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Regionaler Einzelhandel "muss sich neu erfinden“

Online-Shopping Regionaler Einzelhandel "muss sich neu erfinden“

Der lokale Einzelhandel kann den Kampf mit den Online-Shops aufnehmen: Wenn sich viele Händler virtuell zusammenschließen, reale Lieferkonzepte entwickeln und viel Leidenschaft mitbringen, sagt Andreas Haderlein, Experte für E-Commerce.

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Im Internet bestellen und nach Hause liefern lassen – und dennoch den Marburger Handel stärken. Das geht, wenn Geschäfte gemeinsam ihre Waren auch online anbieten. Noch ist das Ganze Zukunftsmusik, daher ist die Adresse in der Grafik eine fiktive. Grafik: Sven Geske

Marburg. „Der stationäre Einzelhandel muss sich neu erfinden“: Andreas Haderlein weiß, dass er so manchen Händler mit seinen Thesen provoziert. „Der Kunde muss heute nicht mehr zum Händler, um einzukaufen“, sagt der Wirtschaftspublizist. Das Internet sei nicht der einzige Grund für diese Entwicklung. „Es ist nur der Brandbeschleuniger.“

Weitere Ursachen: Viele Familienbetriebe hätten es schwer, Nachfolger zu finden - auch das sei ein Problem. Fehlplanungen von Kommunen seien Gift für die Entwicklung des Einzelhandels in den Innenstädten.

Am Mittwoch, 4. März, ab 19.30 Uhr wird Haderlein seine Thesen in Marburg vorstellen. „Zeitenwende im Einzelhandel - Chancen für den regionalen Online-Markt“ lautet der Titel des Stadtforums, bei dem Haderlein über „Multichannel-Fitness“, „Bricks and Clicks“ oder online-lokale Einzelhandelsförderung spricht. Haderlein präsentiert aber auch Lösungsvorschläge für den regionalen Handel.

Internet als Schaufenster, auch für die Kleinen

Seine Devise: Auch die kleinste Boutique sollte das Internet als Schaufenster oder Verkaufsraum nutzen. „Inhaber, deren Läden ohnehin nicht laufen, sollten aber zunächst mal aufräumen oder ihr Konzept überdenken, bevor sie ihren Auftritt im Internet planen“, sagt der 41-jährige Frankfurter.

In Wuppertal lenkt er die Initiative „Online City Wuppertal“, die die Stadt zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufen hat. Ein Projekt, auf das ganz Deutschland blickt, sagt Haderlein. Rund 50 Einzelhändler haben sich zusammengeschlossen und bilden so etwas wie eine lokale Amazon-Gruppe. Sie bieten mehr als 4000 Waren im Internet an und können bei Bestellungen bis noch am selben Tag liefern.

„Wir führen den lokalen Handel an die Chancen des Internets heran“, so der Kulturwissenschaftler. Ob Floristen, Schuhhändler oder Schmuckläden: Die Geschäftsleute haben einen Großteil ihrer Produkte fotografiert und auf den Wuppertaler Online-Marktplatz gestellt, dort kann der Kunde bummeln, einkaufen und entscheiden, ob er die Sachen im Shop abholt oder sich nach Hause liefern lässt.

"Umerziehungsprojekt" der Kunden

Das sei ein „Umerziehungsprojekt“ der Kunden. Sie erfahren: Der Händler aus der eigenen Stadt kann so gut wie Amazon. „Das Beste aus beiden Welten - online und offline - kriegt er immer in Wuppertal.“ Und man beachte die kleinen, aber feinen Unterschiede: „Wir liefern den Einkauf in Tüten, nicht in Paketen.“ Nun macht in Wuppertal aber auch ein Kühlschrank-Händler mit - das Konzept wachse mit den Herausforderungen.

Ein Prozent der Online-Besucher des OCW-Marktplatzes haben im Dezember etwas bestellt, diese Konversationsrate sei für den Anfang gut, so Haderlein. Bei Online-Shops ist die Durchschnittsrate drei Prozent. Auch wenn das Wuppertaler Projekt noch zu neu sei, um repräsentative Ergebnisse zu liefern, sei es auf viele Städte übertragbar, sagt Haderlein. Wichtig sei dabei, dass die Stadt mitspiele, denn es gehe auch um die Belebung der Zentren. Ein Citymanager von heute müsse Handelsmarketing-Themen verstehen, redaktionelles Verständnis für einen Online-Auftritt und hohe Medienkompetenz besitzen.

„Städte haben nur noch eine Chance, wenn sie gemanagt werden wie ein Einkaufscenter“, sagt Haderlein. Das bedeute: Eine Stadt wie Marburg müsse ihre Politik dahingehend ändern, dass sie nicht nur in die Aufenthaltsqualität investiert, sondern auch digitale Fördertöpfe in den Haushalt stelle, sagt Haderlein. Er werde morgen nur Vorschläge und Beispiele aufzeigen, ergänzt er.

Die öffentliche Veranstaltung beginnt morgen um 19.30 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal, Barfüßerstraße 50. Der Eintritt ist frei.

von Anna Ntemiris

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