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Reise nach Rom unter neuen Vorzeichen

Papst-Rücktritt Reise nach Rom unter neuen Vorzeichen

Zu den ersten externen Gästen im Vatikan, die nach Ostern den neuen Papst während einer Privataudienz treffen, zählt wohl der Marburger Student Marc Kaiser.

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Ein bewegender Moment für den Marburger Studenten Marc Kaiser: In einer Privataudienz vor gut einem Jahr traf der 29-Jährige in Rom Papst Benedikt XVI. Kurz nach Ostern reist er erneut in den Vatikan und trifft dann vermutlich schon den Nachfolger.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Den noch amtierenden Papst Benedikt XVI. hat er bereits getroffen, für eine weitere Privataudienz am 10. April hatte er bereits Karten: Seit der deutsche Pontifex aber am Montag mit einem historischen Entschluss seinen Rücktritt zum 28. Februar erklärt hat, steht die geplante Reise in den Vatikan für den Marburger Studenten Marc Kaiser unter einem ganz anderen Stern.

Denn zusammen mit Professor Harald Wagner, der aus Gladenbach stammt und der von 1980 bis 1991 das Katholisch-Theologische Seminar der Marburger Philipps-Universität leitete, wird er als dessen Assistent erneut in den Vatikan reisen - und als einer der ersten Besucher wohl schon dem neuen Papst in einer Privataudienz begegnen.

„Jemals mit dem Papst ein persönliches Wort wechseln zu können, das hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt Marc Kaiser, für den um die Jahreswende 2012 ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung ging.

Er erinnert sich, dass er vor der Audienz nervös gewesen sei. „Doch der Heilige Vater hat es innerhalb weniger Sekunden geschafft, dass ich über meine innere Unruhe überhaupt nicht mehr nachgedacht habe.“

Wie er das Treffen mit Papst Benedikt erlebt hat, schildert er in einem Gastbeitrag und wirft darin auch einen Blick nach vorn. Auf die Herausforderungen, denen sich die katholische Kirche aus seiner Sicht stellen muss.

Der 29-Jährige arbeitet als Autor gegenwärtig an einem theologischen Werk mit dem Titel „Zukunft der Kirche“ mit, das Wagner noch vor Ostern publizieren und dem neuen Papst überreichen möchte.

Am Abend nach der geplanten Audienz am 10. April treffen Wagner und Kaiser außerdem Bischof Joseph Clemens, den Leiter des päpstlichen Rates für die Angelegenheiten der Laien und einen der engsten Vertrauten Papst Benedikts. „Vielleicht wird uns Bischof Clemens die Vorgänge hinter den Kulissen etwas beleuchten können“, gibt sich Harald Wagner gespannt. Zudem hofft der Gelehrte für katholische Dogmatik, mit seiner neuen Arbeit auch einen Impuls für die Weiterentwicklung der katholischen Kirche beitragen zu können.

Papst Benedikt und Wagner sind Weggefährten, die sich schon mehrfach begegnet sind. Neben Treffen bei kirchlichen und wissenschaftlichen Konferenzen kennt Wagner ihn, Joseph Ratzinger, vor allem auch durch dessen Wirken als Professor in Münster. „Ich habe den Lehrstuhl für katholische Dogmatik sozusagen von ihm geerbt und dadurch viel über ihn als Wissenschaftler, Priester und Mensch gelernt.

„Dass sie sich schon lange kennen, spürte man bei ihrer letzten Begegnung schon beim Einzug des Papstes in die Audienzhalle“, erinnert sich Marc Kaiser. „Als Benedikt XVI. den Professor erspähte, hat er ihn mit einem Augenzwinkern gegrüßt.“

von Christoph Linne

Im Blickpunkt

Marc Kaiser (29) studiert seit Oktober in Marburg Psychologie. Er ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, dem größten Begabtenförderungswerk in Deutschland. Die Stiftung ist nach eigenen Angaben als einzige politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig. Kaiser ist in Schwerte geboren und hat sein Abitur am Abendgymnasium Münster mit einem Notendurchschnitt von 1,1 nachgeholt. Durch seinen Job bei einem Pflegedienst in Münster lernte er auch den früheren Marburger Theologen Harald Wagner kennen und wurde dessen Assistent. Wagner ist nach einem Schlaganfall auf einen Rollstuhl angewiesen. Marc Kaiser, der sich für Musik, Sport, Literatur und Filme interessiert, lebt mit zwei anderen Studenten in einer Wohngemeinschaft.

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