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Reise durch die magische Märchenwelt

Aktion im Schloss Reise durch die magische Märchenwelt

„Es war einmal...“ - weltweit wird es mucksmäuschenstill, wenn diese drei Worte erklingen. Karin Kirchhain weiß um diese Magie. Sie ist Märchenerzählerin von Beruf. Und aus Leidenschaft.

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Ein wenig wie Mary Poppins: Märchenerzählerin Karin Kirchhain präsentiert ihr ganz spezielles Winter-Outfit.
Foto: Privat

Marburg. Die 51-Jährige passt in kein starres Korsett. Sie ist spirituell, alternativ und lässt ihren Gedanken freien Raum. Karin Kirchhain erlaubt sich einen etwas anderen Blick auf die Welt. Der ist nicht schlechter, der ist nicht besser. Es ist ihr ganz eigenes Verständnis von Leben. Von Wohlfühlen. „Wenn ich etwas anfange, dann möchte ich es schön und nützlich machen“, sagt sie. Karin Kirchhain hat viele Talente, engagiert sich als Ausbilderin beim Roten Kreuz, als Zumba-Trainerin, bietet Lach-Yoga-Kurse an, ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und professionelle, staatlich geprüfte Märchenerzählerin. „Ja, den Beruf gibt es wirklich.“

Ganz wichtig: Karin Kirchhain erzählt Märchen, füllt sie mit Leben. Sie liest sie nicht bloß vor. In dem einen Moment schlüpft sie in die Rolle der bösen Hexe, im nächsten ist sie Schneewittchen und dann jeder einzelne Zwerg. Über 100 Märchen und Geschichten hat sie im Repertoire. Auswendig und nahezu exakt am Original. Und die erzählt sie. Im Botanischen Garten einer Wandergruppe. Im Landgrafenschloss den Kindern. Den Ministern bei der Eröffnung des hessischen Staatsarchivs in Marburg. Eine Bühne braucht die Marburgerin nicht. Die kreiert sie sich selber. Mit Worten. Mit Gesten. Und sie interagiert mit ihrem Publikum. Lauschen Jungs ihren Geschichten, geht es um Helden. Hören Mädchen zu, spielen Prinzessinnen in den Märchen die Hauptrolle.

Seit sieben Jahren dreht sich die Welt von Karin Kirchhain um Sagen und Mythen. Getrieben war sie ständig von dem Wunsch, „etwas mit meiner Stimme machen zu wollen.“ Sie besuchte ein Seminar zur Stimmenführung, hatte den inneren Drang, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Nur wie - Radio, Fernsehen? Nein, das war es nicht, was die 51-Jährige wollte. Die Marburgerin ging auf die Suche. In Büchern, im Internet. Was sie machen wollte und was nicht, das wusste sie genau. Es fehlte sozusagen nur noch die Verpackung.

„Ich hatte eine Sehnsucht. Dass mich die zu der Märchenwelt leiten würde, damit habe ich nicht gerechnet.“ Zunächst. Schnell weckten die Drachen, die Zauberer, die Könige ihre Leidenschaften. 2006 begann sie die Ausbildung, ein Jahr später hielt Karin Kirchhain ihre Urkunde in den Händen. Ein einmaliges Gefühl. „Märchen zu erzählen, das ist der beste Deutsch-Unterricht der Welt“, sagt sie. Die 51-Jährige vermittelt ihren Zuhörern Wissen, Sprache, Geschichte, Lebensweisheiten.

„Märchen sind eine Reise durch Zeit und Raum“, sagt sie. Wenn Kirchhain erzählt, dann hat sie die volle Aufmerksamkeit. Die Kinder müssen nichts mitschreiben. Sie müssen nicht rechnen, nicht lesen. Sie müssen einfach nur zuhören. Wollen zuhören. Die Kinder erfahren Gefühle, bekommen Wege vermittelt, die ein gutes Ende nehmen. „Märchen vermitteln die Kraft der Tugenden: Geduld, Mut, Tatkraft, Nächstenliebe. Das hat nichts mit belehren zu tun. Sondern mit erfahren.“

Ein Lieblingsmärchen hat Karin Kirchhain nicht. Sie hat mehr als 100. „Meine Lieblingsgeschichte ist die, die ich gerade erzähle.“ Nur wenn sie sich voll auf ihren Beruf, auf ihre Berufung einlässt, nur dann erreicht sie ihr Ziel. Denn: Verantwortungsbewusstsein ist ebenso wichtig. In Märchen gibt es stets das Gute. Aber auch das Böse. Furchteinflößende Hexen, Monster, Kobolde. „Kinder dürfen sich auch gruseln. Man muss ihnen aber auch den Weg hinaus zeigen.“ Die Gefahr erleben, Angst auszuhalten - das gehört dazu. Ebenso wie das Beschützen und das Happy End.

Was Karin Kirchhain aber gar nicht mag, das ist abschätziges Reden über ihren Berufsstand. Ihre Künste erfordern maximale Konzentration, wenn sie sich haarscharf an den Originaltexten orientiert. Jede Betonung in jedem einzelnen Satz ist wichtig. Bloßes Herunterbeten kommt für die Erzählerin nicht infrage. „Wir sind der Aussage des Märchens verpflichtet und wir haben eine Aufgabe:

Wir nehmen alle mit auf eine Reise, fördern kreatives Träumen.“ Wenn Karin Kirchhain ihre Geschichte erzählt, strömt Energie. Egal, ob im Wald, im Schloss oder in der Gaststätte. Ob Kind oder Erwachsene - es herrscht Stille. Gespannte Stille. Neugierde. Die Zuhörer träumen mit offenen Augen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann träumen sie noch heute...

von Carsten Bergmann

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