes an der Gedenktafel am alten Landratsamt hat die Stadt Marburg der 500.000 Sinti und Roma gedacht, die unter den Nationalsozialisten ermordet worden sind.

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Oberbürgermeister Egon Vaupel (von rechts) brachte zusammen mit Romano Strauß und Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer bei der Gedenktafel einen Kranz an.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Etwa 30 Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung in der Oberstadt teil. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) erinnerte daran, dass auch vom Marburger Hauptbahnhof am 23. März 1943 Sinti aus der Universitätsstadt und Umgebung in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden.

Die meisten hätten dort ihr Leben gelassen. Seit dem 50. Jahrestag 1993 hängt am heutigen Bauamt der Stadt deshalb eine Gedenktafel.

Der Gedenktag sei Ausdruck des Respekts und der Anteilnahme für die Opfer und ihre Angehörigen, sagte Vaupel. Aber er diene nicht nur dem Rückblick, sondern sei auch Auftrag für Gegenwart und Zukunft, so der Oberbürgermeister.

„Freiheit und Demokratie sind kein Geschenk, sie müssen auch gelebt werden“. Wichtig sei es deshalb, die Jugend einzubinden. In der Vergangenheit habe es immer wieder Aktionen mit Schülerinnen und Schülern gegeben. Und er sei froh, dass junge Menschen sich so intensiv mit dem Thema auseinandersetzten. „Denn Leid darf für eine lebenswerte Zukunft nicht vergessen werden“. Nur so könne es gelingen, dass Menschen im Sinne des Miteinanders füreinander da seien.

Für den Verband der Sinti und Roma in Hessen sprach Maria Strauß. Sie hob hervor, dass die Gedenkveranstaltung einmalig in Hessen sei, deshalb sei sie der Stadt Marburg sehr dankbar. Es werde immer wieder die Frage nach Verzeihung gestellt. Sie sei zu der Erkenntnis gekommen, dass niemand im Namen aller Opfer und deren Angehöriger diese aussprechen dürfe. „Das Land hat Schuld auf sich geladen“, Tatsache sei es aber auch, so Strauß weiter, dass die allermeisten heute hier lebenden Menschen keine Schuld hätten, sie müssten deshalb auch nicht um Verzeihung bitten.

Gedenken heißt laut Strauß an die Ursachen des Völkermordes zu erinnern. Die Nationalsozialisten hätten Rassismus zur Staatsdoktrin gemacht. Die meisten Menschen hätten weggeschaut, viele seien über die Deportationen sogar froh gewesen. „Die Zigeunerbilder bestehen auch noch heute, und wer die Ursache der Unmenschlichkeit, den Antiziganismus, nicht erkennt, der ist blind für die Gegenwart“, schloss Maria Strauß.

von Heiko Krause

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