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Rentnerin streitet mit Dienstleistungsbetrieb

Müllabfuhr Rentnerin streitet mit Dienstleistungsbetrieb

Seit mehr als 20 Jahren lebt Katharina Knobel in Marburg. Seit einigen Monaten ärgert sich die Rentnerin über die örtliche Müllabfuhr. Mit ihrer Beschwerde wandte sie sich hilfesuchend an die OP

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Viel Platz ist nicht zwischen Gehweg und Parkzone auf der Straße „Im Rudert“. Rollt dann auch noch die Tonne über den Bordsteinrand, wird es noch enger für den Straßenverkehr, weiß Anwohnerin Katharina Knobel.Foto: Ina Tannert

Cappel. Alle zwei bis vier Wochen stellt die Marburgerin Katharina Knobel am Abholtag ihre graue, blaue oder grüne Tonne vor ihr Grundstück in der Straße „Im Rudert“. Eine normale allwöchentliche Aufgabe, wie sie jeder kennt.

Die Rentnerin lebt sei mehr als 20 Jahren im Gewerbegebiet Cappel. Bis vor wenigen Monaten gab es nie Probleme, doch seit einigen Wochen wächst der Frust der Anwohnerin. Ihr Vorwurf: Die Mitarbeiter der städtischen Abfallentsorgung stellen ihre Mülltonnen nach der Leerung nicht wieder ordnungsgemäß zurück, behindern damit den Verkehrsfluss und steigern so das Risiko eines Unfalls. „20 Jahre lang war das nie ein Thema, jetzt plötzlich mache ich mir Sorgen“, sagt Knobel.

Sie wohnt an einer gut frequentierten, verzweigten und teils kurvigen Straße. Selbst durch korrekt parkende Autos wird die Fahrbahn stark eingeschränkt, zwei sich begegnende Fahrzeuge kommen nicht gleichzeitig durch das Nadelöhr vor ihrem Wohnhaus. Auf dem anschließenden, eigentlich breiten Gehweg verläuft zudem ein Fahrradweg.

Wenn die Anwohnerin nun alle Wochen wieder ihre Mülltonnen raus stellt, achtet sie darauf, weder den Verkehr auf der engen Straße noch ein Durchkommen auf dem Rad- oder Gehweg zu behindern. Daher platziert sie die Tonnen auf der dem Haus näher liegenden Wegseite.

Seit einigen Monaten steht die Abfalltonne nach jeder Leerung jedoch direkt auf dem Gehweg oder der anderen Seite des Fahrradweges, der näher an der Straße liegt.

Dieser knapp ein Meter breite Streifen ist leicht abschüssig, was zu dem Hauptproblem führt: Regelmäßig rollt die geleerte Tonne bergab an die enge Straße, reicht dann über die Bordsteinkante hinaus und behindert den Verkehr.

Zurückstellen aufsGrundstück kostet extra

Bei Wind wird das Gefäß zudem auch schon mal mitten auf die Fahrspur geweht. Nun hat Knobel Sorge, dass bei einem Unfall oder einerKollision eines Fahrzeugs, verursacht durch eine falsch abgestellte Mülltonne, sie für einen eventuellen Schaden gerade stehen muss.

Mehrere Anrufe beim Abfallservice des zuständigen Dienstleistungsbetriebs der Stadt Marburg (DBM) konnten sie nicht beruhigen, warfen viel eher weitere Fragen auf. Laut der Beschwerdeführerin teilte ihr ein Mitarbeiter mit, dass eine eventuelle Schadenswiedergutmachung „ihre Sache sei“.

Zudem würden für ein Zurückstellen der Tonnen auf das Grundstück extra Gebühren berechnet. Mittlerweile habe sie Angst ihre Tonnen an die Straße zu stellen, teilte die Rentnerin mit. Dass die Tonnen regelmäßig Teile der Fahrbahn blockieren, bestätigte auch ein Nachbar: „Zwei Meter weiter von der Straße weg und es gäbe keine Probleme“, sagte auch Helmut Brand von der Firma Richter und Frenzel, die ebenfalls in dem Gebäude ansässig ist. Der fragliche Abstellbereich, der für die Anwohner ein erhöhtes Risiko enthält, liegt nur wenige Schritte von dem gerade verlaufenden Radweg entfernt. „Es wäre kein großer Aufwand die Tonnen einfach etwas weiter von der Straße sicher abzustellen“, findet Frau Knobel.

Größter Streitpunkt in diesem Fall ist der genaue Standort der Tonnen. In der Abfallsatzung der Universitätsstadt Marburg heißt es dazu: „Die Abfallbehälter sind grundsätzlich an dem zur Fahrbahn hin liegenden Rand des Gehweges aufzustellen oder - soweit keine Gehwege vorhanden sind - am äußersten Fahrbahnrand, und zwar so, dass sie den Verkehr nicht mehr als notwendig und vertretbar beeinträchtigen sowie Vorübergehende nicht behindern“ (Paragraf 14, Artikel 2).

Rechtlich betrachtet sind demnach die Anwohner (als Anschlusspflichtige) angehalten, ihre Tonnen am Straßenrand des Gehweges sowie in „nicht verkehrsbehindernder Weise zur Abholung bereit zu stellen“.

Die Mitarbeiter der Abfallentsorgung sind wiederum angehalten die Behälter, nach der Leerung, wieder an den vorherigen Standort von dem sie weg genommen wurden, zurück zu stellen, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage der OP mit.

„Es gibt in Marburgviele knifflige Stellen“

Die daraus resultierende Problematik, die der abschüssige Gehweg mit sich bringt, ist nun schon seit Monaten Dreh- und Angelpunkt in dem Streit zwischen der Rentnerin und der Abfallentsorgung. „Es gibt in Marburg viele knifflige Stellen, an denen es schwierig ist, eine Behinderung zu vermeiden“, teilte Sonja Stender vom DBM mit. Richtig ist, dass ein Abholen sowie das Zurückstellen der geleerten Behälter direkt auf dem Grundstück der Anschlusspflichtigen als Vollservice-Angebot weitere Gebühren nach sich zieht.

DBM: Mitarbeiter sollen situationsbedingt handeln

Beim Standardservice müssen die Tonnen dagegen an der Straße stehen und abgeholt werden. Jedoch seien alle Mitarbeiter dazu angehalten, in entsprechenden Risikobereichen situationsbedingt zu handeln. „Die Kollegen achten darauf. Wir werden die Sache prüfen“, versprach der DBM auf OP-Nachfrage.

Mittlerweile hat sich das Unternehmen ein Bild der Lage gemacht und Gutachter zu dem fraglichen Straßenabschnitt geschickt. Die Mitarbeiter besprachen die Problematik mit Knobel und versicherten, „sich um die Sache zu kümmern“. Am vergangenen Müllabfuhrtag wurde die Tonne „ordentlich zurück gestellt“, freute sich die Anwohnerin.

von Ina Tannert

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