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Rekordernte bringt zu wenig Erlös

Kreiserntedankfest Rekordernte bringt zu wenig Erlös

Eigentlich ist es ein Tag zum Danken, doch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Erwin Koch, Landrätin Kirsten Fründt und Pfarrer Karl-Günter Balzer kritisierten aber eine Politik, die bei guter Ernte für Einkommenseinbrüche sorge.

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Die Trachtentanzgruppe aus Wollmar sorgte für Schwung und gute Stimmung.

Quelle: Martina Koelschtzky

Sterzhausen. 250 Landwirte, Landfrauen und Ehrengäste waren am Sonntag zum traditionellen Erntedankfest des Kreisbauernverbandes nach Sterzhausen gekommen.

In seiner Andacht sagte Pfarrer Balzer, es sei eine verrückte Welt, in der eine gute Ernte die Stimmung drücke. „Lebensmittel sind nichts mehr wert und die Bauern, die sie erzeugen, werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt“, meinte er. „Wenn sie für unsere Ernährung von morgens früh bis spät in die Nacht arbeiten, holt heute schon manch einer die Polizei, weil es ihm zu laut ist.“

Der Pfarrer erinnerte auch daran, dass die Güter der Erde ungleich verteilt seien. „Hier ist genug für alle da. Aber vergesst nicht zu teilen“, mahnte er. Der Gottesdienst wurde vom Posaunenchor Lahnfels musikalisch begleitet. Kreisbauernvorsitzender Erwin Koch sprach darüber, wie die Lage auf dem Weltmarkt und die internationale Politik den Landwirten den Lohn für ihre Arbeit nehme. „Die Rekordernte stellt die Bauern vor ein Problem, die Lebensmittel am Markt unterzubringen. Selbst als Viehfutter oder Energieträger sind die Erzeugnisse kaum noch gefragt. Die Kartoffelbauern beispielsweise haben 469 Doppelzentner pro Hektar geerntet, so viel wie noch nie. Doch beim derzeitigen Erzeugerpreis von fünf Euro für den Doppelzentner haben sie umsonst gearbeitet.“

Koch betonte die unglaublichen Leistungen der Landwirte weltweit. „Als ich vor 50 Jahren anfing, meinen Hof zu bewirtschaften, gab es knapp drei Milliarden Menschen auf der Welt, die ernährt werden mussten. Heute sind es über sieben Milliarden, und die Vereinten Nationen haben festgestellt, dass der Hunger zurückgegangen ist. Die Bauern sorgen dafür, dass heute 6,2 Milliarden satt werden“, sagte er.

Landrätin Kirsten Fründt sagte den Landwirten die Unterstützung des Kreises für die neuen Anforderungen der EU-Politik zu, die ganz neue Rahmenbedingungen setze. Die EU-Politik verursache eine sinkende Zahl von Betrieben im Landkreis. „Von 1700 Familienbetrieben bei uns können gerade noch ein Viertel im Vollerwerb wirtschaften“, sagte sie.

Dennoch sei gerade zur Ernte deutlich, dass Bauer der schönste und wichtigste Beruf sei, den es gebe. „Lasst uns heute die gute Ernte feiern und uns morgen wieder den Herausforderungen stellen“, schloss sie.

Provokanter Festvortrag

Der Festvortrag des Lebensmittelchemikers Udo Pollmer sorgte abwechselnd für Applaus und für Kopfschütteln im Saal. Er kritisierte, aus Geldmangel bei den Medien und mangelndem Wissen der in den Netzwerken Aktiven werde mit falschen Annahmen eine „neue Religion“ von „Gesundheitswahn und Vegetarismus“ propagiert. Die Landwirte machten zu wenig Öffentlichkeitsarbeit und oft auch die falsche. „Wenn Sie an den sozialen Medien kein Interesse haben, fragen Sie Ihre Kinder. Sie müssen den Verbrauchern erklären, was Sie wirklich tun“, forderte er. Auch viele seiner Ausführungen, welche Gesundheitsaussagen auf falsch bewerteten Statistiken beruhen, fanden großes Interesse.

In seiner Kritik an „Vegetarismus und übertriebener Tierliebe“, bei der nichts mehr gegessen werden dürfe, was gestreichelt werden könne, verstieg er sich allerdings zu Aussagen, die unter den Gästen Kopfschütteln auslösten. So behauptete er, es gebe keinen Klimawandel, dieser sei nur eine Erfindung derjenigen, die daran verdienten.

Die Wolfsprojekte der Naturschützer hätten den bewussten Zweck, die landwirtschaftliche Tierhaltung unmöglich zu machen und die Aufmerksamkeitsstörungen der meisten Kinder kämen von falsch verstandener gesunder Ernährung. „Die Kinder werden von dem vegetarischen Essen einfach nicht mehr satt und können sich vor Hunger nicht mehr konzentrieren. Bei den meisten ADHS-Kindern wäre mit einer Wurstsemmel wieder alles in Ordnung“, sagte er.

Außerdem behauptete er, es sei erwiesen, dass Soja als ursprünglich giftige Pflanze das Gehirn zerstöre. „Wenn Sie blöde Kinder wollen, geben Sie ihnen Tofu“, meinte er provokant.

Nach seinem Vortrag servierten die Landfrauen aus Simtshausen Kaffee und Kuchen. Für gute Laune und wippende Füße sorgten die Trachtentänzer aus Wollmar mit ihren schwungvollen Darbietungen. Sowohl die Jugendgruppe als auch die Erwachsenen zeigten unterschiedliche Volkstänze und ernteten viel Applaus.

von Martina Koelschtzky

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