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Regeln setzen, Ansprechpartner sein

Medienpädagogische Fachtagung Regeln setzen, Ansprechpartner sein

„Der gesetzliche Jugendschutz greift nicht mehr“, erklärte Kirstin Koch, Jugendmedienschutzbeauftragte der Stadt Frankfurt auf einer medienpädagogischen Fachveranstaltung im Haus der Jugend.

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Jeder Jugendliche trägt heute mit dem Smartphone einen Computer mit sich.

Quelle: Patrick Pleul (Archiv)

Marburg. Veranstalter war das „Klick“-Netzwerk Medienkompetenz Marburg. „Deshalb ist der erzieherische Jugendmedienschutz immer wichtiger“, sagte die Referentin. Begleiten, Regeln setzen, Ansprechpartner sein - das seien die Aufgaben der Pädagogen.

Mit dem Smartphone trage heute jeder Jugendliche seinen eigenen Computer mit sich herum. Früher habe Koch noch Veranstaltungen für Eltern ausgerichtet, wie man die PCs der Kinder sicherer machen kann. „Smartphones hingegen haben so gut wie keinen Schutz“, sagte Kirstin Koch. So könnten Jugendliche heute beispielsweise uneingeschränkt Videos über Bluetooth austauschen. Bei der Anmeldung auf Facebook werde der Nutzer zwar nach seinem Alter gefragt, eine Überprüfung finde jedoch nicht statt, sodass auch Kinder unter dem Mindestalter von 13 Jahren die Plattform nutzen könnten. Über die App „Steam“ könnten sich Jugendliche auch Spiele herunterladen, die ab 18 Jahren sind.

„Kinder sind erst mal so gepolt, ,was ich kann, das mach ich‘“. In der JIM-Studie von 2014 gaben 57 Prozent der befragten Jungen und 19 Prozent der Mädchen an, brutale oder besonders gewalttätige Spiele, die also als jugendbeeinträchtigend oder -gefährdend eingestuft werden, zu spielen. Splatter- oder Folterfilme zu schauen, seien Mutproben. „Da stehen die Mädels genauso drauf wie die Jungs“, sagte Koch.

Für Pädagogen sei es wichtig zu wissen, womit sich die Kinder und Jugendlichen beschäftigen. An einem Montagmorgen, nachdem am Wochenende ein Kettenbrief über einen Geist, der seinen Empfänger heimsuche, kursiert war, sei in einer Grundschulklasse kein normaler Unterricht möglich.

Handyverbot bis zur sechsten Stunde

Da mittlerweile auch schon Dritt- und Viertklässler Smartphones hätten, müsse die Vermittlung von Medienkompetenz bereits in der Grundschule stattfinden. „Ich wünschte, es gebe einen Raum, wo man über Medien redet“, sagte Koch. Das Fach Medienethik gebe es in Hessen jedoch im Vergleich zu anderen Bundesländern bisher nicht.

„Das soll in allen Fächern mitgemacht werden“, erklärte Dr. Horst Falk, Fachberater für Medienbildung am Schulamt in Marburg, der einer der Teilnehmer der Tagung war. Dabei sei es die Aufgabe jeder Schule, für sich ein Medienbildungskonzept zu entwickeln.

Am Gymnasium Philippinum, wo er als Lehrer tätig sei, habe man gute Erfahrungen mit einem Handyverbot bis zur sechsten Stunde gemacht. „Es ist dadurch für alle entspannter geworden, die Schüler vermissen das nicht und unterhalten sich wieder.“

Nach dem Einstiegsvortrag lernten die Teilnehmer in einem Workshop unter der Leitung von Jan Ruland vom Institut für Medien und Kommunikation Hessen, wie sie mit ihrer Institution über ihre Webpräsenz gezielt Jugendliche ansprechen können. Das Netzwerk „medisa - Medien, Sicherheit und Aufklärung“ aus dem Landkreis Marburg Biedenkopf, Pro Familia und Wildwasser informierten über Phänomene von Cybergrooming bis Online-Mobbing.

von Freya Altmüller

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